Papst bittet um Vergebung für Missbrauch durch Priester
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Vatikanstadt (KAP) Mit einer eindringlichen Vergebungsbitte hat Papst Benedikt XVI. am Freitag zum Abschluss des Priesterjahres den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche beklagt. "Wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen", sagte er bei der Schlussmesse am Freitag auf dem Petersplatz.
Gerade in diesem Jahr seien die Sünden von Priestern bekanntgeworden, die das Priestertum in sein Gegenteil verkehrt hätten. Künftig wolle man alles Denkbare tun, um die "Authentizität" von Priesterberufungen zu prüfen und die Geistlichen noch mehr in ihrem Dienst zu begleiten, unterstrich der Papst vor rund 15.000 Priestern im Vatikan.
Mit dem Gottesdienst beendete Benedikt XVI. das Priesterjahr, das am 19. Juni 2009 begonnen hatte. Es sei "zu erwarten" gewesen, dass das durch das Priesterjahr sichtbar gewordene "neue Leuchten des Priestertums" dem "bösen Feind" nicht gefallen würde. Diesem Gegner wäre es lieber, dass das Priestertum ausstirbt, "damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird", sagte der Papst in der Messe.
Benedikt XVI. wies damit auf die seiner Meinung nach bestehende Verbindung von Priesterjahr und Missbrauchsenthüllungen seit Jänner 2010 hin. Es seien "gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament" der Priesterweihe "die Sünden von Priestern bekannt" geworden - "vor allem der Missbrauch der Kleinen" -, in denen "das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt" worden sei.
Die Kirche verstehe das Geschehene auch als "Auftrag zur Reinigung". In erkennbarer Anspielung auf die Vertuschung von Missbrauchsfällen durch Bischöfe stellte der Papst klar, es sei "kein Zeichen von Liebe", wenn "ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird".
Der Priester sei nicht nur Amtsträger, wie jede Gesellschaft sie für bestimmte Funktionen brauche, unterstrich der Papst. Er leiste bedeutend mehr, indem er im Namen Christi Vergebungsworte für die Sünden spreche und Sakramente spende.
Intention des Priesterjahres sei es gewesen, "Größe und Schönheit des priesterlichen Dienstes neu zu verstehen" und die Geistlichen in ihrem Dienst zu bestärken und ihnen neue Freude zu vermitteln, führte der Papst aus.
Ausdrücklich unterstrich Benedikt XVI. die Aufgabe der Kirche, den Glauben gegen Verfälschungen und Verführungen zu schützen. Die Kirche müsse, sagte er unter Hinweis auf ein Bild der Psalmen, "den Stock des Hirten" gebrauchen und könne nicht mit Duldung auf das Wuchern von Irrlehre, Entstellung und Auflösung des Glaubens - "als ob wir den Glauben selbst erfänden" - reagieren. Allerdings müsse der "Stock immer wieder zum Stab des Hirten werden, der den Menschen hilft, auf schwierigen Wegen gehen zu können", so der Papst.
Gott sei kein ferner Gott, der für das persönliche Leben des Einzelnen unwichtig sei, hob der Papst in seiner Predigt hervor. Er lasse den Menschen nicht allein "in einer immer verwirrender werdenden Gesellschaft". Er kümmere sich um den jeden Einzelnen. Aufgabe der Priester sei es, ihrer Gemeinde und ihren Gläubigen in Schwierigkeiten beizustehen und die Sorgen Gottes um die Menschen "an einem kleinen Punkt der Geschichte mitzutragen".
Allerdings wollten viele Menschen auch gar nicht, dass Gott sich um sie kümmere, gab der Papst zu bedenken. Sie wollten nicht von Gott gestört werden. "Wo aber Gottes Sorge und Liebe als Störung empfunden wird, da ist der Mensch verkehrt", sagte Benedikt XVI.
Die Orientierung auf Gott mache Mut, weil Gott - wie ein Hirte - den ihm Anvertrauten den rechten Weg zeige, ihnen vorausgehe und sie führe. Das sei wichtig gerade in einer Zeit in der es viel Dunkel, Mutlosigkeit, Versuchungen und Prüfungen gebe, sagte der Papst.
Jean-Marie Vianney wird nicht Priester-Patron
Mehrere Tausend Priester hatten auch am Donnerstagabend an einer Gebetswache mit Benedikt XVI. auf dem Petersplatz teilgenommen. Vorher berichtete Vatikansprecher P. Federico Lombardi, dass der Papst Jean-Marie Vianney (1786-1859) nicht - wie ursprünglich berichtet - zum Patron aller Priester erheben werde. Benedikt XVI. ziehe es vor, dem als Beichtvater bekanntgewordenen französischen Seelsorger seinen bisherigen Titel als Patron der Pfarrer zu belassen. Dies entspreche stärker dem Profil Vianneys.
Für Geistliche, die außerhalb des Pfarrdienstes tätig seien, gebe es andere große Priestergestalten als Inspiration und Vorbild, hob Lombardi hervor. Auch Benedikt XVI. selbst habe im Verlauf dieses Jahres an andere Figuren heiliger Priester erinnert.
Der Vatikansprecher verwies auf eine Predigt des Papstes Anfang Mai in Turin. Darin hatte die Würdigung Leonardo Murialdo und Giuseppe Benedetto Cottolengo gegolten, die im 19. Jahrhundert in der norditalienischen Stadt wirkten.