Eisenstadt: Segensgrüße vom Papst zum Jubiläumsjahr
Papst: Diözese ist "von Vielfalt und vom Miteinander verschiedener Sprachen, Kulturen und Traditionen geprägt" - Martinsfest bildet Auftakt zum Jubiläumsjahr der Diözese Eisenstadt, die vor fünfzig Jahren, am 15. August 1960, zur Diözese erhoben wurde
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Eisenstadt, 11.11.09 (Katholisch.at) Begleitet von den Segensgrüßen Papst Benedikts XVI. wurde am heutigen Mittwoch, dem Festtag des Hl. Martin von Tours und zugleich dem burgenländischen Diözesan- und Landesfeiertag, das Jubiläumsjahr der Diözese Eisenstadt eröffnet. Anlass ist die Erhebung der damals noch zur Erzdiözese Wien gehörenden Apostolischen Administratur zur eigenständigen Diözese vor fünfzig Jahren, am 15. August 1960, durch Papst Johannes XXIII. Den Auftakt zum Jubiläumsjahr bildete am Vormittag ein Festgottesdienst mit dem Apostolischen Nuntius Peter Stephan Zurbriggen und Diözesanbischof Paul Iby. Am Nachmittag folgt eine Festakademie, bei der die Entstehung und Entwicklung der Diözese noch einmal in persönlichen Erinnerungen und Zeugnissen nachgezeichnet werden soll.
In seinen von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone übermittelten Segensgrüßen, die Nuntius Zurbriggen beim Festgottesdienst verlas, lobte Papst Benedikt XVI. die kulturelle Vielfalt, die ein Aushängeschild der Diözese ist. Wörtlich schreibt der Papst: "Die Errichtung der Diözese Eisenstadt brachte die notwendig gewordene und lang ersehnte Neuordnung des kirchlichen Lebens im jüngsten österreichischen Bundesland zu ihrem Abschluss und zwar zugleich Geburtsstunde einer neuen lebendigen Teilkirche, die von der Vielfalt und vom Miteinander verschiedener Sprachen, Kulturen und Traditionen geprägt ist."
Vieles sei in den vergangenen fünfzig Jahren "zum Wohl und zum Heil der Menschen im Burgenland geschehen", so Papst Benedikt XVI. weiter, dafür gelte es in dem kommenden Jubiläumsjahr Dankbarkeit zu zeigen. Zugleich gelte es, sich in diesem Jahr "neu in den Dienst Gottes und in den Dienst an den Menschen stellen zu lassen" und sich "vom Herrn in Anspruch nehmen zu lassen". Die Diözese möge das Jubiläumsjahr nutzen, um "mit frischem Schwung die befreiende Botschaft des Evangeliums zu verkünden". Dies sei der Auftrag "heute wie vor fünfzig Jahren an die Kirche in der Diözese Eisenstadt".
Nuntius: Christen brauchen "langen Atem"
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Bewusstes Christsein verlangt heute nach einem "langen Atem", nach "Weltoffenheit" und nach einer unbeirrten Eingliederung in die Kirche als Teil der großen Weltkirche. Dies betonte der Apostolische Nuntius in Österreich, Peter Stephan Zurbriggen, in seiner Predigt beim Festgottesdienst im Eisenstädter Dom. Ein "langer Atem" sei bei Gläubigen wie bei Priestern notwendig, da die moderne Gesellschaft ansonsten in "rastlose Kurzatmigkeit" oder aber in "Frustration und Resignation" zu führen drohe. Es gelte, ein Gleichgewicht zwischen einer gläubigen Gelassenheit und einem leidenschaftlichen Handeln in der Welt zu finden, so der Nuntius.
Weiters sei es notwendig, in der vom Zweiten Vatikanischen Konzil gelehrten Weltoffenheit ("aggiornamento") "neue missionarische Initiativen" zu setzen. Dabei gelte es allerdings, in der Gemeinschaft der Weltkirche zu agieren, da man "als geistlicher und zugleich weltoffener Mensch nicht Einzelkämpfer" sein könne, so Nuntius Zurbriggen. In all diesen Haltungen könne der Landes- und Diözesanpatron, der Hl. Martin von Tours, als Vorbild dienen.
Zugleich erinnerte der Nuntius an die Worte Papst Johannes Pauls II., der das Burgenland im Jahr 1988 besuchte und damals die "Brückenfunktion" des Burgenlandes und der Diözese Eisenstadt "zu den Völkern Osteuropas" würdigte.
Am Ende des Festgottesdienstes segnete Nuntius Zurbriggen eine Wanderstatue des Heiligen Martin, die im Jubiläumsjahr durch die Pfarren der Diözese wandern soll.
Umfangreiches Jubiläums-Programm
Der Festgottesdienst bildete zugleich den Auftakt zu einem umfangreichen Jubiläums-Programm, das in den kommenden Monaten das kirchliche Leben in der Diözese Eisenstadt prägen wird. So stehen etwa Diözesanwallfahrten nach Rom sowie in die Türkei ebenso im Zeichen des Jubiläums wie eine Ausstellung im Eisenstädter Diözesanmuseum. Weitere Eckpunkte des Jubiläumsjahres sind das Domweihfest am 24. Mai, eine Pastoraltagung Anfang Juli 2010 und ein Diözesantag im Oktober 2010, bei dem u.a. die pastoralen Schwerpunkte für die Zukunft festgelegt werden sollen.
Offiziell beendet wird das Jubiläumsjahr mit einem Festgottesdienst am 11. November 2010 im Eisenstädter Martinsdom, zu dem u.a. Kardinal Christoph Schönborn und die Bischöfe der Eisenstädter Nachbardiözesen erwartet werden.
"Vielsprachige und multikulturelle Diözese"
Wie Bischof Iby im "Kathpress"-Gespräch betonte, sei es ihm immer ein besonderes Anliegen gewesen, die sprachlichen und kulturellen Minderheiten in der Diözese voll in die Kirche einzubinden. Er habe sich dabei nicht nur um die kroatischen und ungarischen Gläubigen bemüht, sondern genauso auch um die Roma. Iby: "Dieser Prozess ist gelungen. Eisenstadt ist jetzt eine vielsprachige und multikulturelle Diözese geworden."
Die inhaltlichen Schwerpunkte für die Arbeit in der Diözese in den kommenden Jahre würden derzeit gerade in einem Diskussionsprozess erarbeitet, sagte der Bischof. Deutlich werde aber schon nach einer ersten Zusammenkunft die Notwendigkeit der Stärkung des Glaubens in den verschiedenen Gliedern der Diözese und das verstärkte Hineinwirken der Kirche in die Gesellschaft von heute.
Wie in den anderen österreichischen Diözesen habe auch Eisenstadt mit den Auswirkungen des Priesterrückgangs zu kämpfen, räumte Bischof Iby weiter ein. Die pastorale Zukunft sehe er in Seelsorgeräumen. Konkret werde derzeit an der Errichtung von drei Seelsorgeräumen mit einem Team aus hauptamtlichen vollbeschäftigten, teilbeschäftigten und ehrenamtlichen Mitarbeitern gearbeitet. Der Schritt hin zu größeren Seelsorgeeinheiten sei notwendig gewesen, betonte Iby und er zeigte sich zuversichtlich, dass die Diözese damit auf einem guten Kurs in die Zukunft sei.
Die Kontakte zur evangelischen Kirche, zu der sich im Burgenland rund 15 Prozent der Christen bekennen, bezeichnete der Bischof als sehr gut. Die Zusammenarbeit funktioniere auf vielfältige Weise, etwa bei ökumenischen Gottesdiensten, gemeinsamen Pfarrertagen oder Segensfeiern. Zugleich leide man aber natürlich immer noch am Hauptprobleme der Trennung zwischen katholischer und evangelischer Kirche: dem unterschiedlichen Amts- und Eucharistieverständnis.
Mehr Dialog und Begegnung für die Zukunft wünscht sich Iby mit den burgenländischen Nachbardiözesen in der Slowakei, in Ungarn und Slowenien (Bratislava, Györ, Szombathely und Murska Sobota). Die Grenzen seien schon lange offen, die Kontakte bislang aber noch nicht sehr entwickelt.