Papstbrief wird makelloses Verhalten der Priester fordern
Benedikt XVI. habe mit Betroffenheit und Abscheu die Schilderungen der 24 irischen Bischöfe zu den Missbrauchsfällen angehört. Im Vordergrund stehe für den Papst die Sorge um die Opfer
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Vatikan |
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Vatikanstadt (KAP) Das demnächst zur Veröffentlichung kommende Pastoralschreiben von Papst Benedikt XVI. zum Thema des Kindesmissbrauchs durch Priester wird sich auch mit grundsätzlichen Fehlentwicklungen in der heutigen Kirche auseinandersetzen: Das berichten englischsprachige Medien am Mittwoch unter Berufung auf Bischof Michael Smith (Diözese Meath). So soll etwa das zentrale Kriterium des makellosen persönlichen moralischen Verhaltens beim Priester neu eingeschärft werden.
Bei den am Dienstag zu Ende gegangenen Beratungen der irischen Bischöfe mit dem Papst habe es sich "um die produktivste Konferenz gehandelt, an der ich je teilgenommen habe", wird Smith zitiert. Benedikt XVI. sei ein aufmerksamer Zuhörer gewesen, er habe sich aber auch engagiert an den Diskussionen beteiligt.
Die Gespräche werden von den Medien als "Präludium" zu dem historischen Pastoralschreiben gewertet. Es werde das erste Mal sein, dass sich ein Papst mit einem anlassbezogenen Dokument persönlich zum Problem der Pädophilie äußern wird. Die Bischöfe hatten gemeinsam mit Benedikt XVI. Anmerkungen zu einem bereits fertigen Erstentwurf des Dokuments gemacht; es seien verschiedentlich Änderungen vorgenommen worden, hieß es.
Kardinal Sean Brady sagte am Dienstagnachmittag im Vatikan, einzelnen Bischöfe hätten bei der Konferenz "ihren Schock und ihre Wut über das Vorgefallene" bekundet. Benedikt XVI. habe mit Betroffenheit und Abscheu die Schilderungen der 24 irischen Bischöfe angehört. Im Vordergrund stehe für den Papst wie für die Bischöfe die Sorge um die Opfer, so Brady.
Kooperation mit Justizbehörden
Bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle werde die irische Kirche eng mit den Justizbehörden zusammenarbeiten, sagte der Kardinal. "Jeder Bürger ist dem Gesetz seines Landes unterstellt. Deshalb werden alle Schuldigen der gewöhnlichen Justiz überstellt, ohne Ausnahme", betonte Brady.
Der Papst habe die Bischöfe zur Aufarbeitung der Krise und zur Hilfe für die Opfer ermutigt, erklärte der Primas. Zugleich sei eine "geistliche Erneuerung" der Kirche nötig. Darin liege "die beste Verteidigung der Würde des Menschen".
Bischof Denis Brennan von Ferns erläuterte, während der zweitägigen Konferenz habe jeder Bischof einen fünfminütigen Bericht vortragen können. Im Mittelpunkt seien das Schicksal und Betreuung der traumatisierten Opfer gestanden. Das Wichtigste sei jetzt der Dialog mit den Betroffenen.
Maßnahmen für Opfer eingeleitet
Die Kirche Irlands habe bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Krise zu lindern, Opfern zu helfen und für die Zukunft derartige Vorfälle zu verhindern, betonte Brennan. Man schätze die Einbindung des Vatikan und werde den römischen Behörden noch weitere Dokumentationen zuleiten.
Benedikt XVI. hatte die irischen Bischöfe in den Vatikan eingeladen, um gemeinsam einen Ausweg aus der Krise zu suchen, in die die Kirche des Landes durch Missbrauchsfälle aus den vergangenen vier Jahrzehnten geraten war. Im Mai 2009 kam eine staatliche Kommission zu dem Ergebnis, dass über Jahre hinweg mehr als 2.000 Kinder in kirchlichen Einrichtungen misshandelt, geschlagen oder sexuell missbraucht worden seien. Kirche und Staat hätten die Augen vor den Zuständen in den Heimen verschlossen. In Reaktion darauf boten mehrere Bischöfe ihren Rücktritt an.
"Auswirkungen auf Autorität des Vatikan"
Kritisch äußerten sich irische Medien inzwischen zu dem Treffen des Papstes mit den irischen Bischöfen. So stellte die Zeitung "Irish Times" am Mittwoch etwa die Einschätzung des Papstes in Frage, der sexuelle Missbrauch sei von einer allgemeinen Schwächung des Glaubens gefördert worden. Vielmehr trage der Missbrauch durch Geistliche in weiten Teilen der Gesellschaft zu einer Schwächung des Glaubens bei, urteilt die Zeitung.
In seinem Leitartikel mutmaßt das Blatt, der Vatikan wolle die Verantwortung für die Missbrauchsfälle allein der irischen Kirche anlasten. So spreche etwa die vatikanische Stellungnahme nach dem zweitägigen Treffen von einem "Versagen der kirchlichen Autoritäten in Irland". Die Kirchenspitze sei sich anscheinend der Auswirkungen der Krise an der kirchlichen Basis nicht bewusst.
Auch der "Independent" warnte, der sexuelle Missbrauch von Kindern durch Geistliche drohe "zur größten Herausforderung aller Zeiten für die moralische Autorität des Vatikan" zu werden. Das Blatt verwies dazu auf sinkende Kirchenbesucherzahlen. Nicht nur junge Frauen und Kirchgänger mittleren Alterns hätten der Kirche den Rücken gekehrt, "sogar die Älteren weigern sich, zur Messe zu gehen und geben den Glauben ihrer Väter und Mütter auf".
Der "Irish Examiner" bewertete die Vatikan-Konferenz im Titel als "Päpstlichen Reinwaschungsversuch". Wie das Blatt aus dem südirischen Cork rückten auch andere irische Medien die Opfer und deren Enttäuschung in den Vordergrund. Dabei gaben sie deren Kritik Raum, mit der sie das Treffen im Vatikan als Augenauswischerei und missglückten Versuch zur Schadensbegrenzung ablehnten.