Regierung will mehr Schutz gegen Kindesmissbrauch
Ziel sei ein "breiter gesellschaftlicher Schulterschluss" für die gewaltfreie Zukunft von Kindern im Land, hieß es nach Rundem Tisch mit Experten zu der Justizministerin und Familienstaatssekretärin luden
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Justizministerin Bandion-Ortner, Familienstaatssekretärin Marek und Jugendpsychiater Friedrich |
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Wien (KAP) Die Regierung will die Schutzmaßnahmen gegen Kindesmissbrauch in der gesamten österreichischen Gesellschaft verbessern und Kinder wie auch Erwachsene stärker für das Tabu-Thema "Missbrauch" sensibilisieren. Das haben Justizministerin Claudia Bandion-Ortner und Familien-Staatssekretärin Christine Marek nach dem Runden Tisch zum Thema "Kindesmissbrauch" am Dienstagnachmittag in Wien betont. Sie habe großen Respekt für den Mut der Betroffenen, die jetzt über das Erlebte sprechen, sagte Marek im Pressegespräch nach dem Expertendialog. Erst dies habe die Chance zu einer breiten gesellschaftlichen Aufarbeitung des Themas ermöglicht. Ziel sei nun ein "breiter gesellschaftlicher Schulterschluss" für die gewaltfreie Zukunft von Kindern im Land. "Das Tabu darf nicht länger bestehen", unterstrich auch Ministerin Bandion-Ortner.
Die Ministerinnen kündigte Maßnahmen in den Bereichen "Prävention", "Sensibilisierung" aber zur Verbesserung der "Reaktion" auf Missbrauchsfälle an. "Wir brauchen das Rad nicht neu erfinden", auf bestehende Standards und Einrichtung könne aufgebaut werden, sagte Staatssekretärin Marek. Den Runden Tisch sieht sie als "Startschuss" für einen "breiten und nachhaltigen Prozess" zum verstärkten Kinderschutz. "Wir müssen das Bewusstsein für das Problem Missbrauch in die Köpfe bringen."
Konkret wird das Familienministerium ein interdisziplinäres Expertengremium zur Verbesserung des Kinderschutzes zwischen Medizin und Jugendwohlfahrt einrichten, dass die Kommunikation und den Informationsaustausch verbessern soll. Eine zweite Expertengruppe wird sich gesondert mit Möglichkeiten zur Eindämmung von sexuellem Missbrauch in "geschlossenen Institutionen" wie Schulen oder Heimen auseinandersetzen. Ziel ist auch die verstärkte Aus- und Weiterbildung sowie die Sensiblisierung von Pädagogen im Bezug auf Kindesmissbrauch. Hier soll es zusätzliche Ausbildungsstunden sowohl für angehende Lehrer als auch bei bereits tätigen Pädagogen geben.
In jeder Staatsanwaltschaft werde in Zukunft ein Staatsanwalt als Anlaufstelle für Missbrauchsfälle genannt, kündigte Justizmininterin Bandion-Ortner an. Ausgeweitet wird auch die staatliche Unterstützung für die bestehende Hotline der Kinderschutzzentren "Die Möwe" (Telefon 0800/80.80.88).
Der Expertendialog habe auch gezeigt, dass die österreichische Gesetzeslage zur Verjährungsfrist und der Anzeigepflicht bei Verdachtsfällen "ausreichend" sei, sagte die Justizministerin. Österreich nehme hier im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle ein.
Auch der Wiener Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Max Friedrich wandte sich gegen eine generelle Anzeigepflicht; diese würde laufe dem Kindeswohl zuwider laufen, so Friedrich. Der Jugendpsychiater forderte mehr finanzielle Mittel für den Ausbau der Kinderschutzeinrichtungen in Österreich. "Wir leben zwar in einem reichen Land. Für den Schutz von Kindern brauchen wir aber Geld, Geld und noch mal Geld."
Wancata: Prävention ist richtiger Weg
Am Runden Tisch im Familienministerium beteiligten sich rund 30 Fachleute aus Familienorganisationen, der Jugendwohlfahrt, der Kinder- und Jugendanwaltschaft, dem Kindergarten- und Schulbereich, der Justiz sowie Hilfseinrichtungen für Missbrauchsopfer. Als Experten aus dem kirchlichen Umfeld waren u.a. der Psychiater und Leiter der Wiener Ombudsstelle für Missbrauchsopfer in der Kirche, Prof. Johannes Wancata, und die Direktorin des katholischen Schulzentrums der Schulschwestern in der Friesgasse in Wien-Fünfhaus, Sr. Beatrix Mayerhofer, dabei.
Wancata hob im Gespräch mit "Kathpress" positiv hervor, dass beim Runden Tisch das Missbrauchsproblem sehr umfassend zur Sprache gekommen sei. "Der starke Fokus auf verbesserte Prävention ist sicher der richtige Weg", resümierte Wancata.
Mit Klasnic in regelmäßigem Kontakt
Das Thema "Missbrauch" müsse als bereits gesellschaftliches Problem gesehen werden, betonte Staatssekretärin Marek. "Es ist bei weitem nicht aussschließlich der Kirche zuzuordnen, auch wenn die öffentliche Diskussion auf die Fälle in der Kirche zurückzuführen ist." Missbrauch passiere überwiegend im familiären und sozialen Umfeld von Kindern.
Ziel des Runden Tisches sei nicht die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche oder die Diskussion von Entschädigungszahlungen gewesen, sagte Marek auf Anfrage von Journalisten. Dies sei Aufgabe der Unabhängige Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic, die eine "sehr engagierte und professionelle Arbeit" aufgenommen habe, so Marek.
Klasnic konnte wegen eines seit langem geplanten Auslandstermins nicht am Runden Tisch teilnehmen. Die Staatssekretärin betonte aber, dass man mit Klasnic in "regelmäßigem" und "intensivem" Kontakt stehe und in der vergangenen Woche auch ein Treffen stattgefunden habe. Diese Vernetzung werde auch in den kommenden Wochen weitergehen.