Kirchen stellen sich der Herausforderung Migration
Graz, 6.7.06 (KAP) Die christlichen Kirchen stellen sich der Herausforderung, die das weltweite Phänomen der Migration darstellt. Das unterstrich Brigitte Proksch, Studienpräfektin im Innsbrucker "Collegium Canisianum" und Konsultorin im Päpstlichen Rat für Migranten-Seelsorge, bei der internationalen Missions-Studientagung auf Schloss Seggau in der Steiermark. Migration als permanentes Geschehen betreffe so gut wie alle Staaten der Welt. Sie sei kein vorübergehendes Phänomen, keine soziale oder karitative Aufgabe, die sich einfach abhaken lässt, erklärte Brigitte Proksch.
Die katholische Kirche stelle sich dieser Herausforderung durch die Entwicklung spezifischer seelsorglicher Strukturen in den vergangenen zwanzig Jahren, betonte Proksch, die als erste Frau dem Leitungsteam eines österreichischen Priesterseminars angehört. Allein in Wien existierten fast 30 anderssprachige Gemeinden, denen mittlerweile jeder fünfte Katholik in der Bundeshauptstadt zuzurechnen sei.
Die 2004 vom Päpstlichen Rat für die Migranten-Seelsorge publizierte Instruktion "Erga migrantes caritas Christi" biete umfangreiche Hilfestellungen für die pastorale Arbeit der Ortskirchen. Es gehe dabei sowohl um die anderssprachigen Gemeinden des lateinischen Ritus als auch um "unierte" Gemeinden der östlichen Riten. Darüber hinaus betreffe Migrantenpastoral auch die Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen, beispielsweise den orthodoxen und altorientalischen Christen aus dem Nahen Osten, aber auch mit evangelischen Christen aus Afrika oder Asien. Schließlich bedeute Migrantenpastoral auch eine Herausforderung für den interreligiösen Dialog, besonders für die Zusammenarbeit mit Muslimen in Europa, der sich auch die letzte Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Migrantenseelsorge gewidmet hatte, wie Brigitte Proksch berichtete.
Migration ist nach ihren Worten ein genuines Thema christlicher Spiritualität und Theologie. In der Geschichte des Christentums gehe es immer wieder um Aufbruch. Christsein bedeute, unterwegs zu sein im pilgernden Gottesvolk und im Schicksal von Migranten "das vor Augen gestellt zu bekommen, was die eigene religiöse Identität ausmacht". Esgelte dabei kreativ mit der Spannung zwischen der Suche nach Einheit einerseits und der Förderung der Vielfalt andererseits umzugehen, sagte Brigitte Proksch. Einheit und Vielfalt entsprächen dem christlichen Menschenbild und seien Pole, die einander bedingen.