In Wien entsteht Kardinal-König-Archiv
Wien-Mariazell, 3.8.06 (KAP) In Wien entsteht ein Kardinal-König-Archiv. "Das ist ein ganz großes Stück Zeitgeschichte", so die Wiener Diözesanarchivarin (und langjährige Leiterin des Sekretariats von Kardinal König) Annemarie Fenzl, die derzeit das Archiv aufbaut. Der Wiener Alterzbischof hätte am Donnerstag seinen 101. Geburtstag gefeiert. Kardinal König habe "viel Rüstzeug für den Weg der Christen im 21. Jahrhundert hinterlassen", sagte Annemarie Fenzl in einem "Radio Stephansdom"-Interview. Dieses Rüstzeug gelte es, jetzt zugänglich zu machen
Seit dem Tod des Wiener Alterzbischofs im Jahr 2004 arbeitet Fenzl an der Erstellung des Archivs. Die Archivordnung sehe zwar vor, dass Archive bis 50 Jahre nach dem Tod der betreffenden Person gesperrt bleiben. Im Fall Kardinal Königs werde es aber vermutlich eine Ausnahmeregelung geben, so Fenzl, jedoch werde das Archiv frühestens in fünf Jahren der Öffentlichkeit zugänglich sein. So lange werde die Aufarbeitung sowie die Klärung der Fragen des Datenschutzes insbesondere der im Archiv genannten Personen noch in Anspruch nehmen.
700 Archiv-Schachteln
Die Dimension des zu bewältigenden Materials werde deutlich, so die Archivarin, wenn man sich vor Augen führt, dass das ebenfalls in Wien befindliche Kardinal-Innitzer-Archiv aus etwa 40 Archiv-Schachteln bestehe, während das im Entstehen begriffene Kardinal-König-Archiv "bislang bereits an die 700 Schachteln" umfasse.
Das Material weise dabei "ein ungeheuer breites Spektrum" auf und zeige deutlich "die Verbindungen in die ganze Welt", die Kardinal König gepflegt habe, so die Archivarin weiter. Die Exponate, zu denen neben Akten und Schriften auch zahlreiche Gegenstände von Reisen in andere Ländern zählen, zeugten davon, dass Kardinal König "immer den Dialog mit allen Menschen gesucht" habe.
Weiters wird das Archiv laut Fenzl dem interessierten Besucher verdeutlichen, dass Kardinal König in besonderer Weise Wert darauf legte, "im Umgang mit anderen Menschen immer zuerst das Gemeinsame zu sehen". Eine zentrale Rolle im Archiv werde außerdem das Zweite Vatikanische Konzil spielen.
Gedenkgottesdienst in Mariazell
Am kommenden Sonntag, 6. August, wird der Erzbischof von Lublin, Jozef Zycinski, um 10 Uhr in der Mariazeller Basilika einen Gedenkgottesdienst für Kardinal König feiern. Zycinski war in besonderer Weise mit König verbunden.
Der Gottesdienst wird vom kirchlichen Institut "Janineum" gestaltet. Lonny Glaser hat das Institut 1957 auf Initiative von Kardinal König ins Leben gerufen, um trotz Eisernem Vorhang den Austausch zwischen den katholischen Wissenschaftlern und Künstlern in Polen und Österreich zu ermöglichen. Seit der "Wende" engagiert sich das "Janineum" ebenso für die Wissenschaftler und Künstler aus anderen ostmitteleuropäischen und osteuropäischen Ländern.
Am Sonntagnachmittag findet um 15 Uhr im Gedenken an Kardinal König in der Mariazeller Basilika ein Gedenkkonzert statt, bei dem frühere Stipendiaten des "Janineums" - Andrzej Bialko (Orgel) und Beata Raszkiewicz (Sopran) - Werke von Bach und anderen Großen der europäischen Musikgeschichte zu Gehör bringen werden.