Massive Kritik nach FPÖ-Attacke gegen Schönborn
Der Nationalratsabgeordnete Königshofer hatte sich die "Einmischung" des Kardinals in den Bundespräsidentenwahlkampf verbeten. Dieser solle sich um Missbrauchsfälle kümmern. Bundeskanzler zeigte sich "entsetzt"
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Kardinal Schönborn |
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Wien, 09.03.10 (KAP) Vertreter aller Parlamentsparteien haben am Dienstag die verbalen Angriffe eines Tiroler FPÖ-Politikers auf Kardinal Christoph Schönborn zurückgewiesen. Der Nationalratsabgeordnete Werner Königshofer hatte sich in einem Offenen Brief die "Einmischung" Kardinal Schönborns in den Bundespräsidentenwahlkampf verbeten und dessen am vergangenen Freitag auf Anfrage bei einer Pressekonferenz geäußerte Kritik an der FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz als "peinlich und beschämend" bezeichnet.
Wörtlich schrieb der Nationalratsabgeordnete: "Gerade jetzt, wo unzählige Mißbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche an das Tageslicht kommen, sollten Sie sich besser um ihre 'warmen Brüder', Klosterschwuchteln und Kinderschänder kümmern, statt eine 10-fache Mutter verbal anzugreifen, die ihre Kinder behütet, beschützt und zu anständigen Menschen erzogen hat."
Bundeskanzler Faymann "entsetzt"
Bundeskanzler Werner Faymann zeigte sich "entsetzt" über die Wortwahl. "Es ist beschämend, dass sich ein Mitglied einer demokratisch gewählten Partei und Abgeordneter des Nationalrats in einer derartig menschenverachtenden Diktion öffentlich äußert", wurde Faymann in einer Aussendung zitiert.
Scharf verurteilte auch der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer die "verbale Entgleisung". Derartige Worte seinen "eines demokratisch gewählten Vertreters unwürdig", stellte der ÖVP-Politiker klar. Es sei kaum überraschend wenn die Politik auf dem Hintergrund solcher Aussagen Politik in der öffentlichen Wahrnehmung an Ansehen verliere, so Neugebauer.
Der stellvertretende BZÖ-Chef Gerald Grosz sprach ebenfalls von einer "Schande für die politische Auseinandersetzung" und forderte Konsequenzen: "Solche Personen haben in den Verantwortungsfunktionen der Republik nichts verloren."
"Die von der FPÖ ständig beschworene Meinungsfreiheit muss auch für Kardinal Schönborn gelten", hielt die Grün-Politikerin Madeleine Petrovic fest. "Es ist Kardinal Schönborn hoch anzurechnen, dass er klare Worte zur politischen Hygiene in unserem Land gefunden hat", unterstrich Petrovic. Die Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen müssten zwar lückenlos aufgeklärt werden, dürften aber "nicht dazu führen, die Kirche in allen gesellschaftlichen Fragen mundtot zu machen".
Auch Kritik aus der FPÖ
Auch der eigenen Partei gingen Königshofers Aussagen offenbar zu weit. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl merkte via Aussendung an, dass sich Königshofer "zweifellos völlig im Ton vergriffen" habe. Der Tiroler FPÖ-Landesparteiobmann Gerald Hauser sagte gegenüber über dem ORF-Landesstudio Tirol "Der Ton macht die Musik, und das ist schlechte Musik." Angesichts der Missbrauchsfälle bestehe zwar Handlungsbedarf, so Hauser. Er sei aber zuversichtlich, dass die Kirchenführung in Österreich die richtigen Maßnahmen treffen werde.