Religionsvertreter bei Bundeskanzler Faymann
Eineinhalb Stunden lang ging es im Bundeskanzleramt um Themen wie Migration, Pflege oder Armutsbekämpfung. Aber auch die wirtschaftliche Lage, der Religionsunterricht und Missbrauch kamen zur Sprache
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Wien (KAP) In Wien hat am Montag erneut ein Treffen von Vertretern aller 14 in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften mit Bundeskanzler Werner Faymann stattgefunden. Rund eineinhalb Stunden lang ging es im Bundeskanzleramt um Themen wie Migration, Pflege oder Armutsbekämpfung. Aber auch die wirtschaftliche Lage Österreichs, der Religionsunterricht und das Thema Missbrauch kamen zur Sprache.
Bundeskanzler Faymann dankte nach dem Treffen den Religionsvertretern für ihre Bereitschaft zu dem offenen Gespräch, das in dieser Form bereits zum zweiten Mal stattgefunden hat. "Es gibt kaum ein vergleichbares Land, in dem die Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften so gut funktioniert", sagte Faymann im "Kathpress"-Interview: "Die Solidarität, der gegenseitige Respekt in dem auch Unterschiede akzeptiert werden: Das ist in Europa vorbildlich."
Gerade mit ihrer Arbeit im Sozialbereich, der Unterstützung sozial Schwächerer und der Armutsbekämpfung spielten die Religionsgemeinschaften eine "wichtige und große Rolle", so Faymann.
Kontinuität des Treffens zwischen Politik und Religion
Kardinal Christoph Schönborn und der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker freuten sich, dass mit den regelmäßigen Treffen der kontinuierliche Dialog der politisch Verantwortlichen mit den Religionsgemeinschaften realisiert werde. Faymann setze mit dem Gesprächsforum auch den im Lissabon-Vertrag der EU festgeschriebenen strukturierten und transparenten Dialog der Regierenden mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften um, so Kardinal Schönborn: "Österreich geht da mit gutem Beispiel voran."
Im "Kathpress"-Gespräch hob der Kardinal die Bedeutung des Beitrags der Religionen beim Migrationsthema hervor. Schließlich gebe es unter den Gläubigen vieler Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich einen starken Migrantenanteil. Das gelte auch für die katholischen Kirche, betonte Schönborn.
Der Kardinal dankte zudem für die gesetzlich gute Verankerung des Religionsunterrichts in Österreich. Dieser leiste einen wichtigen Beitrag, damit die Religionen ihre unterstützende Rolle für das Zusammenleben der Menschen besser einnehmen könnten, so Schönborn.
Auch Missbrauch war Thema
An dem Treffen nahmen u.a. auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh, der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian und der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld teil. Von politischer Seite war auch Staatsekretär Johannes Ostermayer bei dem Gespräch dabei.
Kardinal Schönborn sprach bei dem Treffen von sich aus die Entwicklungen rund um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche an. Der Kardinal verwies auf die Ergebnisse der Bischofskonferenz und die angestrebten Maßnahmen zur österreichweiten Vereinheitlichung und verstärkten Zusammenarbeit von Diözesen und Orden im Einsatz gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche. Er übergab Bundeskanzler Faymann zudem die bestehenden Richtlinien der Erzdiözese Wien im Kampf gegen sexuelle Gewalt, die Grundlage für das geplante österreichweite Vorgehen der katholischen Kirche sind.
Bundeskanzler Faymann plädierte im Gespräch mit "Kathpress" für eine "sehr sachliche" Behandlung des Themas, "ohne Schuldzuweisungen und Gehässigkeiten". Im Zentrum müsse eine hundertprozentige Aufklärung stehen, stellte Faymann klar. Als Politiker gehe es ihm vor allem um den Schutz gegen Missbrauch und die Sicherstellung möglichst guter rechtsstaatlicher Rahmenbedingungen. In diesem Sinn müsse man sich auch fragen, ob etwas "verbessert, verändert oder verschärft gehört".