
Eberau: Pfarrer enttäuscht über Abstimmungsergebnis
Pfarrer Lehrner: "Beim Gedanken des Helfens fehlts offenbar". 90 Prozent votierten gegen das Asylzentrum in dem burgenländischen Ort
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Wien-Eisenstadt, 22.02.10 (KAP) Der Eberauer Pfarrer Johannes Lehrner, der sich im Vorfeld der Volksbefragung über das geplante Asyl-Erstaufnahmezentrum öffentlich für dessen Errichtung ausgesprochen hatte, zeigte sich am Montag "traurig und enttäuscht" über das Abstimmungsergebnis. 90 Prozent der Eberauer hatten am Sonntag gegen das Asylzentrum votiert, nur zehn Prozent sich der Meinung des Pfarrers angeschlossen. "Beim Gedanken des Helfens fehlts offenbar", bedauerte Lehrner im Gespräch mit "Kathpress".
Für ihn sei es eine Frage des christlichen Gewissens gewesen, Schutz suchende Asylwerber zu unterstützen. Immerhin, so Lehrner, sei auch Jesus Christus Teil einer "Flüchtlingsfamilie" gewesen. Abgesehen von Nächstenliebe hätten aus der Sicht des Pfarrers auch wirtschaftliche Gründe für die Errichtung eines Lagers in der strukturschwachen burgenländischen Region gesprochen. All dies habe aber offenbar Nachrang gegenüber diffusen und seiner Ansicht nach "unbegründeten" Ängsten vor Fremden gehabt, sagte der Pfarrer.
Verständnis für Eberauer Pfarrer vom Klerus
Er machte für das Votum der Eberauer Bevölkerung auch die Politik verantwortlich: Im Ringen zwischen der VP-Innenministerin Maria Fekter und dem Bürgermeister einerseits und dem SP-Landeshauptmann Hans Niessl andererseits seien humane und auch rationale Erwägungen zum Teil auf der Strecke geblieben, so Lehrner. Er selbst habe für seine Haltung Vorwürfe und Untergriffe aus der Gemeinde einstecken müssen, er "habe aber nicht polarisieren", sondern für ein Vorgehen aus christlichem Geist werben wollen. Verständnis habe er seitens des burgenländischen Klerus bekommen: Bei einem Priestertreffen auf Dekanatsebene, bei dem auch der Eisenstädter Bischof Paul Iby anwesend war, habe die Zustimmung zu seiner Position überwogen.
Die politisch Verantwortlichen seien nun gefordert, jenseits parteipolitischen Gezänks eine Lösung für das Asylproblem anzustreben. Dabei sollen nicht an den Gemeinden vorbei agiert werden, aber auch alles unternommen werden, dass sich Europa nicht immer mehr abschottet und zur Festung wird, so der Pfarrer. Laut Lehrner wäre es wohl besser, die Unterbringung von Asylwerbenden mit kleineren Einheiten zu bewerkstelligen.
Chalupka für "Neustart in der Asylpolitik"
Die "Causa Eberau" zeige, dass sich die österreichische Asylpolitik in der Sackgasse befindet. "Österreich braucht einen Neustart in der Asylpolitik und ein eigenes Ressort für die wichtigen Themen Asyl, Migration und Integration", betonte Diakoniedirektor Michael Chalupka in einer Aussendung am Montag." Das Recht auf Asyl verlange mehrt als sicherheitspolizeiliches Denken. Das Asylrecht sei vor allem ein Menschenrecht, das Verfolgten Sicherheit und Schutz bietet. Eine grundrechtskonforme Ausgestaltung dieses Rechtes würde laut Chalupka auch an das anschließen, "worauf die Österreicherinnen und Österreicher zu Recht stolz sind: Ihre Hilfsbereitschaft für Menschen in Not".
In der ORF-Sendung "Im Zentrum" am Sonntagabend stellte der Diakoniedirektor seinen Vorschlag zur Entlastung des Flüchtlingslagers Traiskirchen vor. Um Asylansuchen rasch, menschenrechtskonform und professionell zu bearbeiten, fordere die Diakonie ein differenziertes Aufnahmesystem, bei dem die Bereiche "Unterbringung" und "Erstaufnahmeverfahren" zeitlich und räumlich voneinander getrennt werden. "Asylsuchende sind in den allermeisten Fällen Opfer und keine Täter", erklärte Chalupka. Es sei an der Zeit, dass sich Landeshauptleute und Innenministerin zum Flüchtlingsschutz bekennen und sich gemeinsam an einen Tisch setzen um eine verantwortungsvolle Lösung erarbeiten. Folgten sie dabei dem Vorschlag der Diakonie, könnten Asylsuchende künftig in jedem Bundesland in Betreuungsstellen des Bundes, die eine Maximalgröße von 100 bis 150 Bewohner haben und zentral gelegen sind, untergebracht werden.