Märtyrer-Priester Popieluszko seliggesprochen
Papst Benedikt XVI. würdigte den polnischen Geistlichen, der 1984 vom kommunistischen Geheimdienst ermordet wurde. Er gilt in Polen als Nationalheld
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Jerzy Popieluszko (1947-84) |
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Warschau-Nikosia, 06.06.2010 (KAP) In Warschau ist am Sonntag der vor 26 Jahren vom kommunistischen Geheimdienst ermordete polnische Priester Jerzy Popieluszko (1947-84) seliggesprochen worden. An dem Gottesdienst auf dem Pilsudski-Platz im Stadtzentrum nahmen rund 200.000 Menschen aus dem ganzen Land teil. Der Präfekt der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen, Erzbischof Angelo Amato, leitete die Zeremonie.
Papst Benedikt XVI. würdigte in einer auf die Altarbühne übertragenen Live-Schaltung aus dem Sportpalast in Nikosia, wo der Papst den Gottesdienst mit den Patriarchen und Bischöfen des Nahen Ostens feierte, den neuen polnischen Seligen. "Der Kirche in Polen sende ich meine herzlichsten Grüße. Die Kirche Polens ist heute voll Freude wegen der Erhebung von Jerzy Popieluszko zur Ehre der Altäre. Sein Eifer im Dienst für Gott und die Menschen und sein Martyrium sind ein besonderes Zeichen dafür, dass das Gute über das Böse siegt. Möge sein Beispiel und seine Fürbitte den Eifer der Prister entfachen udn die Gläubigen mit Liebe erfüllen", sagte Benedikt XVI.
Erzbischof Amato betonte vor der Feier in Warschau, die Seligsprechung des Priesters sei "nicht nur für Polen, sondern ebenso für die ganze Kirche wichtig". Popieluszko habe ein herausragendes Beispiel für die Konsequenzen des christlichen Glaubens und ein Zeugnis des priesterlichen Lebens gegeben. Eine zentrale Rolle bei der Feier nehme Popieluszkos Leitspruch "Besiege das Böse durch das Gute" ein.
Dieser Spruch schmückte auch die überdachte Bühne für den Altar. Nach dem Gottesdienst wurde eine Reliquie Popieluszkos mit einer zwölf Kilometer langen Prozession zur Nationalkirche "Tempel der Göttlichen Vorsehung" im Außenbezirk Wilanow überführt.
Der neue Selige gilt als Symbolfigur des kirchlichen Widerstands gegen die einstigen kommunistischen Machthaber in Warschau. Popieluszko hatte in seinen Predigten die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes angeprangert und die Gewerkschaft und die verbotene Freiheitsbewegung Solidarnosc unterstützt. Am 19. Oktober 1984 wurde er von Agenten des kommunistischen Geheimdienstes entführt und ermordet.
Der Mord verstärkte den Widerstand der Bevölkerung gegen das Regime und trug damit zum Fall des Kommunismus fünf Jahre später bei. Popieluszko wird in Polen schon lange als Nationalheld verehrt. Bereits mehr als 18 Millionen Menschen besuchten nach einer offiziellen Schätzung der Kirche sein Grab in Warschau.
Das Seligsprechungsverfahren für Popieluszko war 1997 eröffnet worden. Im Dezember 2009 sprach Papst Benedikt XVI. dem Priester den heroischen Tugendgrad zu. Im Fall eines Martyriums ist nach der vatikanischen Ordnung für Seligsprechungen kein separater Wunderprozess nötig.
Die Prozesse über die Popieluszko-Mörder und Hintermänner, Skandale um vernichtete Geheimdienstakten und vorzeitige Haftentlassungen hielten Polen immer wieder in Atem. Sie stehen für die Probleme des Landes mit der Aufarbeitung seiner kommunistischen Vergangenheit.
Landesweit gibt es bislang rund 70 Denkmäler und 130 Gedenktafeln für Popieluszko; in mehr als 70 Städten sind Straßen oder Plätze nach ihm benannt. 2009 kam sogar ein Actionfilm über Popieluszkos Leben in die Kinos. Und im vergangenen Herbst verlieh Polens inzwischen tödlich verunglückter Staatspräsident Lech Kaczynski ihm posthum die höchste Auszeichnung des Landes, den Weißer-Adler-Orden: Würdigung seines Kampfes für ein unabhängiges und gerechtes Polen.