"Nein zum Nationalsozialismus bis zur letzten Konsequenz"
Linz, 10.8.06 (KAP) Ganz im Zeichen des Themas "Religion und Politik" stand am Mittwoch die Gedenkfeiern zum Todestag des von den Nazis 1943 hingerichteten Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter in Ostermiething und St. Radegund (OÖ). Zum ersten Mal nahm auch der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz an den Feierlichkeiten teil. Mit ihm kamen Besucher aus vielen europäischen Ländern, darunter auch der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer, der Linzer Altbischof Maximilian Aichern und der Künstler Viktor Fortin. Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Radegund und einer Lichterprozession am Grab Jägerstätters wurde der Gedenktag abgeschlossen.
Wie Bischof Schwarz sagte, habe Jägerstätter das Nein zum Nationalsozialistischen Regime bis zur letzten Konsequenz - dem Verlust des Lebens und dem Verlust und der Belastung seiner Familie - durchgelebt. Aus Sicht des Zweiten Vatikanischen Konzils stehe er mit seinem Gewissen allein vor Gott. "Wir werden Franz Jägerstätter erst gerecht, wenn wir sein Vorbild auch mit unserem Leben verknüpfen", so Schwarz. Jägerstätter sei ein "markantes Zeichen der Verwirklichung des Willens Christi und ein Zeichen für unsere Kirche".
Der Innsbrucker Sozialethiker Prof. Wolfgang Palaver ortete in seinem Vortrag eine Rückkehr des Religiösen in der Politik. Man lebe heute bereits in einer "postsäkularisierten" Welt. Soziologen und Politikwissenschafter sagten zunehmend, man müsse die Religion studieren, um Zusammenhänge zu erkennen. Beim Götzendienst sei die "Menschenfurcht" für das Kollektiv der stärkere Faktor als die Gottesfurcht. Genau hier setze die Überzeugung Jägerstätters ein. In zahlreichen Briefen und Aufzeichnungen spreche er von der Gefahr der Menschenfurcht. Immer wieder betone er, dass die Gottesfurcht der Menschenfurcht vorzuziehen sei. "Jägerstätter ist ein großer politischer Mystiker, weil er die Gnade der Visionen und Einsichten gehabt hat, die ihn vor dem Götzendienst gewarnt haben", so Palaver.
Vom Leben und Martyrium dreier österreichischer Chinamissionare berichtete der Kapuzinerpater Gaudentius Walser. P. Theophil Ruderstaller aus Ostermiething, P. Antonin Schröcksnadel aus Innsbruck und Bruder Günther Krabichler aus Landeck wurden 1946 in China ermordet. Die katholische Gemeinde in der Mandschurei lebt seit dieser Zeit bis heute durch den Einsatz von Laien weiter. Heute bemühen sich die Kapuziner wieder um Kontakt zu den chinesischen Christen.