Dialogtreffen der Kirchen mit Außenminister
Die "Dialogklausel" ist im EU-Vertrag von Lissabon festgelegt. Themen zwischen den Kirchenvertretern und Michael Spindelegger waren Asyl, Migration und Straßburger "Kreuz-Urteil"
Image (img2) invalid or missing |
Wien (KAP) Erstmals seit dem Inkrafttreten der "Dialogklausel" im EU-Vertrag von Lissabon ist es am Donnerstag zu einem offiziellen Dialogtreffen der Spitzen der christlichen Kirchen mit dem Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten, Michael Spindelegger, in Wien gekommen. Bischofsvikar Nicolae Dura von der rumänisch-orthodoxen Kirche, der derzeit den Vorsitz im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) führt, betonte im Gespräch mit "Kathpress" den "überaus positiven" Charakter des Dialogtreffens. Inhaltlich sei es vor allem um den Beitrag der Kirchen im zusammenwachsenden Europa gegangen. Neben der Fragen zur praktischen Umsetzung der "Dialogklausel" mit den EU-Institutionen thematisierten die Kirchenvertreter die Themen "Asyl und Migration", "Religionsfreiheit" und "Kreuz-Urteil".
Die EU selbst sei es, die die wichtige Rolle der Kirchen erkannt habe, betont Dura und verwies auf eine entsprechende Feststellung des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Dieser hatte zuletzt betont, dass Solidarität und Zusammenhalt wesentlich für die EU seien, deswegen sei mit der "Dialogklausel" im Vertrag von Lissabon auch die Rolle der Kirchen für ein soziales Europa gewürdigt worden. Dies bestätigte auch Außenminister Spindelegger in einer Aussendung, für den die Kirchen und Religionsgemeinschaften ein "integraler Teil der
Image (img3) invalid or missing |
|
|
Außenminister Spindelegger |
europäischen Geschichte und der europäischen Identität" seien. "Eine klare Stimme der Kirchen ist nicht nur für die europäische Einigung, sondern auch zur Stärkung der Akzeptanz der Union in der Bevölkerung von großer Bedeutung", erklärte Spindelegger.
Kirchen besorgt über Umgang mit Asylanten
Mit großer Sorge würden die Kirchenvertreter die politischen Entwicklungen bei den Themen "Asyl und Migration" verfolgen, erklärte Dura. Asylanten, die Schutz vor Verfolgung suchen und deswegen Hilfe brauchen, dürfen in der öffentlichen Debatte nicht mit Kriminellen gleichgesetzt werden", hätten die Kirchenvertreter im Gespräch mit dem Außenminister betont. Auch sollte immer klar zwischen "Asyl" und "Migration" unterschieden werden.
Spindelegger würdigte das Engagement der Kirchen und in diesem Bereich und betonte: "Gerade der kirchliche Ansatz, der auf Menschenrechten, Menschenwürde und Solidarität beruht, ist in dieser Diskussion unverzichtbar. Mit ihren diesbezüglichen Aktivitäten und Initiativen tragen die Kirchen wesentlich zum sozialen Zusammenhalt und Frieden in Europa bei."
Religiöse Symbole im öffentlichen Raum
Ein wichtiges Thema der Unterredung seien auch das Menschenrecht auf Religionsfreiheit und das umstrittene "Kreuzurteil" gewesen, hob Dura hervor. Für die klaren Aussagen des Ministers in dieser Sache sei er dankbar.
Spindelegger hatte in einer eigenen Presseaussendung nach dem Treffen dazu erklärt, er halte es für wichtig, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) das langjährige Rechtsverständnis der Vertragsstaaten der Europäischen Menschenrechtskonvention berücksichtigt, wonach der Religionsfreiheit die Präsenz von religiösen Symbolen im öffentlichen Raum nicht entgegensteht. "Im Gegenteil", so der Außenminister, "jedermann ist dazu berechtigt, seine Religion oder Weltanschauung einzeln oder in Gemeinschaft, öffentlich oder privat auszuüben".
Seitens der christlichen Kirchen nahmen neben dem Vorsitzenden des ÖRKÖ, Dura, auch Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Michael Bünker (evangelisch-lutherische Kirche), Landessuperintendent Thomas Hennefeld (evangelisch-reformierte Kirche), Chorepiskopos Emanuel Aydin (syrisch-orthodoxe Kirche) sowie Bischof Johannes Okoro (altkatholische Kirche) am Dialogtreffen teil.
Linktipp: