Posen erwartet Tausende Jugendliche zu Taizé-Treffen
Grußbotschaften sind im Vorfeld des ökumenischen Treffens zu Silvester in der westpolnischen Stadt bereits von Papst Benedikt und Patriarch Bartholomaios eingelangt. "Brief aus China" von Frere Alois im Mittelpunkt
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Warschau, 15.12.09 (KAP) Die westpolnische Metropole Poznan (Posen) bereitet sich darauf vor, an der Jahreswende das 32. Taize-Jugendtreffen zu beherbergen. Bei ihrer Ankunft am 29. Dezember erhalten die Jugendlichen, die sich an dieser Etappe des "Pilgerwegs des Vertrauens" beteiligen, den "Brief aus China" von Frere Alois, dem Prior von Taize. Frere Alois war auf einer dreiwöchigen Besuchsreise bei Christen des ostasiatischen Landes, über die er beim Europäischen Jugendtreffen den Jugendlichen berichten wird. "In jedem Menschen liegt eine Erwartung, ein Durst nach Leben in Fülle", "Die eigenen Sehnsüchte sortieren" oder "Teilen, was wir haben" gehören zu den Themen, die in diesem Brief angesprochen werden und an den Vormittagen des Treffens als Gesprächsgrundlage dienen.
Grußbotschaft vom Papst
Mehrere Grußbotschaften für das Jugendtreffen in Poznan von prominenten kirchlichen Persönlichkeiten sind bereits in Taize eingetroffen. Papst Benedikt XVI. betont: "Der Papst vertraut auf euch, dass ihr auf die jungen Leute zugeht, die den Sinn für Gott verloren haben, die ihn wie tastend suchen, manchmal ohne es zu wissen. Sie brauchen es, wahren Zeugen zu begegnen, damit für sie das Antlitz Christi leuchtet". Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. schreibt: "Wir rufen die Teilnehmer an diesem europäischen Treffen dazu auf, lebendige Zeugen Christi zu sein, Zeugen des auferstandenen Christus...Wie kann man dieses Zeugnis geben? Christus sagt selbst im Johannes-Evangelium: "Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt". Der Ehrenprimas der Anglican Communion, Erzbischof Rowan Williams, stellt fest: "In diesen Tagen denkt ihr gemeinsam über eine Vielzahl der dringendsten Herausforderungen unserer Welt nach. Kernfrage ist dabei die vielleicht dringlichste: Was heißt es, ein wahrhaft menschliches Leben zu führen? Wir haben gesehen, wie sehr die Menschheit entstellt und verletzt wurde durch falsche Vorstellungen vom Reichtum, falsche Vorstellungen von Sicherheit, falsche Vorstellungen von Freiheit. Unsere Berufung als Christen besteht darin, der Welt die Wahrheit unserer menschlichen Bestimmung zu enthüllen..."
Viele Themen
An den Nachmittagen des 30. und 31. Dezember haben die Jugendlichen die Wahl zwischen etwa 20 thematischen Treffen. Themen sind u.a. "Gott nimmt Zweifel und Auflehnung ernst", "Was machst du aus deiner Freiheit?", alles Zitate aus dem "Brief aus China". Außerdem gibt es Thementreffen im Zusammenhang mit sozialen Initiativen, zum Beispiel ein "Treffen mit Jugendlichen, die sich gemeinsam mit den Ärmsten für die Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen einsetzen. Auch kulturell geprägte Thementreffen sind vorgesehen, zum Beispiel eines, das "Leben und Geschichte Polens in der Malerei von Jacek Malczewski (1854-1929)" vorstellt. Es sind aber auch "Berichte Jugendlicher aus Chile, von den Philippinen und aus Indien" vorgesehen.
Am Nachmittag des 1. Jänner finden sprachlich getrennte Treffen zum Thema: "Neuen Mut schöpfen" statt. Diese durch Brüder von Taize gestalteten Treffen drehen sich um die Frage, wie Jugendliche zuhause konkret den "Pilgerweg des Vertrauens" weitergehen können.
Die Jugendlichen kommen jeden Tag um 13.15 Uhr und 19 Uhr in eigens geschmückten Hallen auf dem Posener Messegelände (MPT) zu gemeinsamen Gebeten zusammen. Frere Alois spricht jeden Abend. Das vollständige Programm des 32. Taize-Jugendtreffens gibt es unter: http://www.taize.fr/IMG/pdf/livret_DE.pdf
Schlafplätze in 150 Pfarrgemeinden
In Poznan wird die Vorbereitung sehr ernst genommen. "Jedem reichen zwei Quadratmeter für den Schlafsack": Mit diesen Worten warb der Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki in einem Hirtenbrief um Schlafplätze für die Jugendlichen, die an der Warthe erwartet werden. Plakate und Flyer mit diesem Spruch hängen derzeit in den Kirchen der westpolnischen Stadt aus. Das Organisationskomitee um Bruder Marek versucht, bei der Bevölkerung noch um weitere Übernachtungsmöglichkeiten für die Teilnehmer zu werben.
"Wir haben 150 Pfarrgemeinden, die Schlafplätze für 50 bis 300 junge Pilger anbieten", sagt Bruder Marek zum Stand der Organisation. Oft fänden sich die Leute erst kurz vor den Jugendtreffen bereit, Übernachtungsplätze anzubieten, erklärt der Ordensmann gelassen. Pressemeldungen über einen akuten Schlafplatzmangel dementiert er.
Der 60-jährige Bruder Marek ist mit einem Dutzend Brüder der ökumenischen Gemeinschaft von Taize seit September in Poznan, um die ökumenische Jugendbegegnung zwischen Weihnachten und Neujahr zu planen. Am Anfang hieß es, den Kontakt zu den Pfarrgemeinden aufzunehmen und die Taize-Bewegung vorzustellen. Denn in Polen mit mehr als 90 Prozent Katholikenanteil sind ökumenische Gruppen eine Seltenheit, wie auch Bruder Marek weiß: "Das Treffen in Polen wird geprägt von der Tatsache, dass alle katholisch sind".
Bereits zum vierten Mal in Polen
Stadt und Erzdiözese Poznan wollen die jugendlichen Pilger an der Jahreswende herzlich willkommen heißen. Sowohl Erzbischof Gadecki als auch die Posener Ökumenische Gruppe sowie Stadtpräsident Ryszard Grobelny hatten Einladungsbriefe nach Taize geschickt. Und so findet das 32. Jugendtreffen nach 1989 und 1995 in Breslau (Wroclaw) und 1999 in Warschau nun zum vierten Mal in Polen statt.
Ausschlaggebend sei schließlich die Ausdauer der Posener Jugendlichen gewesen, die sich seit Jahren für ein Treffen in ihrer Stadt eingesetzt hätten, sagt Bruder Marek. Da er selbst geborener Posener sei, habe er auch auf seine Mitbrüder in Taize eingewirkt, gibt er mit einem Schmunzeln zu.
Genaue Besuchszahlen stehen noch nicht fest. Aber jetzt schon ist klar, dass die meisten Teilnehmer aus Polen kommen werden. Bei fast jedem Taize-Jugendtreffen sind sie in der Überzahl. In diesem Jahr werden auch viele junge Pilger aus den östlichen Nachbarländern Polens erwartet. Aus dem Rathaus heißt es, die Stadt sei gut für den Wallfahrerzustrom gewappnet. Die Messehallen im Zentrum der Stadt, in denen der Großteil der Begegnung stattfindet, gehören ohnehin zu den größten und modernsten in Polen.