Olympia-Kaplan für Kirchen-Präsenz bei der EM 2008
Wien, 12.7.06 (KAP) Es war eine rundum gelungene Fußball-Weltmeisterschaft mit einem sympathischen Gastgeberland Deutschland, das sportliche Niveau der Spiele und der Erfolg des "abgebrühtesten" Teams aus Italien sind jedoch durchaus kritisch zu betrachten: Diese Bilanz zog Österreichs "Olympia-Kaplan" Bernhard Maier, der bereits bei 13 Olympischen Spielen und zahlreichen weiteren Sport-Top-Events seelsorglich tätig war, wenige Tage nach dem Ende des großen Fußballfestes. Maier hielt sich während der entscheidenden Phase der WM in Deutschland auf; dass die Deutschen durch das Ereignis eine "neue Freude an der Heimat" gefunden hätten, sei auch jetzt noch spürbar, sagte der Salesianerpater am Mittwoch im Gespräch mit "Kathpress". Das Motto "Zu Gast bei Freunden" sei "hundertprozentig umgesetzt" worden, die WM sei durch ihr Flair, die positive, freundschaftliche Atmosphäre gegenüber den ausländischen Besuchern und die perfekte Organisation vorbildlich verlaufen. Österreich und die Schweiz könntenund würden sich als Schauplatz der Fußball-EM 2008 sicher einiges abschauen, so Maier.
Weniger positiv fällt die Rückschau des selbst gerne Fußball spielenden Seelsorgers auf die sportlichen Leistungen aus: Das Niveau sei infolge vieler taktischer Zwänge gegenüber der WM vor vier Jahren gesunken, teilweise habe es übertriebene Härte auf dem Rasen gegeben. Und auch auf dem WM-Finale liege durch den Ausschluss des Top-Spielers Zinedine Zidane im letzten Spiel seiner Karriere und durch die vorausgehende Provokation des italienischen Spielers Marco Matterazzi ein Schatten. Dass Italien das Turnier gewann, mache ihn nicht glücklich, sagte Maier. Er liebe Italien, aber nicht Italiens Fußball, in dem vielfach der Zweck alle Mittel heilige. Italiens Kicker seien zwar vom Können her sicher Weltspitze, aber auch in Bezug auf versteckte Fouls. Maier erinnerte daran, dass Italiens Fußball derzeit von einem großen Bestechungsskandal erschüttert wird, der zu einem dringend erforderlichen Selbstreinigungsprozess führen müsse. Würde es jetzt nach dem WM-Erfolg zu einer großen Amnestie kommen,wäre dies erst recht ein Skandal und eine "Entlarvung", so Maier.
Der jähzornige Kopfstoß Zidanes als Reaktion auf die - inzwischen zugegebene - Beleidigung seines italienischen Gegenspielers zeigt für den "Olympia-Kaplan", dass der französische Fußball-Star "auch nur ein Mensch" sei, auch wenn sich viele Fans Sport-Heroen wünschten. Zidane sei bereits mehrfach wegen Unsportlichkeiten ausgeschlossen worden. Weltklasse-Fußballer würden freilich auch oft besonders hart attackiert und provoziert, so Maier. Dass Beleidigungen des Gegners auf dem Fußballfeld üblich seien, wie Matterazzi dies darstellte, wies der Sportkaplan zurück.
Regelverstöße und Fouls seien für die Schiedsrichter oft kaum mehr erkennbar, kommentierte Maier den Umstand, dass Zidanes Vergehen erst nach einer Intervention von außen geahndet wurde. Er könnte sich vorstellen, in Hinkunft zwei statt einem Schiedsrichter einzusetzen, um der steigenden Athletik und Schnelligkeit zu begegnen. Bei technischen Hilfsmitteln wie einer Torkamera oder Funksprüchen ist Maier skeptisch: zu aufwendig, kostenintensiv und zudem spielverzögernd, meint er. Bei brutalen Attacken, die nachträglich per Videobeweis festgestellt würden, sollte es aber sehr wohl Sperren für die Übeltäter geben.
Bei der Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz sollte auch die Kirche präsent sein, empfahl der "Olympia-Kaplan". Er selbst möchte über den Verein "Kirche und Sport" an die Bischofskonferenz und den Österreichischen Fußballbund (ÖFB) herantreten, um personelle und strukturelle Voraussetzungen für eine seelsorgliche Betreuung an den Wettkampfstätten bzw. der Teams zu schaffen. Und er selbst wäre - wie er sagte - gerne bereit, dem österreichischen Team und dem ihm gut bekannten Team-Trainer Josef Hickersberger mit seelsorglichem Rat und liturgischer Tat zur Seite zu stehen.