Embryonenforschung: Bischof Küng kritisiert EU-Beschluss
St. Pölten, 1.8.06 (KAP) Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Fragen der Bioethik zuständig ist, hat am Dienstag scharfe Kritik am jüngsten Beschluss des EU-Ministerrats über die Embryonenforschung geübt. Es dürfe nicht so weit kommen, dass man angesichts der Faszination der technischen Machbarkeit in der Medizin blind für die Menschenwürde werde, so Küng.
Die Tragweite der jüngsten Brüsseler Entscheidung müsse erkannt werden, betonte der St. Pöltner Bischof: "Ich möchte den Appell der Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes (ComECE) an alle Europäer und insbesondere die Katholiken verstärken, sich den anthropologischen Zusammenhang dieser Debatte über die Menschenwürde bewusst zu machen". Jedes menschliche Leben beginne mit der Empfängnis, erinnerte der Bischof; dieses neue Leben bedürfe besonderen Schutzes und dürfe niemals als Labormaterial instrumentalisiert werden.
Der Beitrag, den Wissenschaft und Forschung zur Verbesserung der Lebensqualität leisten, werde von ihm voll anerkannt, so Küng. Das gelte auch für Bemühungen um neue therapeutische Möglichkeiten. Es bestehe allerdings die Gefahr, sich von den Möglichkeiten der Biomedizin blenden lassen.
Der Bischof hob die Unantastbarkeit der Menschenwürde hervor. Sie sei letztlich darin begründet, "dass der Mensch Ebenbild Gottes ist". Die Europäische Grundrechtecharta stelle in Artikel 1 fest: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen". Die Entscheidung des EU-Ministerrats, die einen Eingriff in die Würde des Menschen zu Beginn seiner Existenz impliziere, stehe im krassen Widerspruch dazu.
Zwar sei der Beschluss begrüßenswert, dass der erste Forschungsschritt - die Zerstörung menschlicher Embryonen zur Erzeugung von Stammzell-Linien - nicht aus EU-Mitteln gefördert werden darf. Die weiteren Forschungsschritte könnten aber aus Gemeinschaftsmitteln gefördert werden. Man könne den Beschluss des Ministerrats somit auch als Aufforderung verstanden wissen, die erste Etappe - die die Zerstörung menschlicher Embryonen mit sich bringt - eben auf der Ebene der Mitgliedsstaaten zu fördern.
"Chance zu Grundsatzdebatte nutzen"
Ausdrücklich lobte der Bischof die Haltung der österreichischen Bundesregierung: Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hatte mit den Repräsentanten von Litauen, Malta, Polen und der Slowakei gegen das Forschungsrahmenprogramm gestimmt. Gleichzeitig forderte Küng die Verantwortungsträger in Politik und Kirchen auf, im Vorfeld der zweiten Lesung im Europäischen Parlament im Herbst dieses Jahres die Chance für eine Grundsatzdebatte über die Embryonenforschung zu nutzen. Dies gelte sowohl für die Ebene der Europäischen Institutionen als auch in Österreich auf breiter Basis in der Zivilgesellschaft.