Kardinal Schönborn zum Tod von Hans Dichand
Wiener Kardinal "trotz mancher inhaltlicher Differenzen" von Begegnungen mit Dichand "immer wieder bewegt und beeindruckt"
Image (img3) invalid or missing |
Wien, 17.6.10 (KAP) Als einen "großen Publizisten und Zeitungsmacher" und als einen, "dem die Menschen mit ihren Sorgen und Freuden ein Anliegen waren", hat Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag den verstorbenen Herausgeber der "Kronenzeitung", Hans Dichand, gewürdigt. "Man musste nicht alle seine Entscheidungen und Vorlieben teilen", so der Kardinal. "Aber eines stand außer Streit: seine Überzeugung, dass Religion zum Menschen gehört, dass die Geschichte Österreichs ohne die katholische Kirche nicht verständlich ist und dass die Botschaft des Evangeliums eine Antwort auf die Fragen des heutigen Menschen nach dem Woher, Wohin und Wozu des Lebens sein kann."
"Ganz persönlich haben mich die Begegnungen mit Hans Dichand immer wieder bewegt und beeindruckt - trotz mancher inhaltlicher Differenzen", sagte Schönborn. Dichand habe die Seiten seiner Zeitung dem Evangelium ganz bewusst geöffnet "und mir die Möglichkeit gegeben, an den Sonn- und Feiertagen das Evangelium den heutigen Lesern näher zu bringen", so der Kardinal. "Mit vielen Menschen bete ich für ihn und drücke seiner Familie und seinen Freunden mein herzliches Beileid aus."
Gegenüber "Kathpress" unterstrich Kardinal Schönborn, dass der gegenseitige Respekt auch bestehende Differenzen überwogen habe: "In der Europafrage waren wir etwa nicht einer Meinung, aber er hat das respektiert. Er war ein fairer und offener Mann, der seinen Standpunkt immer sehr entschieden vertreten hat", so der Kardinal.
Image (img2) invalid or missing |
Kardinal Christoph Schönborn
|
Gerade in entscheidenden Fragen habe er jedoch "sehr verantwortungsbewusst das Wohl des Landes und auch das Wohl der Kirche im Auge gehabt", betonte Schönborn weiters. Er sei stets "beeindruckt" gewesen, wie klar Dichand die Rolle der Kirche in der Gesellschaft "gesehen und geschätzt" habe. "Ich bewahre ihm ein sehr dankbares Andenken", so der Kardinal abschließend.
Auch "Medienbischof" gedenkt "respektvoll"
Auch der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Medienfragen zuständige Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari drückte nach Bekanntwerden des Todes von Hans Dichand seine Anteilnahme aus. Der "Krone"-Herausgeber habe "die Medienlandschaft Österreichs durch Jahrzehnte auf einzigartig erfolgreiche Weise geprägt". Der in Graz geborene Dichand sei "sich und anderen Menschen nie bequem" gewesen: "Er war ein ebenso zur Synthese wie zur Kritik besonders begabter Österreicher", so Kapellari in seiner Stellungnahme am Donnerstagnachmittag.
Kunst sei für Dichand "ein wichtiges Lebensmittel" gewesen. "Auch die Kirche war ihm wichtig, und er hat sie als tragende und beseelende Kraft der Zivilgesellschaft erkannt und anerkannt", erklärte der Bischof: "Dafür danke ich in respektvollem Gedenken."