Friesl: Österreich braucht "kontinuierliche Zuwanderung"
Wien, 7.8.04 (KAP) Ein Land wie Österreich braucht "kontinuierliche Zuwanderung" braucht, um sich wirtschaftlich und gesellschaftlich "am Leben zu erhalten", betonte der Bereichsleiter Gesellschaftspolitik in der Industriellenvereinigung, Christian Friesl, am Montag in einem "Kurier"-Interview. Die Frage der Migration werde in der nächsten Legislaturperiode ein wichtiges Thema werden, so Friesl. Es gebe in Österreich eine sehr niedrige Geburtenrate, es sei zu hoffen, dass nach der Wahl sachlich über Zuwanderung gesprochen wird. Es gehe vor allem um das Bewusstsein, dass man einen "intensiven Kontakt zu dem braucht, was uns umgibt". Friesl: "Die Österreicher neigen dazu, stark nach innen zu schauen".
Familienpolitisch wünscht sich Friesl eine "Weiterentwicklung" des Kinderbetreuungsgelds. Dieses sei zwar ein "Meilenstein" gewesen, was nicht hindere, "ein gutes Mittel dort weiter zu entwickeln, wo es Entwicklungspotenzial gibt". Finanzielle Förderungen für Familien sollten nach Meinung Friesls so gestaltet sein, dass sie "nicht erwerbshemmend" sind. Daher sollten beim Kinderbetreuungsgeld "jene bevorzugt werden, die früher in den Arbeitsprozess zurückkehren". Auch bei der bisherigen Zuverdienstgrenze sollte man - so Friesl - sich "etwas überlegen".
Im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit betonte Friesl, dass es sich um ein "sehr komplexes Thema" handle. Wirtschaft und Arbeit hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verändert, so Friesl unter Hinweis auf die Globalisierung. Dies mache die Arbeitsmärkte instabiler, bringe aber den Konsumenten Vorteile, "weil es eine größere Auswahl gibt und die Produkte billiger werden". Ein - so Friesl - "unpopulärer, aber solidarischer" Gedanke sei: "Produktionsverlagerungen in die Länder des 'Südens' bringen auch den Menschen dort etwas".
Angesprochen auf die enge Verknüpfung zwischen Wirtschaft und Profitdenken sagte Friesl (der ausgebildeter Theologe ist und u.a. Präsident der Katholischen Aktion Österreich war), das "Gewinn-Ego" sei keine Erfindung der Unternehmer, sondern gehöre zu allen. Es sei eine uralte Frage, "ob Gewinn und Gerechtigkeit zusammengehen". In den vergangenen Jahren, so Friesl, werde aber immer klarer, dass "erfolgreiches Wirtschaften und verantwortungsvolles Handeln zusammengehen müssen". Der Industriellenvereinigung gehe es um Bewusstseinsbildung und um "längerfristige Konzepte", bei denen NGOs gute Partner seien. Die politischen Parteien würden in wichtigen Zukunftsfragen "zu stark in Legislaturperioden" denken, so Friesl.