Caritas Nummer 2 bei Spendenaufkommen
In Österreich wird oft, aber mit eher kleinen Beträgen gespendet, heißt es im Spendenbericht 2009. Die Wirtschaftskrise blieb vorerst ohne Auswirkungen. Kirchengebundene sind großzügiger
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Wien (KAP) Im Blick auf das Spendenverhalten der Österreicher bleibt die "Wirtschaftskrise vorerst ohne Auswirkungen": Das geht aus dem am Freitag vorgelegten "Spendenbericht 2009" des Österreichischen Instituts für Spendenwesen (ÖIS) hervor, der allerdings auf den Zahlen des Jahres 2008 basiert. Die Österreicherinnen und Österreicher "spendeten trotz der Krise in gewohnter Weise". Dies sei auch deswegen erstaunlich, als es 2008 keine großen Kampagnen für Katastrophen gab, heißt es im Bericht.
Zwei Drittel der Bevölkerung spendeten 2008 Geld, das sind weniger als in den beiden Jahren davor (2006: 81 Prozent, 2007: 75 Prozent). Die Spendenbeobachter verzeichnen insgesamt "ein bekanntes Bild: In Österreich wird oft, aber mit eher kleinen Beträgen gespendet." Mit der ab 2009 gegebenen Steuerabsetzbarkeit und neuen Anreizen könnte sich dies laut dem ÖIS verändern.
Die "big player" am Spendenmarkt sind über Jahre dieselben: Das Rote Kreuz, die Caritas und SOS Kinderdorf sind hierzulande die beliebteste Adressaten von Geldzuwendungen. Die Spendenvolumina dieser drei Organisationen beliefen sich im Jahr 2008 auf 40 bzw. 38,4 bzw. 35,8 Millionen Euro und unterschieden sich nur geringfügig von den Zahlen des Jahres davor. Es folgen die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (13,4 Millionen Euro Spendenvolumen), "Ärzte ohne Grenzen" (11,3), "Licht ins Dunkel" 10,0) und "Missio" (9,9). Weitere kirchliche Träger: "MIVA" (4,7), "Sei so frei" (3,1), "Jugend Eine Welt" (3,0) und der Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung (2,5).
Als Besonderheit des Spendenberichtes bezeichnete das ÖIS die darin eingewobene Spendenstudie 2008. 1996 hatte das ÖIS begonnen, umfangreiche Erhebungen zum Spendenwesen in Österreich in Auftrag zu geben; diese Studien wurden 2000 und 2004 fortgesetzt. 2008 folgte die vierte Spendenstudie (durchgeführt vom NPO-Institut der Wirtschaftsuni Wien), die nun auch einen Langzeitvergleich von zwölf Jahren erlaubt.
"Zeit durch Freiwilligenarbeit zu spenden ist der wertvollste Beitrag zivilgesellschaftlichen Engagements", heißt es in dem Bericht. Laut Spendenstudie 2008 gaben mehr als 12 Prozent der Befragten an, im vergangenen Jahr in einer Organisation ehrenamtlich tätig gewesen zu sein. Weitaus am meisten profitieren davon die Kirchen und Religionsgemeinschaften, auf die rund ein Drittel aller ehrenamtlich geleisteten Arbeit entfällt. Mit beträchtlichem Abstand folgen Katastrophenhilfe im Inland und die Bereiche "Sport und Freizeit" sowie "Kinder und Jugend". Für "Politik, Gewerkschaften und Berufsverbände" engagieren sich gerade einmal neun Prozent freiwillig.
Zahl der Nichtspender nimmt zu
Im Langzeitvergleich ist in Österreich - trotz nach wie vor internationaler Spitzenwerte - ein Rückgang bei der Spendenbereitschaft festzustellen: "Regelmäßig" spendeten im Jahr 2000 noch 27 Prozent der im Zuge der Spendenstudien befragten Bürger, 2004 waren es 17 Prozent, 2008 nur mehr 8 Prozent. Dementsprechend stieg die Zahl der Nichtspender im selben Zeitraum von 19 auf 27 und zuletzt 34 Prozent.
Laut Spendenstudie 2008 haben 66 Prozent der österreichischen Bevölkerung mindestens einmal pro Jahr Geld gespendet. Der Frauenanteil (71 Prozent) ist deutlich höher als jener der Männer (62 Prozent). Auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle: 79 Prozent der über 64-Jährigen spendeten gegenüber 57 Prozent der 16- bis 29- Jährigen. Die Schulbildung hat laut ÖIS wenig Einfluss, "anders verhält es sich bei der Berufstätigkeit": Haushaltsführende Personen spenden zu 82 Prozent, gefolgt von Menschen in Pension mit 68 Prozent. Beamte und Landwirte spenden überdurchschnittlich hoch, geringe Beteiligung gibt es bei Arbeitern sowie bei selbstständigen Geschäftsleuten.
Kirchengebundene sind großzügiger
"Signifikant ist der starke Einfluss religiöser Aspekte", heißt es weiter. Die Anzahl der regelmäßigen Gottesdienstbesucher ist mit einer Spendenbeteiligung von 84 Prozent "stark überrepräsentiert"; 62,4 Prozent sind es bei den nicht regelmäßigen Besuchern. Wer einer Religionsgemeinschaft angehört, spendet eher als Konfessionslose: 69 zu 54 Prozent lautet hier das Verhältnis.
Bei den Spendenzielen zeigen sich im Langzeitvergleich folgende Veränderungen: Für Tiere öffneten 2008 18 Prozent ihr Geldbörserl, 1996 waren es noch 25 Prozent. Entwicklungshilfe sank von 23 Prozent (2000) auf 11 (2004) und zuletzt auf 6 Prozent (2008), das Spendenziel Menschenrechte sackte im selben Zeitraum von 7 auf 2 Prozent ab.
Mit Genugtuung registriert das Österreichische Institut für Spendenwesen die steigende Beliebtheit des Spendengütesiegels als "einzigen Qualitätsausweis von Spendenvorgängen". Bei der Einführung 2001 gab es 44 "Siegelorganisationen", 2005 waren es 147, im Vorjahr bereits 205. Als "auffallend" bezeichnet es der Bericht, dass von Prominenten repräsentierte Spendeninitiativen oft über kein Gütesiegel verfügen. Als Beispiele werden "Rettet den Stephansdom", "Concordia", das Wiener Integrationshaus oder der "Verein Ute Bock" genannt.
Linktipps:
» Österreichisches Spendeninstitut
» Caritas