Kein EU-Geld für "verbrauchende" Embryonenforschung
St. Pölten, 7.7.06 (KAP) Scharfe Kritik an der jüngsten Entscheidung des Europäischen Parlaments, mit EU-Geld die "verbrauchende Embryonenforschung" zu unterstützen, hat "Familien-Bischof" Klaus Küng geübt. Der St. Pöltner Diözesanbischof, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für bioethische Fragen zuständig ist, betonte am Freitag, dass jedes menschliche Leben mit der Empfängnis beginne. Es brauche ab diesem Zeitpunkt besonderen Schutz und dürfe niemals zu Labormaterial herabgewürdigt werden. Küng: "Solche Experimente widersprechen der Würde des Menschen und deshalb hat die EU die moralische Verpflichtung, sich der Förderung solcher Forschung, die in mehreren Mitgliedsstaaten sogar verboten ist, zu enthalten".
Bischof Küng machte sich den Appell der ComECE, der Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes, an den EU-Ministerrat und die Europäische Kommission zu eigen, diese Entscheidung des Europäischen Parlaments nicht in die Tat umzusetzen. Experimente, die zur Zerstörung menschlicher Embryonen führen, seien moralisch bedenklich und nicht der Förderung würdig, "noch dazu, wo diese Art der Forschung in Österreich selbst verboten ist", so der Bischof. Er begrüßte ausdrücklich das Abstimmungsverhalten der österreichischen EU-Abgeordneten, die sich mit knapper Mehrheit gegen die Förderung der Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen hatten. Die verantwortlichen Politiker in Österreich rief Küng dazu auf, sich auch weiterhin gegen "solche zweifelhaften Experimente" einzusetzen.
Weiters sollten sich Österreichs Regierungsvertreter auf europäischer Ebene dafür einsetzen, jenen Forschungsaktivitäten Priorität einzuräumen, die moralisch nicht so umstritten sind, so Küng. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Forschung an adulten Stammzellen. Dies könne ein vielversprechender Weg sein, neue Therapien für kranke und leidende Menschen zu entwickeln.
Das Europäische Parlament hatte Mitte Juni mit einer knappen Mehrheit (284:249) seine Unterstützung für die EU-Finanzierung von Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen erklärt. Der EU-Ministerrat muss in der Frage noch entscheiden.