
Christen in Ägypten: Lage "bedrückender als je zuvor"
Angriffe entstünden immer "aus einer Mischung von Religionshass und zufälligen Vorwänden", so ein Experte nach Bluttat von Nag Hammadi. Verurteilung durch Österreichs Muslime
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Vatikanstadt-Kairo, 08.01.10 (KAP) Besorgt über die Situation der Christen in Ägypten hat sich der Leiter des katholischen Informationsbüros in Heliopolis, P. Rafik Greiche, geäußert. Der Anschlag auf eine koptische Gemeinde in Nag Hammadi habe Angehörige aller Konfessionen beunruhigt, sagte der katholische Priester laut der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Freitag). Die Atmosphäre sei "bedrückender als je zuvor". Während sich die Christen in Kairo relativ sicher fühlten, herrsche auf dem Land ein anderes Klima.
Angriffe entstünden immer "aus einer Mischung von Religionshass und zufälligen Vorwänden", sagte Greiche. Er verwies auf die Ermordung eines Christen am vergangenen Osterfest in Hegaza. Dieser Vorfall habe sich unter ähnlichen Umständen ereignet wie die jüngste Bluttat von Nag Hammadi.
Bei dem Anschlag in Nag Hammadi waren am späten Mittwochabend sechs koptische Gottesdienstbesucher und ein muslimischer Wachmann getötet worden. Zwei weitere Christen erlagen später ihren Verletzungen.
Nach dem koptischen Weihnachtsgottesdienst hatte eine Gruppe von drei Bewaffneten wahllos auf die Gläubigen geschossen, die vor der Kirche standen. Laut dem ägyptischen Innenministerium handelt es sich um den schwersten derartigen Angriff seit zehn Jahren.
Unterdessen nahm die ägyptische Polizei drei mutmaßlich Täter fest. Medienberichten zufolge soll es sich bei einem der Männer um einen Verwandten des zwölfjährigen muslimischen Mädchens handeln, dessen angebliche Vergewaltigung durch einen Christen mutmaßlich der Grund für das Attentat war.
Islamische Glaubensgemeinschaft verurteilt Attentat
Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) hat das Attentat auf die koptischen Gläubigen scharf verurteilt und den Kopten in Österreich "aufrichtiges Mitgefühl und Beileid" ausgesprochen, wie es in einer Presseaussendung vom Donnerstag heißt. "Als Muslime empfinden wir es als Frevel an den eigenen Glaubenswahrheiten, das friedliche Zusammenleben der Religionen zu verletzen", schreibt die IGGiÖ. Es sei zutiefst betrüblich und Besorgnis erregend, "wie gerade zu religiösen Feiertagen mörderische Aggression unschuldige Opfer in den Tod reißt. Diese Feiertage sollten vielmehr auch das Verbindende der Religionen zu Bewusstsein bringen, gerade in ihrer sozialen Verantwortung."