Stephansdom demnächst wieder werbefrei
Wien, 12.7.06 (KAP) Der Wiener Stephansdom wird sich in wenigen Tagen wieder werbefrei präsentieren. Die Sanierungsarbeiten im mittleren Abschnitt des Südturmes konnten früher als erwartet beendet werden; damit werden auch die Gerüste und die darauf angebrachten Werbe-Sujets wieder entfernt. Mit dem Abbau der Sujets soll rasch begonnen werden, so Dompfarrer Toni Faber am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Dom. Schon am kommenden Wochenende sollte der Dom wieder werbefrei sein. "Wir sind voll im Zeitplan und können so den Wienerinnen und Wienern wieder einen freien Blick auf ihr Wahrzeichen bieten", so der Dompfarrer wörtlich. Die Sanierungsarbeiten seien auch durch die großzügige Unterstützung der beiden Werbepartner "Wiener Städtische Versicherung" und "Erste Bank" so rasch vollendet worden. Der Dompfarrer übermittelte in diesem Zusammenhang den Dank von Kardinal Schönborn für die konstruktive Zusammenarbeit.
"Erste Bank"-Generaldirektor Andreas Treichl bezeichnete die Unterstützung der Domrestaurierung als "Selbstverständlichkeit". Als Unternehmen mit Wiener Wurzeln, das inzwischen in Zentraleuropa stark verankert sei, habe man gerne ein sichtbares Zeichen zur Erhaltung des Domes gesetzt. Auch Günter Geyer, Generaldirektor der "Wiener Städtischen Versicherung", äußerte sich in der gleichen Richtung und betonte die große Bedeutung, die der Dom für Wien und Österreich, aber darüber hinaus auch die Nachbarländer habe. Treichl erinnerte weiters auch daran, dass der Steffl bei gutem Wetter sogar von Preßburg (Bratislava) zu sehen ist.
Dombaumeister Wolfgang Zehetner berichtete, dass bei der nun abgeschlossenen Sanierung insgesamt rund 3.500 Quadratmeter Steinoberfläche zu bearbeiten waren. So hätten etwa mit aufwendigsten Mittel zahlreiche Gipskrusten entfernt werden müssen. Auch viele Metallteile habe man durch rostfreien Stahl ersetzt. Die Kosten für die Sanierung des Mittelteils des Südturms hätten sich auf 4,5 Millionen Euro belaufen. 2,1 Millionen Euro habe der Verein "Rettet den Stephansdom" aufbringen können, ein erklecklicher weiterer Teilbetrag sei durch die "Werbeeinnahmen" herein gekommen. Wie Faber und Zehetner sagten, würden insgesamt jährlich rund 2,5 Millionen Euro für die Sanierung des Domes benötigt.
Nächstes Großprojekt am Dom wird ab Ostern 2007 die Sanierung der Turmspitze sein. Dabei werde es aber keine Werbung wie bisher geben, so Faber und Zehetner, da sich die verwendeten Gerüste nicht als Werbefläche eignen. Grundsätzlich behalte man sich aber die Entscheidung vor, auch zukünftig wieder ähnliche Projekte wie das nun zu Ende gehende in die Wege zu leiten, sagte Faber. Der Dom selbst komme dabei aber sicher nicht als Werbefläche in Frage, "sondern nur ein allfälliges Gerüst".
"Grüß Gott"
Erstmals mit Werbung verhängt wurde der Südturm im Dezember 2003. "Kein Haus ist für die Ewigkeit gebaut", lautete der erste Slogan. Nachdem Kritik laut wurde, kam es 2004 zu Modifikationen. Die bauliche Struktur des "Steffl" wurde besser sichtbar gemacht, die Fenster der Türmerstube wurden freigehalten. Auch die Sujets wurden verändert. U.a. wurden die Bürger der neuen EU-Mitgliedsstaaten mit "Grüß Gott" empfangen. Später hieß es dann: "Wenn Sie spenden, sind wir schon drei. Der Steffl braucht Ihre Hilfe". Treichl und Geyer sowie der Chef der "Gewista", Karl Javurek, der das Projekt zwischen Stephansdom und den beiden Unternehmen einfädelte, wollten deshalb auch nicht von Werbung im klassischen Sinn sprechen.
Zuletzt hatte auch die neue Bezirksvorsteherin des ersten Bezirks, Ursula Stenzel, Kritik an den Plakaten angebracht. Treichl und Geyer betonten aber im Rahmen der Pressekonferenz, dass die nunmehrige Abnahme der Werbeflächen nichts mit den Vorstellungen der Bezirksvorsteherin zu tun hätten.