Warum Benediktinerklöster so gut "funktionieren"
Über Jahrhunderte hinweg bewährte Führungs- und Kontrollstrukturen sorgen dafür, dass viele Benediktinerabteien nachhaltig gut "funktionieren" und "langlebiger" seien als zum Beispiel Aktiengesellschaften
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Bern, 01.01.2010 (KAP) Über Jahrhunderte hinweg bewährte Führungs- und Kontrollstrukturen sorgen dafür, dass viele Benediktinerabteien nachhaltig gut "funktionieren" und "langlebiger" seien als zum Beispiel Aktiengesellschaften. Dies haben Wirtschaftswissenschaftler der Universität Zürich bei Forschungen zum "Governance"-System von Orden und Klöstern herausgefunden. Mit den Führungs- und Kontrollmechanismen hätten die Benediktiner auf den großen wirtschaftlichen Erfolg ihrer Klöster reagiert, schreiben die Forscher im Wirtschaftsteil der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 31. Dezember.
Dabei seien diese Kontrollstrukturen vorwiegend interner Natur, so Emil Inauen und Bruno S. Frey, die zusammen mit Margrit Osterloh, Inhaberin des Lehrstuhls für Organisation, Technologie- und Innovationsmanagement an der Universität Zürich, und Katja Rost die Forschungen betreiben.
Die "Governance" (Leitung) der Benediktiner beruhe auf drei Eckpfeilern: So sorgen erstens demokratische Strukturen für erhebliche Mitspracherechte der Mitglieder eines Konvents. Die Forscher vergleichen dabei den Konvent, der alle Patres und Brüder vereint und mehrmals jährlich zusammentritt, mit einem Parlament. Er entscheidet über wichtige Geschäfte und wählt insbesondere den Abt, der das Gedeihen und die Ausrichtung einer Abtei stark beeinflusse.
Demokratische Wahlen haben sich bewährt
Die Geschichte des Klosters Engelberg habe gezeigt, dass demokratische Wahlen der Führungskräfte dem Gedeihen des Klosters zuträglich gewesen sei. Von den durch die Forscher als "fähig" beurteilten Äbten sind nur 11 Prozent nicht demokratisch gewählt worden, während
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von den weniger kompetent eingestuften Leadern 67 Prozent ohne oder über eine manipulierte Wahl an die Spitze des Klosters gelangt seien.
Zweitens sei die Einbettung der Mitglieder in ein gemeinsames Wertesystem von großer Bedeutung. In einem ausgeklügelten Selektions- und Sozialisationsprozess würden Kandidaten ausgewählt, die sich für ein Leben im Kloster eignen und den benediktinischen Werten zugetan
sind. Erst nach mehreren Jahren folgt mit den letzten Gelübden die Entscheidung des Bewerbers, dem Kloster definitiv beizutreten.
Die Forscher stellten drittens fest, dass nicht gänzlich auf externe Kontrolle verzichtet werde. Als Kontrollinstanz fungiere die Schweizer Kongregation der Benediktiner. Alle fünf Jahre bekommt ein Kloster Besuch von Visitatoren der Kongregation, die es auf die wirtschaftliche, aber auch spirituelle Verfassung hin überprüfen.
Unschlagbar langlebig
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Das Kloster Engelberg ist beinahe 900 Jahre alt. Was sich bei ihm manifestiere, sei auch auf der gesamten Ebene des Ordens zu beobachten, so die Wissenschaftler. Benediktinerabteien in der Deutschschweiz, Bayern und Baden-Württemberg weisen, so die Forscher, eine durchschnittliche Lebensdauer von 500 Jahren auf. Damit könnten bestenfalls Universitäten konkurrieren, nicht aber die erst in neuerer Zeit ausgebildeten wirtschaftlichen Organisationsformen wie Aktiengesellschaften. In den USA liege die Lebenserwartung der erfolgreichsten Firmen zwischen 40 und 50 Jahren.
Die Wissenschaftler glauben zwar nicht, dass die Organisationsprinzipien der Benediktiner sich direkt auf Unternehmen übertragen lassen. Sie stellen allerdings fest, dass die meisten Governance-Systeme für Unternehmen interne Mechanismen wie Mitsprache oder intrinsische Motive wie Loyalität und Vertrauen vernachlässigten. Sorgfältige Selektion und Sozialisation - die Geschichte der Benediktiner zeige es - biete eine mögliche Alternative zu Output-Kontrolle und externer Regulierung: "Sind Führungspersönlichkeiten sorgfältig ausgewählt und sozialisiert (...), kann Vertrauen externe Kontrolle ersetzen", schreiben sie.
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