Papst besuchte Roms evangelische Gemeinde
Es handelte sich um den ersten Besuch des amtierenden Papstes in einem lutherischen Gotteshaus. 1983 besuchte Johannes Paul II. die Gemeinde - damals der erste Papst-Besuch seit der Reformation. "Trauer" über Trennung
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Rom (KAP) Papst Benedikt XVI. hat am Sonntgabend einen Besuch in der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom für einen eindringlichen Aufruf zur Ökumene genutzt. Den Papst begleiteten unter anderem Kardinalvikar Agostino Vallini, Stellvertreter Benedikts XVI. in der Diözese Rom, und der für die Ökumene verantwortliche Kardinal Walter Kasper.
"Dass wir nicht den gleichen Kelch trinken können, nicht am gleichen Altar stehen, muss uns mit Trauer erfüllen", sagte Benedikt XVI. in seiner größtenteils frei gehaltenen Predigt. Es müsse Christen "innerlich unruhig machen", dass sie durch ihre geteilten Wege das Zeugnis für ihren Glauben verdunkelten.
Letztlich könne jedoch nur Gott selbst die Einheit schenken, "um die wir in dieser Stunde mit aller Dringlichkeit zu ihm beten", betonte der Papst. Zugleich bestritt der Petrusnachfolger, die Schlüsselgewalt zur Lösung des Dilemmas zu haben: "Eine Einheit, die wir selbst aushandeln würden, wäre von Menschen gemacht, und so brüchig wie alles, was Menschen machen."
Benedikt XVI. bekundete seine Trauer über die Zerrissenheit der christlichen Gemeinschaft. Statt aber über einen Stillstand der Ökumene zu klagen, sollten die Gläubigen "dankbar werden, dass es so viel Einheit gibt" und dass diese Einheit immer tiefer werden könne. In seinen Schlussworten äußerte sich der Papst dankbar dafür, "dass wir miteinander beten und singen dürfen".
Die spätwilhelminische Christuskirche in der Via Toscana nahe dem Park Borghese ist geistliches Zentrum für rund 350 deutschsprachige Protestanten in der italienischen Hauptstadt. Es handelte sich um den ersten Besuch des amtierenden Papstes in einem lutherischen Gotteshaus; Moscheen, Synagogen und das Zentrum der Orthodoxie - das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel - hatte Benedikt XVI. schon betreten.
Begrüßt wurde der Papst von der Gemeindepräsidentin Doris Esch. Sie hieß den Papst als "Bischof von Rom" willkommen. Der Weg der Ökumene liege "nicht so sehr im Reflektieren unserer unterschiedlichen Voraussetzungen, sondern im gemeinsamen Tun", so die Gemeindepräsidentin.
In ihrem Grußwort erinnerte Esch an den historischen Besuch Johannes Pauls II. wie auch an ein Podiumsgespräch des damaligen Glaubenskongregations-Präfekten Joseph Ratzinger mit dem Berliner Bischof Wolfgang Huber 1998 in der Christuskirche. Diese Veranstaltung fand in der letzten Vorbereitungsphase der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" statt, die dann am 31. Oktober 1999 feierlich in Augsburg unterzeichnet wurde.
15 Jahre davor - 1983 - hatte Johannes Paul II. mit seinem Besuch in der Via Toscana als erster Papst überhaupt die Schwelle einer protestantischen Kirche übertreten. Der Schritt erfolgte zum 500. Geburtsjahr Martin Luthers.
Bei der von Lesungen, Gemeindegesang und Gebeten geprägten lutherischen Feier predigte Gemeindepfarrer Jens-Martin Kruse über einen Abschnitt aus dem zweiten Korintherbrief. Anschließend legte Benedikt XVI. einige Verse aus dem Johannesevangelium aus.
Kruse rief unter Verweis auf das liturgische Motto des Sonntags- "Laetare" (Freuet euch) dazu auf, trotz der Erfahrung von Leid und Versagen an der Osterhoffnung festzuhalten. Durch die Auferstehung werde "unsere Gegenwart in ein anderes Licht" gerückt.
Auf besondere ökumenische Themen ging der evangelische Geistliche nicht ein. Er verwies jedoch allgemein auf schmerzende "Trennungen und Differenzen". Zugleich erinnerte er an die Mahnung des Apostels Paulus, Gläubige sollten sich gegenseitig stützen. "Auf dem Weg mit Jesus Christus, gemeinsam unterwegs in seiner Nachfolge sind wir Christen vom Apostel Paulus angehalten, nicht nebeneinander herzugehen, sondern miteinander", so Kruse.
"Freundschaft bestärkt"
"Es war ein eindrucksvoller geistlicher Gottesdienst", kommentierte Kardinal Kasper nach der Feier. Pastor Kruse betonte, er könne mit so einem Papst gut leben: "Wir sind als lutherische Kirche eine durch die Reformation hindurchgegangen katholische Kirche. Die Tradition der Päpste ist auch unsere Tradition."
Kasper betonte weiter, der Besuch habe die gewachsene Einheit in der Ökumene herausgestellt. Das gemeinsame Beten sei "nicht wenig", betonte der Präsident des Rats für die Einheit der Christen am späten Sonntagabend. Er habe die Feier in der römischen Christuskirche als "eindrucksvollen geistlichen Gottesdienst" erlebt.
Als eine zentrale Aussage bewertete Kasper, dass der Papst das Leiden an der "Wunde der Trennung" herausgestellt habe. Die liturgische Begegnung habe die schon bestehende Freundschaft zwischen der lutherischen Gemeinde in Rom und den Katholiken bestärkt. Für kirchenpolitische Äußerungen zur Ökumene wäre der Gottesdienst nicht der richtige Ort gewesen, so der Kardinal.
Im Blick auf den Ökumenischen Kirchentag, der in zwei Monaten in München stattfindet, äußerte Kasper den Wunsch, dass Christentreffen solle einen "Geist der Hoffnung" vermitteln. Christen müssten zeigen, dass sie über Konfessionsgrenzen hinweg zusammenstehen, in einer zunehmend säkularisierten und pluralisierten Gesellschaft ihren Glauben bezeugen und Freude ausstrahlen könnten.