Schönborn gegen ausländerfeindliche Wahlkampfparolen
Wien, 28.8.06 (KAP) Schwechat war am Sonntag Schauplatz eines bedeutenden ökumenischen Ereignisses: In der Kirche Klein-Schwechat zelebrierte der äthiopisch-orthodoxe Bischof für Nord-, Ost- und Westafrika, Daniel Yilma, den feierlichen Gottesdienst zum äthiopischen Kirchenfest "Filseta Le Mariam" (Mariä Himmelfahrt). Die Erzdiözese Wien hat den äthiopisch-orthodoxen Christen in Österreich die Kirche von Klein-Schwechat für ihre Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Kardinal Christoph Schönborn betonte beim Gottesdienst, dass es für ihn nicht nur eine Freude, sondern zugleich "heilige Pflicht" sei, einer so traditionsreichen Kirche wie der äthiopischen zu helfen. Zugleich bedauerte der Kardinal "als Vertreter der Mehrheitskirche in Österreich" ausländerfeindliche Parolen auf Wahlplakaten: "Hier schäme ich mich für Österreich - aber seien Sie versichert, dass keineswegs die Mehrheit der Österreicher, geschweige denn der Christen hier, so denkt".
Bischof Daniel Yilma war extra aus Äthiopien angereist, um gemeinsam mit der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde für Österreich, die in Schwechat seit vier Jahren ihre kirchliche Heimat gefunden hat, das große Marienfest zu feiern. Als Ehrengäste waren außer Kardinal Schönborn auch der altkatholische Bischof Bernhard Heitz und die äthiopische Botschafterin Konjit Sine Georgis anwesend.
Besonders beeindruckend waren für die vielen katholischen und evangelischen Gläubigen, die zum äthiopisch-orthodoxen Gottesdienst nach Klein-Schwechat gekommen waren, der sakrale Tanz des in Schwechat beheimateten äthiopischen Priesters Fantahun Muche Assefa und die festlich-farbenfrohe "Tabot-Prozession". Diese Prozession gilt dem "Tabot", einer Nachbildung der alttestamentlichen Bundeslade mit den Tafeln der Zehn Gebote, die in jeder äthiopischen Kirche aufbewahrt wird.
Der äthiopische Bischof erklärte in seiner Predigt, dass die Gottesmutter Maria die "neue Bundeslade" sei - sie hat Gott in sich getragen und sei damit für Christen Vorbild, die ebenso Gott in sich tragen und "zur Welt bringen" sollen (auch in der katholischen "Laurentanischen Litanei" wird Maria als "arca foederis" - Bundeslade - angerufen). Für das ausgesprochen positive Klima der Ökumene in Österreich gab es lobende Worte;die so intensive Unterstützung der Erzdiözese Wien für die äthiopische Kirche wie auch das gute Miteinander der Kirchen in Schwechat wurden unter großem Applaus bedankt.
"Wir haben hier in Schwechat endlich eine wirkliche Heimat gefunden", betonte Fantahun Muche Assefa, einer der beiden Priester, die die äthiopische Gemeinde betreuen; er selbst lebt und wohnt seit mehr als einem Jahr im Schwechater Pfarrhaus. Nach "Wanderjahren" in Wien hat die Pfarre Schwechat die Filialkirche Klein-Schwechat im August 2002 den äthiopisch-orthodoxen Christen für die Sonntags-Gottesdienste zur Verfügung gestellt.
"Es ist ganz einfach schön, was zwischen unseren Kirchen in den Jahren an Beziehungen gewachsen ist", betont der Schwechater Pfarrer Gerald Gump: "Besonders seit der Priester Fantahun bei uns im Pfarrhaus wohnt, nehmen auch immer mehr Christen unserer Pfarre Anteil am Leben unserer Schwesterkirche". Es habe bereits viele gemeinsame Gottesdienste und Initiativen - "auch unter Einbeziehung der evangelischen Christen" - gegeben.