Papst-Seminar zum Thema Evolution
Rom-Wien, 9.8.06 (KAP) Das Thema "Schöpfung und Evolution" will Papst Benedikt XVI. in einem Seminar in Castel Gandolfo Anfang September, kurz vor seiner Reise nach Bayern, erörtern. Der Papst trifft sich dazu mit seinen ehemaligen Studenten aus Regensburg, wie der römische Nachrichtendienst "Koraym" - Herausgeber ist die katholische Erneuerungsbewegung "Nekatechumenaler Weg" - am Mittwoch berichtete.
Der sogenannte "Ratzinger-Schülerkreis" wird sich demnach in der ersten Septemberwoche in der Päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo zu Vorträgen und Diskussionen versammeln. Unter den Referenten sind Kardinal Christoph Schönborn - er studierte 1972-73 in Regensburg-, der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Peter Schuster, der Münchner Philosophieprofessor P. Paul Erbrich SJ sowie der emeritierte Münchner Professor für philosophische Naturlehre, Prof. Robert Spaemann.
Kardinal Schönborn, der mit einem Meinungskommentar in der "New York Times" im Sommer des Vorjahrs eine lebhafte Debatte angestoßen hatte, stellte vor kurzem in einem ORF-"Philosophicum" klar, dass er in seinem Artikel ganz bewusst nicht den Begriff "intelligent design" verwendet habe. Es gehe schlicht um die Frage, ob man sich bei der Betrachtung der Naturphänomene auf die Vernunft verlassen kann oder ob man sie beiseite lassen muss. Es sei selbstverständlich, dass man mit den strengen Methoden der Naturwissenschaft nicht einen "Plan" feststellen könne. Sein Kommentar in der "New York Times" sei ein "Katalysator" gewesen, der etwas sichtbar gemacht habe, was "als Diskussion in einem viel größeren Umfeld da ist", betonte der Kardinal.
Er halte es für positiv, wenn über verschiedene Zugänge zum Welt- und Naturverständnis kontrovers diskutiert wird und man sich nicht vorschnell mit einem oberflächlichen "Burgfrieden" begnügt, sagte der Wiener Erzbischof. Bereits vor 20 Jahren habe er zu dieser Frage einen Aufsatz unter dem Titel "Vom Burgfrieden zum konstruktiven Konflikt" geschrieben.
Das für ihn "schönste Resultat" der jüngsten Evolutionismusdebatte sei ein Gespräch zwischen zwei jungen Menschen gewesen, das er zufällig in der Wiener U-Bahn mitverfolgt habe, sagte Schönborn. Die beiden hätten lebhaft über die Frage diskutiert, ob sie nun als ein "Produkt des Zufalls" ins Leben gerufen worden seien oder aber "gewollt". Genau das sei die "existenzielle Frage", die alle Menschen betreffe, auch wenn sie mit den Methoden der Naturwissenschaft nicht zu beantworten sei. Um diese "existenzielle Frage" komme aber niemand herum. Und doch wolle jeder seinen Kindern, seinen Freunden eine Erklärung geben, ob das Leben sinnvoll ist.
Der Wiener Erzbischof erinnerte am 18. Juli in einer Katechese im Wiener Stephansdom daran, dass die katholische Kirche "unbeirrt von aller oft massiven Kritik daran festhält, dass es so etwas wie die Sprache des Schöpfers" in der Natur gebe. Deshalb gebe es auch "eine sittlich verbindliche Schöpfungsordnung". Sie sei etwa in den bioethischen Fragen die Richtschnur.
Schönborn erinnerte, dass die "Darwinsche Geschichte" heute nicht nur die Vorstellungen vom Ursprung des Lebens und seiner Entwicklung präge, sondern auch weithin "das gesellschaftliche Leben, die großen sittlichen Orientierungen, in der Bioethik, in der Pädagogik, in der Wissenschaft". Die Alternative zur "Darwinschen Geschichte" sei jedoch nicht der Kreationismus, wie das gerne dargestellt werde, "sondern das Miteinander von 'Darwinsleiter' und 'Jakobsleiter'".
Kardinal Schönborn wörtlich: "Es spricht vieles dafür, dass das Leben sich in einem langen, aufsteigenden Prozess aus einfachsten Anfängen bis zur Komplexität des Menschen aufsteigend entwickelt hat. Es ist etwas Wunderschönes, immer tiefer in die gemeinsamen Bausteine und damit in die Verwandtschaft allen Lebens einzudringen. Es ist aber nicht nur nicht notwendig, sondern geradezu unsinnig und jeder Vernunft widersprechend, diesen grandiosen Weg des Lebens bis hin zum Menschen als bloßen Zufallsprozess zu sehen".