Pfarrer Friedl: "Werden die Zogajs nicht im Stich lassen"
Die Familie muss nach Abschluss des Schuljahres trotz ihrer guten Integration in den Kosovo zurückkehren. Friedl habe erfahren, "was Menschen erleben, die ohnmächtig sind"
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Linz (KAP) Auch wenn die Familie Zogaj jetzt in den Kosovo zurückkehren muss, wird Pfarrer Josef Friedl sie weiterhin unterstützen. Und er wolle auch die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass die 18-jährige Arigona und ihre beiden jüngeren Geschwister Albin (11) und Albona (10) mit einem Schülervisum wieder nach Österreich einreisen dürfen, so Friedl im "Kathpress"-Gespräch. "Wir werden die Familie auch in Zukunft nicht im Stich lassen", so der Pfarrer wörtlich, der mit "wir" zahlreiche Menschen meinte, die sich durch seine Vermittlung mit der Familie solidarisch zeigen würden.
Derzeit sucht Friedl im Kosovo nach einer Unterkunft für die Familie. In das eigene - zerstörte - Haus der Zogajs in der Ortschaft Kaliqan, eineinhalb Autostunden von Pristina entfernt, könne die Familie nicht mehr zurück. Wohnraum sei inzwischen aber sehr teuer, berichtete der Pfarrer. Die Lebenserhaltungskosten im Kosovo hätten schon fast österreichisches Niveau erreicht, und die Familie stünde vor Ort vor dem Nichts. Friedl hat bisher nicht nur die Familie in Österreich, sondern auch die beiden älteren Brüder Arigonas im Kosovo unterstützt.
Die heute 18-jährige Arigona Zogaj lebt mit ihrer Mutter seit 2002 ununterbrochen in Österreich. Ihre zwei jüngeren Geschwister waren mit Ausnahme eines kurzen Aufenthalts auch nie in der Heimat ihrer Eltern. Trotzdem entschieden die Höchstrichter vor kurzem, dass eine Abschiebung der vier in Österreich lebenden Familienmitglieder möglich ist. Arigonas Vater Dzevat Zogaj sowie ihre Brüder waren bereits im September 2008 in den Kosovo ausgeflogen worden, obwohl sich davor ihr Asylverfahren jahrelang hingezogen hatte und die Familie in Oberösterreich bestens integriert war.
"Verletzen wir nicht Kinder, die hier integriert sind"
Pfarrer Friedl hat auch am vergangenen Donnerstag bei der Demonstration für die Zogajs am Wiener Heldenplatz das Wort ergriffen und seine persönlichen Beweggründe für sein Engagement erläutert: "Ich bin Europäer und versuche Christ zu sein. Ich sehne mich nach einem Europa, wo niemand draußen sein muss, wo alle europäischen Staaten Platz haben. Verletzen wir nicht Kinder, die hier integriert sind, machen wir einen Schlussstrich unter die Vergangenheit, denn die Kinder, die jetzt verletzt, zerstört, verwundet und traumatisiert werden, werden die EU-Bürger von morgen sein."
Er habe sich an die Seite von Arigona und ihrer Familie gestellt und erfahren, "was Menschen erleben, die ohnmächtig sind". Er habe Todesdrohungen bekommen mit Botschaften wie, dass er im Konzentrationslager vergast gehöre. Friedl: "Das erinnerte mich an die Geschichte und machte mich sehr betroffen, dass solches Gedankengut so auftaucht." Es sei auch bedauerlich, dass derlei Stimmungen für Wahlerfolge geschürt würden. Gestärkt hätten ihn aber auch viele Menschen, die ihm Mut gemacht und ein "Gespür für Ohnmacht, Kälte und Macht" hätten. Es mache ihn betroffen, so Friedl, "dass nicht Gnade vor Recht geht, sondern dass Recht gnadenlos gerade oder meist an Schwachen vollzogen wird".
Der Ungenacher Pfarrer wies auch die Rede von "Wirtschaftsflüchtlingen" zurück: Mutter Nurje habe vor dem Krieg im Kosovo flüchten müssen, weil ihr Haus von Bomben getroffen und zerstört wurde. Sie habe es gerade bis Albanien geschafft, "bei 20 Grad minus, zwei Meter hohen Schneewänden, die fünfjährige Arigona an der Hand, den sechs Monate alten Albin am Arm, mit Albona im sechsten Monat schwanger". Nach einem Jahr war sie in den Kososvo zurückgekehrt, habe dort aber keine Lebensgrundlage mehr gefunden und sogar um das Leben der kranken Kinder fürchten müssen.
Friedl: "Der Mann war in Österreich. Er hat sie nicht nachgeholt. Sie allein hat sich aufgemacht und ist über Italien nach Österreich gekommen und hat hier den Mann gesucht. Eine Frau, die ihre kleinen Kinder zugrunde gehen sieht, ist im Gewissen verpflichtet, alles zu tun, um die Kinder nicht sterben zu lassen."
Schülervisa für Arigona und Geschwister
Arigona Zogaj besucht seit dem September 2008 die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) in Linz. Sie müsste bis zum Abschluss noch ein Jahr absolvieren. Im Kosovo hänge sie wie ihre zwei jüngeren Geschwister in der Luft, so Friedl im "Kathpress"-Gespräch. Er mache sich auch große Sorgen um die Mutter, die an schweren Depressionen leidet. Eine entsprechende medizinische Versorgung sei im Kosovo nicht gewährleistet.
Die Familie wird nach Abschluss des Schuljahres am kommenden Wochenende in den Kosovo zurückkehren. Laut Medienberichten laufen im Hintergrund aber bereits "Verhandlungen" über eine Wiedereinreise von Arigona und ihren Geschwistern mit Schülervisa. Auch für Arigonas Mutter soll laut der Tageszeitung "Österreich" bereits eine Lösung gefunden worden sein: Sie soll als Saison-Arbeitskraft ein Visum bekommen.
Auf ein solches Szenario deuten auch jüngste Aussagen nahmhafter Politiker hin. So hatte beispielsweise Nationalratspräsidentin Barbara Prammer am Sonntag eine "Wiedergutmachung" für die Familie Zogaj gefordert. Sie habe den Eindruck, dass an der Familie "ein Exempel statuiert werden sollte", während andere Flüchtlinge humanitäres Bleiberecht erhalten hätten, kritisierte die SP-Politikerin am Sonntag in der ORF-Pressestunde. Sie erwartet sich daher von Innenministerin Maria Fekter, der Familie Zogaj entgegenzukommen, wenn sie sich nach ihrer Ausreise um einen legalen Aufenthalt in Österreich bemühe.