Augsburger Bischof Mixa reichte Rücktritt ein
Er soll als Stadtpfarrer von Schrobenhausen zwischen 1975 und 1996 Heimkinder geschlagen und Stiftungsgeld satzungswidrig ausgegeben haben. Amtsverzicht ohne Beispiel in Deutschland
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Bischof Mixa |
München (KAP) Die Diözese Augsburg hat das Rücktrittsgesuch von Bischof Walter Mixa bestätigt. Der Amtsverzicht eines Bischofs unter öffentlichem und kircheninternem Druck ist in der Geschichte der katholischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland ohne Beispiel. Die Pressestelle teilte am Donnerstag mit, Mixa habe am Mittwoch Papst Benedikt XVI. um seine Entpflichtung gebeten.
Mixa zog mit dieser Entscheidung die Konsequenzen aus der seit drei Wochen anhaltenden Debatte um Vorwürfe gegen seine Person. Der gebürtige Oberschlesier soll als Stadtpfarrer von Schrobenhausen zwischen 1975 und 1996 Heimkinder geschlagen und Stiftungsgeld satzungswidrig ausgegeben haben. Insgesamt geht es dabei um mehr als 100.000 Euro.
In der Presseerklärung der Diözese heißt es, die anhaltende Debatte um Mixas Person habe die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet. Mit seinem Rücktritt wolle der Bischof weiteren Schaden von der Kirche abwenden und einen Neuanfang ermöglichen. "Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung", sagte der Bischof der Erklärung zufolge. Seiner eigenen Schwächen sei er sich in seinen fast 40 Jahren als Priester und 14 Jahren als Bischof wohl bewusst gewesen.
Die Affäre war vor drei Wochen durch einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ausgelöst geworden. Unter Berufung auf fünf eidesstattliche Erklärungen berichtete das Blatt erstmals am 31. März, dass Mixa als Schrobenhausener Stadtpfarrer Kinder im dortigen Kinderheim St. Josef wiederholt massiv geschlagen habe.
Der Bischof bestritt die Prügelvorwürfe zunächst. Später räumte Mixa ein, möglicherweise vereinzelt Ohrfeigen verteilt zu haben. In der Folge richtete sich die Kritik auch gegen seinen Pressereferenten Dirk Hermann Voß, Der Öffentlichkeitsreferent der Diözese Augsburg, Dirk Hermann Voß. Dieser hatte die Anschuldigungen als "absurd, unwahr und erfunden" zurückgewiesen und "rechtliche Schritte gegen entsprechende Behauptungen, mit denen der Bischof offenbar persönlich diffamiert werden soll", angekündigt.
Inzwischen hat sich das Blatt gewendet, und mehrere Anwälte sind mit der Klärung der Sachverhalte befasst. Strafrechtlich sind die Vorgänge dem Anschein nach alle verjährt. Nach dem am 16. April veröffentlichten Zwischenbericht des vom Heimträger eingesetzten Sonderermittlers hatte der Druck auf Mixa massiv zugenommen. Nicht nur aus der Politik, auch aus den Reihen Augsburger Priester kamen öffentliche Rücktrittsforderungen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, legten am Mittwoch dem Bischof eine Ruhepause nahe.
Mixa ist seit 2005 Bischof von Augsburg. Zuvor war er seit 1996 Bischof von Eichstätt und ist damit der dienstälteste Oberhirte in Bayern. Im Jahr 2000 folgte er als Militärbischof auf den verstorbenen Erzbischof Johannes Dyba.
Mixa mischte sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit prägnanten Statements in gesellschaftliche Debatten ein, vor allem in der Familienpolitik. Innerkirchlich war seine Wortwahl bisweilen umstritten. Bei vielen Gläubigen und auch bei den Bundeswehrsoldaten galt er als beliebter, engagierter Seelsorger.
Der Präsident des Zentralrats der Katholiken (ZdK), Alois Glück, nannte den Rücktritt Mixas eine unausweichliche Konsequenz. Der Würdenträger sei durch seinen Umgang mit den Vorwürfen unglaubwürdig geworden und habe die gesamte katholische Kirche belastet, sagte Glück im "Deutschlandfunk". ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper zeigte sich erleichtert über den angebotenen Rücktritt. Damit sei eine schwere Last von der Kirche abgefallen.
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