Kothgasser: "Zukunft liegt bei Gott"
Salzburg, 31.7.06 (KAP) Das Thema der 75. "Salzburger Hochschulwochen" ("Gott im Kommen") markiere mit aller Entschiedenheit, dass die Zukunft bei Gott liegt. Dies betonte der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser am Montagvormittag bei der Eröffnung der Jubiläumsveranstaltung der "Salzburger Hochschulwochen".
Die in den kommenden Tagen diskutierten Fragen seien für ihn "als Christen und Bischof an die Hoffnung auf jenen Gott gebunden, der im Kommen ist", sagte der Salzburger Erzbischof: etwa die Frage, wie es um die Aktualität politischer Theologien bestellt ist. Oder die Frage, wie es mit der "Renaissance des Religiösen" und mit dem Glauben an den Gott Jesu Christi aussieht. Hier komme keiner an einer tragfähigen und persönlich verantworteten Antwort vorbei, so Erzbischof Kothgasser: "Wir müssen uns dem Gott aussetzen, der kommt, aber vielleicht anders als erwartet. Möglicherweise anonym, unbemerkt , zugleich aber offenbar und im Geheimnis".
Der Obmann der "Salzburger Hochschulwochen", Prof. Gregor Maria Hoff, blickte in seinem Begrüßungsstatement auf 75 Jahre "Salzburger Hochschulwochen" zurück. Das Jahr 1931 war von steigenden Arbeitslosenzahlen, der Eröffnung des New Yorker "Empire State Building" und den ersten Erfolgen Gandhis im zivilen Kampf gegen die britische Kolonialmacht gekennzeichnet, erinnerte Hoff. In der bewegten Zeit der dreißiger Jahre hätten die 1931 erstmals veranstalteten "Hochschulwochen" ein kirchliches Aufbruchssignal gesetzt. Als Sommeruniversität konzipiert, hätten die Hochschulwochen die Gründung einer katholischen Universität in Salzburg forcieren sollen. Schon damals sei die "wissenschaftlich fundierte Vermittlung katholischer Positionen, als Selbstüberprüfung nach außen und nach innen" das zentrale Anliegen gewesen.
Die Vorlesungen aus 75 Jahren würden im Rückblick eine "Theologie der Moderne im Vollzug" ergeben. Als Beispiel nannte Hoff die Vorträge von Karl Rahner. Was Karl Rahner mit seiner religionsphilosophischen Grundlegung des "Hörers des Wortes" vorbereitet habe, hätte nach dem Krieg in seine Überlegungen zu den "anonymen Christen" münden sollen, wenn man Rahner nicht die Einreise nach Österreich verweigert hätte. Beide Begriffe stünden, so Hoff, für eine theologische Revolution und seien mit den "Salzburger Hochschulwochen" mehr als "nur zufällig" verbunden.
Bekenntnis zum Dialog
Als weitere Protagonistenin von 75 Jahre "Hochschulwochen" nannte Hoff u.a. Romano Guardini, Erik Peterson, Yves Congar, Hans Urs von Balthasar, Johann Baptist Metz, Joseph Ratzinger, Karl Lehmann, Walter Kasper oder Eberhard Jüngel, der heuer die Laudatio für Kardinal Walter Kaspar halten wird, der den erstmals vergebenen Theologischen Preis erhält. "Das ökumenischen Zeichen folgt dabei der Intuition der Gründungsväter", betonte Hoff.
Weitere Ziele der "Salzburger Hochschulwochen" seien bis heute der Dialog der Wissenschaften und das interdisziplinäre Gespräch, auch mit Philosophen wie Hans Georg Gadamer, Schriftstellern wie Andrzej Szczypiorski oder Religionswissenschaftlern wie Jan Assman. Der "Referenzpunkt" der Hochschulwochen sei - so der Obmann - nicht der anpassungsresistente "Dinosaurier", sondern "eher der 250 Jahre junge Mozart, dessen Musik auch die Gegenwart des 21. Jahrhunderts zum Sprechen bringt".