Ehe und Familie sind eine "Berufung"
Valencia-St. Pölten, 11.7.06 (KAP) Der einzig sichere Weg, wie auch heute Ehe und Familie gelingen können, besteht darin, sie als "Berufung" zu betrachten. Das betonte der österreichische "Familien-Bischof" Klaus Küng bei seinen Katechesen, die er beim Weltfamilientreffen in Valencia hielt. Wörtlich sagte der Bischof: "Wenn Eheleute ihre Ehe und ihre Aufgabe als Eltern als wichtigen Teil dessen ansehen, was Gott von ihnen erwartet, und dabei auf Christus bauen, dürfen sie mit gutem Grund damit rechnen, dass sie auch bei Schwierigkeiten den Weg zu einer tiefer werdenden inneren Verbundenheit finden".
Dies setze freilich voraus, dass sie in allen Situationen, auch im gewöhnlichen Alltag, beharrlich Christus suchen, ihm aufrichtig begegnen und auf ihn hören. Der Blick auf Christus sei für ein solches Ehepaar die wichtigste Quelle der Kraft, oft auch der Versöhnung.
Küng zeigte sich überzeugt, dass Eheleute mit einer solchen Einstellung dazu befähigt sind, "ihren Kindern alles mitzugeben, was nötig ist, damit auch sie im Leben den Weg zum Wesentlichen entdecken".
Bei einer Sicht der Ehe als Berufung sei das Ehepaar auch von Anfang an für Nachwuchs offen, betonte Bischof Küng. Er halte es aber für notwendig, dass der vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägte Begriff "verantwortete Elternschaft" neu überdacht werde, fügte Küng hinzu. Oft werde die Deutung einseitig im Sinne der Eigenverantwortung des Ehepaares bezüglich Kinderzahl ausgelegt. Schon Papst Paul VI. habe aber aufgezeigt, dass jedes Ehepaar im Gespräch miteinander und im Gespräch mit Gott unter Abwägung der Umstände erkennen soll, was für seine Familie vor Gott das Richtige ist. Angesichts der zu geringen Kinderzahl sei heute für ein Ehepaar wohl auch oft die Frage angebracht, ob nicht der Wille Gottes das "Ja" zu wenigstens einem weiteren oder vielleicht zu mehreren weiteren Kindern vorsieht. "Verantwortete Elternschaft" bedeute darüber hinaus nicht nur das "Ja" zu Empfängnis und Geburt eines Kindes, sondern auch zu Erziehung, Begleitung und Weitergabe des Glaubens.
Bischof Küng wies weiters darauf hin, dass auch für Menschen, deren Familie zerbrochen ist, Christus die Grundlage sei, um die Lebenskrise zu bewältigen. Nur so sei es möglich, sich neu zu orientieren, sich um die Kinder zu kümmern und allenfalls neue Aufgaben zu suchen. Das gelte auch für wiederverheiratete Geschiedene. Für sie sei ebenso Christus die Hoffnung, "auch wenn sie vielleicht eine Zeitlang die Sakramente nicht empfangen können, solange die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind", so der Bischof. (ende)