Apostolischer Nuntius: "Europa braucht Österreich"
Graz, 16.8.06 (KAP) Die Bedeutung Österreichs für Europa hat der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat, bei einem Festgottesdienst in Mariazell zum Fest Mariä Himmelfahrt unterstrichen. Die Welt brauche Europa, und Europa brauche Österreich, um seine "Wurzeln aufzufrischen", so der Nuntius in seiner Predigt. Er rief Österreich und die Nachbarländer auf, den christlichen Glauben hoch zu halten. Denn: "Nur ein Volk, das Gott kennt und seinen geistlichen und moralischen Halt schätzt, kann eine Hilfe und eine Macht für den Frieden werden."
An dem Gottesdienst in Mariazell, den der Nuntius gemeinsam mit dem Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari zelebrierte, nahmen Tausende Pilger aus vielen Ländern Europas teil. Der Apostolische Nuntius in Österreich - er wurde 1933 im Libanon geboren - rief auch zum Gebet für die Menschen im Libanon auf. Er erinnerte an den Besuch Papst Johannes Pauls II. im Jahr 1983 in Mariazell. Damals habe der Papst wörtlich gesagt: "Wie ist es heute möglich, den Krieg zu vergessen, der die Brüder und Schwestern im Libanon zerreißt." Ebenso habe der Papst der Gottesmutter die Freiheit der Kirche in China und das Streben der Menschen für die Gerechtigkeit, den Frieden und die Brüderlichkeit als Anliegen anvertraut. Auch wenn diese Rede des Papstes 23 Jahre alt sei, so scheine sie "für das heutige Treffen geschrieben zu sein", so der Nuntius in seiner Predigt.
In seiner Predigt unterstrich er die lange Tradition von Mariazell als einem internationalen Wallfahrtsort. Aus ganz Europa, besonders aus Mitteleuropa, kämen Pilger zur "Magna Mater Austriae", um "einfach und spontan, frei und entspannt einige Momente bei Maria zu sein, sie um eine Gnade zu bitten, ihr einen Wunsch anzuvertrauen oder ihr einen Lieben oder Verwandten zu empfehlen".
Schönborn: Maria immer bei den Armen
Im Wiener Stephansdom rief Kardinal Christoph Schönborn beim Hochamt am 15. August zur Einsicht auf, dass es "nichts Größeres gibt als das Geheimnis des neu geschaffenen Lebens". Die Vision aus der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament, in der er den Kampf des "Drachen" mit der "schwangeren Frau" beschreibe, erinnere, dass die Mächte der Welt - ob Politik, Wirtschaft und Medien - sich oft gegen das Leben stellten. "Denn was ist gegen die ganze Machtentfaltung der Welt die Ohnmacht einer Schwangeren?", so der Wiener Erzbischof. Dennoch entscheide letztlich nicht Macht, sondern Liebe den Lauf der Welt.
Maria sei das "große Zeichen Gottes", das an diese Zusammenhänge erinnere, so Schönborn. Sie sei immer bei den Armen - ob in Nazareth, ob bei den Hirtenkindern in Fatima oder bei der 14-jährigen Bernadette Soubirous in Lourdes. Maria zeige, dass die große Entscheidung in der Weltgeschichte "mitten durch unser Herz" geht: "für oder gegen die Liebe, für oder gegen Christus".