Christen sind die meistverfolgte religiöse Minderheit
Außenminister Spindelegger schrieb an "Pro Oriente" zum "Tag der Menschenrechte", dass die EU-Außenminister der zunehmenden Diskriminierung von Christen verstärkt entgegnen wollen
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Außenminister Spindelegger |
Wien (KAP) "Die Europäische Union ist sich einig, dass der Zunahme von Diskriminierung und Verfolgung von Christen und anderen religiösen Minderheiten verstärkt und mit wirksamen Mitteln entgegnet werden muss": Das versicherte Außenminister Michael Spindelegger in einem Schreiben an Johann Marte, den Präsidenten der Stiftung "Pro Oriente", die als Teil der Plattform "Solidarität mit verfolgten Christen" am Donnerstag, dem "Tag der Menschenrechte", einen Aktionstag am Stock-im-Eisen-Platz in Wien veranstaltete.
Wie Spindelegger in seinem Unterstützungsbrief mitteilte, habe der EU-Außenministerrat Arbeitsgruppen damit beauftragt, "die bestehenden Menschenrechtsinstrumente im Hinblick auf deren Schutz religiöser Minderheiten weltweit zu überprüfen". Auch konkrete Vorschläge für ein verstärktes zwischenstaatliches Engagement für Religionsfreiheit sollen ausgearbeitet werden.
"Besondere Stellung" der Religionsfreiheit
Spindelegger betonte die "strategische Wichtigkeit der Religions- und Glaubensfreiheit" für das Menschenrechtsengagement insgesamt. Alle österreichischen Auslandsvertretungen seien angewiesen, dieser Thematik erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken: Es gelte, die Situation der Christen und anderer Minderheiten im jeweiligen Zuständigkeitsbereich genau zu verfolgen und gegebenenfalls Vorschläge für entsprechende Interventionen zu machen.
Unterstützung für die Plattform "Solidarität mit verfolgten Christen" kommt auch vom Vize-Präsidenten des Europaparlaments, Mario Mauro, der am Aktionstag in Wien weilt. Auch er unterstrich zu diesem Anlass die Wichtigkeit, auf die Lage von Christen in aller Welt aufmerksam zu machen, die wegen ihres Glaubens bedroht werden. Die Religionsfreiheit dürfe nicht geringer geachtet werden als andere Menschenrechte, er komme im Gegenteil immer mehr zur Überzeugung, dass ihr "eine besondere Stellung" in deren Kanon zukomme, so Mauro.
Christen sind meistverfolgte religiöse Minderheit
Unter dem Motto "Christenverfolgung steigt - Europa schweigt!" luden Experten und Flüchtlinge beim Aktionstag an einem Informationsstand am Wiener Stock-im-Eisen-Platz Passanten zum Gespräch ein. "Pro Oriente"-Präsident Marte wies im "Kathpress"-Gespräch darauf hin, dass Christen die mit Abstand meistverfolgte religiöse Minderheit sind. "Zwischen 80 und 90 Prozent aller wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgten Menschen sind mittlerweile Christen", so Marte. Besonders schwer hätten sie es in Staaten wie Nordkorea, Vietnam oder China, in denen eine Staatsideologie alle abweichenden Meinungsäußerungen unterdrückt. Vielfältigen Diskriminierungen bis hin zu offener Gewalt seien Christen auch in muslimischen Staaten ausgesetzt, in denen ein mit staatlicher Zwangsgewalt ausgestattetes Religionsgesetz die alleinige Quelle allen Rechts sei, so Marte.
"Unsere Aktion richtet sich nicht gegen den Islam an sich, schon gar nicht gegen wohlgesinnte, friedfertige und gläubige Muslime", betonte Marte. Es gehe vielmehr darum, die "eskalierende Verfolgung" von Christen der Öffentlichkeit erneut ins Bewusstsein zu rufen.
Menschenrechte: Katholische Aktion fordert freien Zugang zur Bildung
Auf die zentrale Bedeutung des Menschenrechts auf Bildung und die Verstöße gegen dieses Grundrecht in Österreich weist die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) am heutigen "Tag der Menschenrechte" hin. Ein freier Zugang zur Bildung sei eine wichtige Grundlage für die Chancengleichheit und damit für eine humane gesellschaftliche Entwicklung, unterstreicht KAÖ-Präsidentin Luitgard Derschmidt im Gespräch mit "Kathpress". Gerade Österreich habe sich einen unrühmlichen Ruf erworben, soziale Ungleichheit durch das bestehende Schulsystem fortzuführen und zu verfestigen. Weiterhin bestimme die soziale Herkunft die schulische und universitäre Zukunft der Kinder.
Angesichts der Verankerung der Menschenrechte in der österreichischen Rechtsordnung müsse laut Derschmidt dringend die Bildungsdebatte forciert werden. In diesem Zusammenhang erinnerte Derschmidt an die von der KAÖ-Arbeitsgruppe Bildungsgerechtigkeit erarbeitete Broschüre "Auf dem Weg zur gerechten Schule", die konkrete Vorschläge zu einer nachhaltigen Bildungsreform entfaltet.
Kritisch müsse man anlässlich des heutigen "Tages der Menschenrechte" auch die österreichische Asyl- und Fremdenrechtspraxis beurteilen, so Derschmidt weiter. Hier gebe es menschenrechtliche Versäumnisse. Dabei stünden die Menschenrechte Migranten wie Asylwerbern gleichermaßen zu, so die KA-Präsidentin.
Als zentrales und "bereicherndes Element" müsse laut Derschmidt das Menschenrecht auf Religionsfreiheit verstanden werden. Dieses Recht, so Derschmidt im Blick auf die jüngste Debatte zum Minarettverbot in der Schweiz wörtlich, "muss auch im öffentlichen Raum sichtbar sein dürfen".