Papst Benedikt: Missbrauchsskandal verpflichtet zur Buße
Jetzt, "unter den Angriffen der Welt, die uns unsere Sünden vorhalten, sehen wir, wie notwendig das Büßen ist", sagte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag
Image (img2) invalid or missing |
|
Vatikanstadt-Rom, 16.04.2010 (KAP) Papst Benedikt XVI. sieht angesichts des Missbrauchsskandals die Notwendigkeit zur Buße und Reue. "Wir Christen haben auch in jüngster Zeit oft das Wort Buße vermieden, weil es uns zu hart schien", sagte Benedikt XVI. in einer Messe mit der vatikanischen Bibelkommission am Donnerstag. Jetzt, "unter den Angriffen der Welt, die uns unsere Sünden vorhalten, sehen wir, wie notwendig das Büßen ist".
Die damit verbundenen Leiden bewirkten Reinigung und Wandlung, betonte der Papst: "Dieser Schmerz ist Gnade, weil er Erneuerung bedeutet." Es gehe auch darum, sich der göttlichen Barmherzigkeit und der Vergebung zu öffnen.
Zugleich sprach der Papst von einer "subtilen oder auch weniger subtilen Aggression gegen die Kirche" im Windschatten der Missbrauchskrise. Es herrsche in manchen Bereichen ein Druck, bei Angriffen auf die Kirche so zu denken, wie alle denken. Ein solcher erzwungener Konformismus könne Züge einer "echten Diktatur" tragen, bedauerte Benedikt XVI.
Kirche ließ sich "infizieren"
In einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Stampa" verteidigte der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Odilo Scherer, das Vorgehen von Benedikt XVI. in den Missbrauchsskandalen. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Kardinal Ratzinger schon in den 1990er-Jahren entschlossene Regeln eingebracht, um diese Missstände zu korrigieren. Heute zeichne sich in konzentrierten Aktionen ein hartnäckiger Wille ab, die Schuld an diesen Fällen dem Papst persönlich anzulasten.
Scherer sieht in der heutigen Gesellschaft Mitursachen für die Missstände in der Kirche. Die Missstände einer gesellschaftlichen "Kultur des Moments" seien in die Kirche eingedrungen und hätten diese infiziert. Dadurch sei "der Geist der Welt in die Kirche gekommen, obwohl diese die Welt mit dem Geist des Evangeliums durchdringen sollte".
Der Kardinal äußerte sich betroffen über die Skandale, die den Opfern immense Leiden und der Kirche großen Schaden zugefügt hätten. Dennoch dürften andere Missstände nicht in Vergessenheit geraten, wie Menschenhandel mit Frauen und Kindern, unterstrich Scherer. Auch Brasilien sei ein Reiseziel für Sextouristen, die an Kindern Scheußlichkeiten begingen, beklagte der Erzbischof.