Studie: Pfarrgemeinderäte sorgen sich um die Zukunft
Befragung von rund 7.500 "PGRlern" - Eine hohe Motivation zum ehrenamtlichen Engagement steht einer großen Sorge um die Zukunft des Pfarrlebens in Österreich gegenüber
16.11.09 (Katholisch.at) Obgleich hoch motiviert in ihrer ehrenamtlichen Arbeit, sorgen sich die österreichischen Pfarrgemeinderäte um die Zukunft der Pastoral. Dies ist das Ergebnis einer Studie unter rund 7.500 Pfarrgemeindratsmitgliedern, die vom Wiener Pastoraltheologen Prof. Paul M. Zulehner durchgeführt wurde. Bei insgesamt rund 35.000 Pfarrgemeinderatsmitgliedern in ganz Österreich entspricht dies einer Beteiligung an der Online-Studie von rund 20 Prozent. Die Studie, mit der sich auch die österreichische Bischofskonferenz bei ihrer derzeitigen Herbstvollversammlung befasst, trägt den Titel "Der Reichtum der Kirche sind die Menschen".
Zu den Hauptmotiven, sich im Pfarrgemeinderat zu engagieren, zählen laut Studie die aktive Mitgestaltung des Lebens in der Pfarre (21 Prozent) sowie der Einsatz "für Gott und Glaube" (19 Prozent). 14 Prozent gaben an, ihr Engagement verdanke sich der Gemeinschaftserfahrung im Pfarrgemeinderat. Insbesondere die Älteren unter den Befragten gaben an, sich für eine offene Kirche im Geistes des Zweiten Vatikanischen Konzils zu engagieren - ein Motivationsgrund, der sich in dieser Form bei den Jüngeren kaum findet.
Insgesamt seien die Mitglieder der Pfarrgemeinderäte "hoch motiviert", zugleich gebe es jedoch ein großes Bedürfnis nach neuen Visionen für die eigene Arbeit. "Visionen orientieren und motivieren", so Zulehner. Um solche Visionen zu entwickeln, äußerten die Pfarrgemeinderäte einen "massiven Wunsch nach Begleitung und Weiterbildung", so Zulehner. Was einen Großteil insbesondere der jüngeren befragten Pfarrgemeinderatsmitglieder bewegt, sei laut Zulehner die Frage, wie es gelingen könne, Menschen erneut an das Pfarrleben heranzuführen und dauerhaft daran zu binden.
Die überwiegende Mehrheit (88 Prozent) der Befragten sind mit der Arbeit im Pfarrgemeinderat und den dort gesammelten Erfahrungen hoch zufrieden bis zufrieden. Nur 12 Prozent gaben an, unzufrieden zu sein. Dabei hänge die Zufriedenheit bei der Arbeit laut Zulehner maßgeblich von einer "professionellen Arbeits- und Konfliktkultur" sowie von einer "kompetent ausgeübten Pfarrer-Rolle" und von der "Innovationsbereitschaft" in der jeweiligen Pfarre ab.
Eine zentrale Sorge der Befragten Pfarrgemeinderatsmitglieder gilt der Frage des Priesternachwuchses und der pastoralen Betreuung in den Pfarren. Mehr als die Hälfte der Befragten sprach sich laut Studie dafür aus, die Zulassungskriterien zum Priesteramt zu ändern, um so den Priesternachwuchs zu fördern. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Möglichkeit der Zulassung von "viri probati" (erprobten Männern), die Weihe von gemeindeerfahrenen Personen sowie die Frauenordination hingewiesen.
Wiederholt sei bei der Befragung der Begriff des "Laienpriesters" gefallen, so Zulehner. Mit diesem Begriff werde die Hoffnung verknüpft, dass in jeder Pfarre zumindest eine hauptamtliche Person vor Ort sei, die sich um die Seelsorge kümmere. Entscheidend sei den Befragten dabei die Kompetenz dieser Person, weniger die Frage nach ihrer Weihe.
Insgesamt lassen sich aus der Studie fünf zentrale Fragen bzw. Sorgen im Blick auf die Zukunft herauslesen: "Wird es morgen noch (genug) Menschen geben, die den Gottesdienst mitfeiern? Wie werden wir Kinder und junge Menschen gewinnen können? Wird es gelingen, auch weiterhin genügend Menschen zu motivieren, sich ehrenamtlich zu engagieren? Werden wir eine eigenen Pfarre mit einem eigenen Pfarrer bleiben? Wie können wir in einem Verbund mit anderen Pfarren unser Profil einbringen und erhalten?" In vielen Antworten seien laut Zulehner gerade im Blick auf die Zukunft der Pfarren und der pastoralen Arbeit "sehr massive Depressionen wahrnehmbar".
Bei der Studie handelt es sich um die erste österreichweite statistische Auswertung der Pfarrgemeinderatsarbeit. Die Ergebnisse sollen eine Grundlage für die Zukunftsentscheidungen der Kirchenleitung und damit zugleich Grundlage für den großen PGR-Kongress im Mai 2010 in Mariazell bilden.