Massenansturm auf das Turiner Grabtuch
Das Tuch kann bis 23. Mai besichtigt werden. Kardinal Christoph Schönborn leitete im Turiner Dom einen großen Gottesdienst. Wissenschaftler: Keine Mittelalter-Fälschung
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Turin, 12.04.2010 (KAP) Mehr als 48.000 Besucher haben am ersten Ausstellungstag in der Kathedrale von Turin das Grabtuch Jesu besichtigt. Trotz heftigen Regens warteten die Gläubigen am Sonntag teilweise bis zu zwei Stunden, um das Leinentuch mit dem mysteriösen Abbild eines Gekreuzigten betrachten zu können. Zusätzliche Verzögerungen gab es, weil sich Besucher nicht an die von den Organisatoren zugewiesenen Besuchstermine hielten.
Zahlreiche Pilgergruppen feiern in Turin auch Gottesdienste; so leitete Kardinal Christoph Schönborn am Sonntagabend im Turiner Dom einen großen Gottesdienst. Am Montagabend hält der Wiener Erzbischof einen auf das Grabtuch Bezug nehmenden Vortrag zum Thema "Passio Christi - Passio Hominis".
Das seit Samstag zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder ausgestellte Grabtuch kann bis zum 23. Mai betrachtet werden. Am 2. Mai wird Papst Benedikt XVI. in der norditalienischen Industriemetropole einen großen Gottesdienst feiern und vor der Reliquie im Dom beten.
Es sei ausreichend, sich eine halbe Stunde vor der vom elektronischen Buchungsverfahren zugewiesenen Besuchszeit im Eingangsbereich einzufinden, appellierten die Organisatoren an die Besucher. Früheres Eintreffen führe zu Behinderungen und bringe den äußerst knapp kalkulierten Zeitplan durcheinander. In den nächsten Wochen werden rund zwei Millionen Menschen zu Grabtuch-Ausstellung erwartet.
Abweichende Messergebnisse
Der Materialwissenschaftler Giulio Fanti erklärte am Montag in der italienischen Tageszeitung "Il Giornale", das Grabtuch von Turin sei keine Fälschung aus dem Mittelalter. Die Radiokarbon-Datierung zwischen 1260 und 1390 müsse durch eine Verunreinigung der Probe zustande gekommen sein, erklärte der in Padua lehrende Professor für mechanische und thermische Messverfahren. Er hatte mit drei weiteren Wissenschaftlern die Daten der C14-Untersuchung von 1988 neu ausgewertet.
Aus den Abweichungen der Messergebnisse von den drei damals beteiligten Labors gehe hervor, dass "irgendein äußerer Faktor von Kontamination" in dem Leinen vorhanden sei, sagte Fanti. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine mittelalterliche Fälschung handle, liege bei eins zu 18,6 Milliarden. Fanti und seine Forscherkollegen hatten ihre Berechnungen zuvor in einer italienischen Fachzeitschrift veröffentlicht.
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