"Haus der Barmherzigkeit": Prominent besetzter Festakt
Unter den Gästen zum 135-Jahr-Jubiläum der Wiener Plegeeinrichung waren Kardinal Schönborn und Bundespräsident Fischer. Plädoyer für Kooperation von staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen bei Sozialem
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Kardinal Schönborn und Bundespräsident Fischer |
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Wien, 19.03.2010 (KAP) Mit einem Festakt am Donnerstagabend hat die kirchliche Pflegeeinrichtung "Haus der Barmherzigkeit" (HdB) ihr 135-Jahr-Jubiläum gefeiert. Als Gratulanten in der Pflegeeinrichtung in der Ottakringer Seeböckgasse stellten sich an erster Stelle Kardinal Christoph Schönborn und Bundespräsident Heinz Fischer ein.
Kardinal Schönborn sprach sich bei der Feier für eine verstärkte Zusammenarbeit von Staat und nichtstaatlichen Organisationen im Sozialbereich aus. Lange vor der Etablierung des Sozialstaates habe die Kirche mit der Errichtung des "Hauses der Barmherzigkeit" auf die Nöte der Zeit reagiert.
Er fürchte, so der Kardinal, dass die Zeiten künftig schwieriger würden, mutige nichtstaatliche Initiativen würden daher in Zukunft umso wichtiger. Er hoffe deshalb auf ein "Wachstum an Barmherzigkeit", sagte Schönborn wörtlich.
Bundespräsident Fischer würdigte das HdB als "Gesamtkunstwerk der sozialen und gesundheitlichen Versorgung". Bürgermeister Michael Häupl und die niederösterreichische Landesrätin Johanna Mikl-Leitner bekannten sich zur sozialen Verantwortung des Staates und plädierten ebenfalls für eine intensive Zusammenarbeit mit kirchlichen und anderen Initiativen. Das HdB sei ein Ort der gelebten Nächstenliebe, so Mikl-Leitner und Bundespräsident Fischer
Die Festrede hielt der Schriftsteller Michael Köhlmeier, der in sehr persönlichen Worten über seine tiefgläubige behinderte Mutter erzählte.
Vorreiterrolle bei Langzeitpflege
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Das "Haus der Barmherzigkeit" geht auf eine Initiative der Wiener Dreifaltigkeitsbruderschaft im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zurück. Heute betreut das HdB an verschiedenen Standorten in Wien und Niederösterreich rund um die Uhr rund 1.000 Menschen mit chronischer Erkrankung oder geistiger und körperlicher Beeinträchtigung.
Das HdB habe seit Jahrzehnten eine Vorreiterrolle im Bereich der Langzeitpflege und der Betreuung von Menschen mit speziellen Bedürfnissen inne, so Prof. Christoph Gisinger, der Institutsdirektor und ärztliche Leiter des "Hauses der Barmherzigkeit": "Es geht darum, Not wahrzunehmen, den Menschen respektvoll 'auf gleicher Augenhöhe' zu begegnen und tatkräftig zu helfen - ganz unabhängig von Konfession und Nationalität der Hilfesuchenden."
Das HdB sollte bei der Gründung am damaligen Standort Vinzenzgasse in Wien-Währing für - in der damaligen Diktion - "unheilbar Kranke" nicht nur Unterkunft und Nahrung, sondern auch Betreuung, Linderung und Besserung bieten, also eine Erfüllung der "Hoffnung auf Glück". Dazu gehörte auch intensive ärztliche Betreuung, damals keineswegs eine Selbstverständlichkeit.
Als der aus Wien stammende New Yorker Arzt Ignatius L. Nasher seine Heimatstadt im Jahr 1906 besuchte, prägte er den Begriff "Geriatrie" am Beispiel des HdB. Somit kann das Wiener Haus als die Geburtsstätte der Geriatrie betrachtet werden.
Heute versteht sich das HdB auch als Partner öffentlicher Institutionen, ohne die die Entwicklung des letzten Jahrzehnts nicht möglich gewesen wäre. Die Ausgliederung des Behindertenbereichs in moderne Wohngemeinschaft, die Neubauten in der Seeböckgasse und in der Donaustädter Tokiostraße konnten nur durch die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Wien realisiert werden. Gleiches gilt im Hinblick auf den Neubau eines Pflegeheims in Poysdorf und die Erweiterung des "Clementinums" im Hinblick auf die Kooperation mit dem Land Niederösterreich.
Neue Ausbildungs-Konzepte
Die beiden Häuser Seeböckgasse und Tokiostraße sind anerkannte Ausbildungsstätten für die Ärzteausbildung. Seit 2006 besteht eine Kooperation mit der Donau-Universität Krems, seit 2009 ist das "Haus der Barmherzigkeit" Lehrkrankenhaus der Medizinuniversität Wien. Die am HdB angesiedelte "Akademie für Altersforschung" organisiert zahlreiche Fachsymposien und Forschungsprojekte.
Die demografische Entwicklung, die abnehmende Belastbarkeit der informellen Pflege durch die Familien und die komplexeren Krankheitsbilder mit Pflegebedürftigkeit seien ein Hinweis auf die Notwendigkeit, das Berufsbild der Langzeitpflege aufzuwerten, so Prof. Gisinger. Als Antwort entwickle das HdB gemeinsam mit der Caritas und der Schulstiftung der Erzdiözese Wien das Konzept "Generationen-Campus", das auf dem Areal des Stammhauses in der Vinzenzgasse realisiert werden soll, kündigte Gisinger an.
Das Projekt umfasst eine Pflegeeinrichtung, eine Fachhochschule, eine dreijährige mittlere und eine fünfjährige höhere Schule für Sozialbetreuungsberufe, eine Hauptschule, eine Volksschule und einen Kindergarten.
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