Außenminister im Österreichischen Hospiz in Jerusalem
Michael Spindelegger traf bei seiner Nahostreise mit dem lateinischen Patriarchen Fouad Twal und Vertretern mehrerer Glaubensgemeinschaften zusammen. Probleme der Christen angesprochen
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Patriarch Twal und Außenminister Spindelegger |
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Jerusalem (KAP) Außenminister Michael Spindelegger ist im Rahmen seines Nahost-Besuchs im Österreichischen Hospiz in Jerusalem vom lateinischen Patriarchen Fouad Twal und Hospiz-Rektor Markus Bugnyar empfangen worden. Eingeladen waren u.a. auch der Apostolische Delegat Erzbischof Antonio Franco, der orthodoxe Patriarch Theophilos III., Erzbischof Aris von der armenisch-apostolischen Kirche, die obersten Repräsentanten der anderen in Jerusalem vertretenen Kirchen, Kultusgemeinden-Präsident Ariel Muzicant für die jüdische und Sheikh Abdel Karim Surba für die muslimische Gemeinschaft sowie die Vertreter der Orden.
Probleme der Christen angesprochen
Patriarch Twal ging in seiner Ansprache auf die Probleme der Christen im Heiligen Land ein. Die stockenden Friedensverhandlungen, die Emigration gerade auch der Christen sowie der Ruf nach einer Zusammenführung der durch die Sperrmauer getrennten Familien seien die zentralen Sorgen. Österreichs Freundschaft mit Israel solle in dieser Situation zu neuen Schritten in Richtung einer größeren Gerechtigkeit, eines dauerhaften Friedens und größerer Normalität des Lebens beider Völker führen. Insbesondere würdigte der Patriarch auch die Arbeit des Ritterordens vom Heiligen Grab, dem Spindelegger angehört, für die Ortskirche im Heiligen Land.
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Rektor Bugnyar betonte, dass das Österreichische Hospiz seit mehr als 150 Jahren aus dem spezifisch österreichischen Interesse am Heiligen Land aus dem Wunsch lebe und wirke, zum Wohlergehen der Völker in dieser Region beizutragen. "Wir können, so wie wir es heute tun dürfen, als 'Fenster' die vieldiskutierte Heiligkeit dieser Stadt illustrieren; und wir könnten, gerade weil andere diese Möglichkeit vor Ort nicht haben, als 'Tür' zu einem besseren gegenseitigen Verständnis zwischen Kirchen, Religionen und Kulturen dienen. Gerade unsere Zeit braucht diese Verständigung", so der Rektor.
Ein Besuch im Heiligen Land ohne eine Begegnung mit Kirchen und Religionen, mit deren Häuptern und Vertretern, "wäre nicht nur irgendwie unvollständig, sondern vergisst gerade den wesentlichsten Aspekt dieser Region", erinnerte Bugnyar.
Ältestes nationales Pilgerhaus
Das Österreichische Hospiz liegt an der Via Dolorosa und ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land. Höhepunkte des österreichischen Engagements im Heiligen Land im 19. Jahrhundert war die Eröffnung des Österreichischen Hospizes in Jerusalem (1863) und der Jerusalem-Besuch Kaiser Franz Josephs I. (1869).
Das Grundstück für das Hospiz wurde bereits 1855 nach einem Besuch von Erzherzog Ferdinand Maximilian - später Kaiser Maximilian von Mexiko - erworben. Acht Jahre später konnte der großzügig dimensionierte Neubau eingeweiht werden. Das Hospiz wurde dem Erzbischof von Wien unterstellt.
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Kaiser Franz Joseph besuchte 1869 das Hospiz auf seiner Reise zur Eröffnung des Suezkanals. Der Kaiser wohnte damals in dem kirchlichen Haus. In der Kapelle, dem Herzstück des Hospizes, findet sich die berühmte Darstellung Franz Josephs als König von Jerusalem. Wie seine Vorgänger trug der österreichische Monarch diesen Ehren-Titel.
Bis 1918 war das Hospiz Schwerpunkt der österreichischen Präsenz im Orient. Es diente auch als Residenz des österreichischen Konsuls in Jerusalem.
Wechselvolle Geschichte
Im Ersten Weltkrieg konfiszierten die Briten nach der Einnahme von Jerusalem das Gebäude. Es wurde in ein Waisenhaus für einheimische Kinder umgewidmet, aber im Sommer 1919 wieder zurückgegeben. Einen Höhepunkt seiner Wirksamkeit erlangte das Haus, als während der Zwischenkriegszeit der damalige Rektor, Franz Fellinger, zum Generalvikar und Weihbischof des lateinischen Patriarchen von Jerusalem aufstieg.
1939 wurde das Haus von den Briten als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt. Es diente als Internierungslager für österreichische, deutsche und italienische Priester und Ordensleute. Nach dem Krieg wurde es britische Offiziersschule. 1948 wurde es von den Briten der Kirche restituiert.
Mit der Gründung des Staates Israel 1948 wurde Jerusalem geteilt. Das Hospiz fiel an Jordanien. Es wurde jetzt zu einem Spital umfunktioniert, in dem auch geistliche Schwestern aus Österreich arbeiteten. Das Hospiz war lange Zeit das einzige Spital in Ostjerusalem. Es sollte durch einen Neubau ersetzt werden, der 1967 schon fast fertig war.
Im Verlauf des Sechs-Tage-Krieges im Sommer 1967 besetzte Israel den Spitals-Neubau und verwendete ihn in der Folge als Hauptquartier für die Polizei. Das Hospiz diente deshalb weiterhin als Spital, bis es 1985 endgültig geschlossen wurde.
Im Dezember des selben Jahres wurde das Gebäude wieder seinem österreichischen kirchlichen Eigentümer zurückgegeben. 1987 wurde das Hospiz vollständig renoviert und als Pilgerhaus adaptiert. Ende Jänner 1988 wurde mit dem Gästebetrieb begonnen. Am 19. März 1988 fand die offizielle Wiedereröffnung statt. Der Wiener Bibelwissenschaftler Wolfgang Schwarz wurde zum ersten Rektor bestellt. Sein Nachfolger seit 2004 ist der Eisenstädter Diözesanpriester Markus Bugnyar.
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