"Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind"
St. Pölten, 3.8.06 (KAP) Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind, betonte der Tiroler Caritasdirektor Georg Schärmer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem St. Pöltner Caritasdirektor Friedrich Schuhböck in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Das seien 6,5 Millionen Mädchen und Buben in einem Jahr. Dies geschehe "abseits von Mikrofonen und Kameras", ohne besondere mediale Reaktion. Mehr als 850 Millionen Menschen hätten weltweit nicht genug zu essen, während sich "am Ende dieses Tages in Österreich wieder unvorstellbare Berge an Lebensmitteln und anderen Konsumgütern angesammelt haben, die auf der Müllkippe landen", so der Tiroler Caritasdirektor.
Dramatisch schilderte Schärmer die Situation in der westafrikanischen Republik Burkina Faso: Heuschreckenschwärme hätten mehr als 90 Prozent der Ernte vernichtet. Die Menschen würden Termitenhügel aufbrechen, um an die dort gesammelten Getreidekörner zu gelangen. Genug zu essen zu haben, müsse "ein grundlegendes Menschenrecht" sein, fordert der Innsbrucker Caritasdirektor. "Entwicklungshilfe muss erhöht, die Entschuldung fortgesetzt, fairer Handel gefördert werden", verlangte Schärmer. Neue Finanzierungsquellen, etwa durch Besteuerung der Devisentransaktionen, seien zu erschließen.
Die Caritashilfe sei aber nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In der Sahelzone seien seit 1973 Vorratsspeicher gebaut, Brunnen angelegt und zahlreiche Schulungen für landwirtschaftliche Nutzung durchgeführt sowie Gesundheitszentren errichtet worden. Dadurch sei langfristig geholfen worden und eine weitere Katastrophe bisher ausgeblieben. "Die Saat ist aufgegangen", so Schärmer.
"Hunger fällt nicht vom Himmel, sondern ist ein himmelschreiendes Unrecht", unterstrich auch der St. Pöltner Caritasdirektor Friedrich Schuhböck. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem durch die Augustaktion 551.000 Euro für Projekte in der Dritten Welt gespendet wurden, erhoffe er sich angesichts der diesjährigen dramatischen Situation eine deutliche Steigerung. Die Caritas kenne verschiedene Formen der Hilfe: Dringende Soforthilfe nach Katastrophen, Starthilfe zur Selbsthilfe und nachhaltige Hilfe. Dazu gehören etwa Ziegen, die einer Familie zur Verfügung gestellt werden, um diese mit Milch zu versorgen. Die Caritas plant, im Osten Afrikas etwa 10.000 Familien mit dem Ankauf einer Ziege zu helfen. Die Kosten betragen 20 Euro pro Ziege.
Mit 17 Euro könne ein landwirtschaftliches "Startpaket" mit Saatgut und einfachen Geräten zur Verfügung gestellt werden. Und mit 15 Euro lasse sich einer ganzen Familie einen Monat lang das Essen sichern.
Der Sekretär der St. Pöltner Katholischen Männerbewegung, Josef Muhr, unterstrich die Bedeutung der Augustaktion, die seit Jahren auch von der Katholischen Männerbewegung in den Pfarren und Dekanaten wesentlich mitgetragen wird. (Spenden: Raiba St. Pölten Kto. Nr. 76.000, BLZ 32.585).