Vatikan lobt Vorgehen der Kirche in Österreich
Vatikansprecher P. Lombardi: Papst hat bei Missbrauchs-Causa nichts vertuscht. "Mea Culpa" nicht bestätigt. Er hebt den Umgang von Kardinal Schönborn mit der Angelegenheit hervor
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P. Federico Lombardi |
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Wien, 03.05.2010 (KAP) Vatikansprecher P. Federico Lombardi hat den offenen Umgang der österreichischen Kirche - mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze - mit der Missbrauchs-Causa gelobt. Auch die deutschen und amerikanischen Bischöfe gingen "gut mit der Sache um", so Lombardi in der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Kurier" (Montag). Positiv seien diesbezüglich auch die Runden Tische in Österreich und in Deutschland, "wo alle Kreise der Gesellschaft gemeinsam mit der Kirche am Problem arbeiten".
Im Blick auf die Weltkirche sei die Zahl der Fälle aber verschwindend klein, so Lombardi: "Ich habe den Eindruck, dass manchmal die Relationen verloren gehen."
Kardinal Angelo Sodanos Erklärung zu Beginn der Ostermesse im Vatikan, die Missbrauchsberichte seien "Geschwätz des Augenblicks", bezeichnete Lombardi als "sicher nicht die klügsten Worte". Es sei aber nicht verstanden worden, dass die Worte "eine Anspielung auf eine Homilie des Papstes einige Tage davor waren, wo der Papst diese Worte in einem ganz anderen Kontext benutzt hatte". Die Intention des Kardinal-Dekans sei keineswegs gewesen, "das Problem zu bagatellisieren".
"Mea Culpa" des Papstes nicht bestätigt
Nicht bestätigen wollte Lombardi Meldungen, wonach zum internationalen Priestertreffen im Vatikan am 11./12. Juni aus Anlass des Abschlusses des "Jahres der Priester" ein "Mea Culpa" des Papstes zur Missbrauchs-Causa vorbereitet wird: Er habe darüber keine Informationen. "Aber selbstverständlich steht es dem Papst völlig frei, am Ende dieses 'Jahres der Priester' zu sprechen oder zu schreiben, wie er glaubt. Ich glaube, dass man jetzt vielleicht zu viel auf diesen Punkt konzentriert ist, auch wenn es sicher ein sehr schwerwiegender und wichtiger Punkt ist."
Den Vorwurf an den Papst, er habe in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation zu verantworten, dass Fälle, die vor die Kongregation gebracht wurden, dort nicht korrekt gehandelt wurden, ließ Lombardi nicht gelten: "Da hat die 'New York Times' Dokumente veröffentlicht, aber auch hier gab es von uns eine klare Antwort: Die Leute, die die Kongregation kennen, die sind alle überzeugt, dass Kardinal Ratzinger immer die Linie der Klarheit und der korrekten Haltung verfolgt hat. Er stand immer für Transparenz, er hat nichts vertuscht. Und für eine strenge und ernste Führung bis zum Ende der kanonischen Prozesse gegen die Schuldigen. Wer Zweifel an dieser Haltung hatte, der konnte jedenfalls keine Beweise vorbringen, die das unterstreichen."
"Priesterversetzungen waren ein Fehler"
Die große Mehrheit der Fälle liege viele Jahre zurück, manche von ihnen sogar 30, 40 Jahre. "Dass es falsch war, dieses Problem lösen zu wollen, indem man Priester versetzt hat, sieht inzwischen jeder. Das war ein Fehler in der Verantwortung. Aber es ist sehr klar, dass das Prozedere heute ein anderes ist", so Lombardi.
Wenn ein berechtigter Verdacht bestehe, müsse man Maßnahmen treffen, damit diese Person keine Gefahr für andere mehr sein kann. Es gehe hier um vorsorgliche Maßnahmen, "und dann muss man den richtigen Prozess bis zum Ende führen und die notwendigen Entscheidungen treffen".
Benedikt XVI. wisse ganz genau, wie er weltkirchlich vorgehen wolle; er habe eine sehr klare Linie, so Lombardi: "Priorität haben die Opfer und deren Schmerz. Die Kirche muss versuchen, einen Weg der Heilung zu gehen." Die Treffen mit den Missbrauchsopfern seien deshalb für den Papst "sehr bedeutsam". Er habe von Gerechtigkeit und von Verantwortung der Täter gesprochen, und er habe klar gesagt, wie die Kirche damit umgehe - "mit Wahrhaftigkeit und Mut, und nicht durch Vertuschung; das betrifft auch die Gemeinden, sie müssen eine Sphäre der Sicherheit schaffen, wenn es um Erziehung geht".
Geographisch gesehen, habe sich der Papst vor allem in den letzten Monaten für die Kirche in Irland engagiert. Aber "seine Äußerungen gelten aber auch für andere Länder", betonte Lombardi.
Linktipp:
» Kurier-Interview mit Vatikansprecher Lombardi