Wien: Hunderte bei Schweigemarsch für Ägyptens Kopten
Nach dem Blutbad von Nag Hammadi am 6. Jänner hatten Vertreter der koptischen Gemeinde in Österreich zur Solidarität mit ihren Glaubensbrüdern in Ägypten aufgerufen
Wien, 21.01.2010 (KAP) Hunderte Demonstranten haben am Donnerstag in Wien ihre Solidarität mit den koptischen Christen in Ägypten bekundet. Nach dem Blutbad von Nag Hammadi hatten Vertreter der koptischen Gemeinde in Österreich zum Protest mit ihren Glaubensbrüdern in Ägypten aufgerufen. Am 6. Jänner wurden bei einem brutalen Mordanschlag auf die örtliche Kirche nach dem Weihnachtsgottesdienst sieben junge Kopten getötet. Die Täter feuerten wahllos mit Maschinengewehren auf die Gläubigen.
Rund 600 Menschen versammelten sich nach Angaben der Polizei am Donnerstagnachmittag vor der Wiener Oper. Auf Flugblättern, Plakaten und Transparenten wurde auf Menschenrechtsverletzungen, Zwangsislamisierungen junger Christinnen sowie auf Brandanschläge gegen koptische Kirchen oder Schikanen im öffentlichen Leben Ägyptens hingewiesen. Mitgetragene Särge erinnerten an die erschossenen Opfer von Nag Hammadi. Der Demonstrationszug begann bei der Staatsoper und führte zum "Haus der Europäischen Union" in der Wipplingerstraße im ersten Bezirk.
P. Johannes Boshra von der koptischen Kirche in Wien hatte bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Demonstration in Vertretung des koptischen Bischofs Gabriel in Wien eine rasche Aufklärung der Verbrechen und die Bestrafung sowohl der Täter als auch der Hintermänner gefordert. Vertreter der koptischen Gemeinde in Österreich machen den ägyptischen Parlamentsabgeordneten Abd El Rehim Elghouh für das Massaker verantwortlich. Dieser habe sich öffentlich in Medien auch dazu bekannt, die Christen in Ägypten vernichten zu wollen. Christen werde in Ägypten das elementarste Menschenrecht auf Leben und Sicherheit nicht gewährt, kritisierte P. Johannes.
Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten die Kopten in Ägypten weitgehend ungestört und durften auch hohe öffentliche Ämter bekleiden. Seit den 1980er Jahren nahmen die Anschläge gegen die Christen aber deutlich zu. Der Anschlag in Nag Hammadi, 650 Kilometer südlich von Kairo, war der folgenschwerste auf koptische Christen seit dem Massaker von El Kosheh, als 21 Kopten in der Silvesternacht von 2000 auf 2001 ermordet wurden.
Linktipps:
» Christian Solidarity International Österreich