15. August: Zehntausende pilgern in Marienorte
Wien, 11.8.06 (KAP) Im Zeichen von Festgottesdiensten und Prozessionen steht am kommenden Dienstag das "Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel", das höchste Marienfest der katholischen Kirche. Das am 15. August gefeierte Hochfest wird volkstümlich "Mariä Himmelfahrt" genannt.
Tausende Pilger werden im österreichischen Nationalheiligtum Mariazell (Steiermark) erwartet. Den Festgottesdienst um 10 Uhr in der Mariazeller Basilika zelebrieren der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat und der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari. Erzbischof Farhat ist seit 2005 Vatikan-Botschafter in Österreich. Er wurde 1933 im Libanon geboren und 1959 zum Priester geweiht. Seit 1989 steht er im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Bereits am Vorabend, 14. August, wird der Nuntius um 20.30 Uhr an der großen Lichterprozession durch die Stadt teilnehmen.
Im Wiener Stephansdom zelebriert Kardinal Christoph Schönborn um 9.30 Uhr den Festgottesdienst. Musikalisch wird das Pontifikalamt von der Wiener Dommusik mit der selten gespielten "Missa longa" von Wolfgang Amadeus Mozart gestaltet.
Die Tradition der berühmten Wörthersee-Schiffsprozession am 15. August geht auf das Jahr 1954 zurück. Der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz wird die Prozession leiten, Festprediger ist der steirische Altbischof Johann Weber. Einlass auf die Schiffe bei der Schiffsanlegestelle Klagenfurt ist ab 19.15 Uhr. Anschließend werden die verschiedenen Haltestellen der Prozession angefahren: Krumpendorf (20.10 Uhr), Pörtschach (21 Uhr), Velden (21.55 Uhr) und Maria Wörth (22.55 Uhr). Gegen 23.50 Uhr treffen die Prozessionsschiffe wieder in Klagenfurt ein. Bei den verschiedenen Anlegestellen wird auch in diesem Jahr ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten. In Maria Wörth erfolgt mit der Erneuerung der Weihe an die Gottesmutter durch Bischof Schwarz der Höhepunkt der Schiffsprozession.
Eine Schiffsprozession gibt es am 15. August auch auf dem Bodensee. Die Prozession entstand aus einer privaten Initiative. Heute ist sie eine echte "Dreiländer-Wallfahrt" Österreich-Bayern-Schweiz. Abfahrt der Schiffe ist ganztägig von den Häfen Lindau und Bregenz.
Ganz im Zeichen des Festes der Aufnahme Mariens in den Himmel stehen am 15. August auch die großen Wallfahrtsorte im Burgenland wie die Wallfahrtsbasilika Loretto oder die Basilika von Frauenkirchen im Seewinkel. Auch in der der niederösterreichischen Lourdesgrotte im Wienerwald bei Klosterneuburg stehen Gottesdienste auf dem Programm. Am Nachmittag finden ein Rosenkranzgebet und ein Gottesdienst mit dem alten Brauch der Kräuter-Segnung statt. Weiters gibt es in Maria Gugging einen Gottesdienst mit Kräuter-Segnung.
Die Wallfahrtsstätten in Maria Gugging sind denen des Marienheiligtums in Lourdes nachgebildet. Die im Stil der Bergbasilika von Lourdes erbaute Kirche in Maria Gugging und die Lourdesgrotte im Wienerwald verbindet ein rund zwei Kilometer langer Pilgerweg. Die Lourdesgrotte im Wienerwald, die pro Jahr von 60.000 Pilgern aufgesucht wird, ist der meistbesuchte Wallfahrtsort der Erzdiözese Wien.
In Tirol wird das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel zugleich als Landesfeiertag zur Erinnerung an die Befreiung Tirols begangen.
Seit Mitte des fünften Jahrhunderts
Der "Tag der Gottesmutter Maria" ist bereits für die Mitte des 5. Jahrhunderts bezeugt. Die östliche und die westliche Kirchentradition setzten später unterschiedliche Akzente: Die ostkirchliche Theologie spricht von der "Entschlafung" (dormitio) Mariens, die westkirchliche von der "Aufnahme in den Himmel" (assumptio). Papst Pius XII. erklärte im Jahr 1950 - nach einer Befragung aller Bischöfe der katholischen Weltkirche - die "leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel" zum Dogma. Der Pacelli-Papst hatte damit eine seit vielen Jahrhunderten von Theologie und Volksfrömmigkeit bezeugte Glaubenslehre feierlich proklamiert.
In Liturgie, Theologie und Volksfrömmigkeit wird Maria am 15. August einerseits als "Mutter" dargestellt - Mutter Jesu und Mutter der Menschen -, andererseits aber auch als "Urbild des Glaubens" und "Vorbild der Kirche".
Aus den Legenden um die Gottesmutter haben sich einige Bräuche entwickelt, die heute noch lebendig sind. Der alte Brauch der Kräuterweihe am 15. August ist auf die Legende zurückzuführen, dass die Apostel das Grab Mariens noch einmal öffnen ließen. Dabei fanden sie nicht mehr den Leichnam, sondern Blumen vor. Eine andere Legende erzählt, dass dem Grab in dem Augenblick, in dem Maria in den Himmel aufgenommen wurde, ein wunderbarer Duft wie von Kräutern und Blumen entstiegen ist. Nach der Segnung der Kräuter am 15. August werden diese im Haus, oft in Form von Kräuter-Sträußen, aufbewahrt.