Wien: Ökumenischer Empfang im Erzbischöflichen Palais
Die zunehmenden Versuche in Europa, Religion aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, müssen von den Kirchen als Chance gesehen werden, ihrem ökumenischen und missionarischen Auftrag verstärkt nachzukommen, so Kardinal Schönborn
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Wien (KAP) Die zunehmenden Versuche in Europa, Religion aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, müssen von den Kirchen als Chance gesehen werden, ihrem ökumenischen und missionarischen Auftrag verstärkt nachzukommen. Das hat Kardinal Christoph Schönborn am Montagabend beim traditionellen Ökumenischen Empfang im Erzbischöflichen Palais in Wien betont. Schönborn verwies auf Papst Benedikt XVI., der davor gewarnt habe, den Säkularismus nur negativ zu sehen. Die Aufgabe der Kirchen bestehe vielmehr darin, die Sehnsüchte und das Suchen der Menschen nach Sinn und Gott wahrzunehmen. Voraussetzung dazu sei ein "fundamentales Ja" zur säkularen Gesellschaft und das Vertrauen auf Gottes Wirken, "auch dort, wo wir das auf den ersten Blick nicht sehen", so der Kardinal wörtlich.
Er verwendete in Anlehnung an den biblischen Jerusalemer Tempel das Bild vom "Vorhof der Heiden". Den Heiden war es nicht erlaubt, weiter ins Innere des jüdischen Tempels zu gehen, aber wer im Vorhof war, "war doch schon ganz nah dran am Heiligtum". Aufgabe der Kirchen sei es, "diesen Vorhof der Heiden für die Menschen möglichst weit und offen zu halten", betonte der Wiener Erzbischof.
Als weitere Herausforderung für die Kirchen wies Schönborn auf die Verfolgung der Christen in vielen Ländern der Welt hin. Es sei erfreulich, dass dieses drängende Problem in der jüngeren Vergangenheit stärker thematisiert werde. Schönborn nannte in diesem Zusammenhang exemplarisch die Ausschreitungen gegen Christen in Indien und Ägypten.
Zur Situation der Ökumene räumte der Wiener Erzbischof ein, dass es immer wieder Spannungen gebe, zuletzt etwa durch die Aufhebung der Exkommunikation lefebvrianischer Bischöfe oder die neue Möglichkeit von Personalordinariaten für Gruppen übertrittswilliger Anglikaner. Mit Blick auf das Konzil habe Papst Benedikt XVI. aber deutlich gemacht, dass es ihm sicher nicht darum gehe, die Bemühungen der katholischen Kirche im Bereich der Ökumene in Frage zu stellen.
Kirchen in der Türkei
Über die Situation der Kirchen in der Türkei informierte beim Ökumenischen Empfang der Leiter des St. Georgs-Kollegs in Istanbul, P. Franz Kangler. Dass es für die Kirchen zahlreiche Einschränkungen und Schwierigkeiten gebe, sei unbestritten, trotzdem wolle er die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgeben, sagte Kangler. So könne inzwischen etwa über die schwierige Situation der Kirchen im Land offen in den Medien diskutiert werden, was vor 30 Jahren noch unvorstellbar gewesen sei, so Kangler.
Zudem führe die Minderheitensituation der Kirchen im Land zu unerwarteten ökumenischen Impulsen. So berichtete Kangler, dass er vom Pastor der evangelischen Gemeinde in Istanbul gebeten worden sei, dessen zwei Buben zu taufen, damit dieser als Vater an der Feier teilnehmen konnte. Damit habe er als katholischer Geistlicher in einer evangelischen Kirche zwei Buben im katholischen Ritus für die evangelische Kirche getauft, erzählte der Leiter des St. Georgs-Kollegs.