Wie der Papst urlaubt
Er verbringt die Sommerwochen in Castel Gandolfo mit Hausmusik, feilt an wichtigen Reden, bereitet seine England-Reise vor und spricht mit seinem Schülerkreis über die Hermeneutik des 2. Vatikanums
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Castel Gandolfo Sommerresidenz des Papstes |
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Rom, 08.07.2010 (KAP) Zum schneebedeckten Alpengipfel des Gran Paradiso kann Benedikt XVI. in diesem Sommerurlaub nicht aufschauen. Doch als "paradiesisch" würden Reisekataloge auch den Blick von seinen Gemächern im Apostolischen Palast von Castel Gandolfo auf den blauschimmernden Albaner See preisen.
Anders als in den vergangenen Jahren ist der Papst in diesem Jahr zur Erholung nicht in die norditalienischen Alpen gereist, sondern hat sich unmittelbar in die Sommerresidenz der Päpste 20 Kilometer südöstlich von Rom begeben. Die Kleinstadt in den Albaner Bergen liegt zwar nur 420 Meter über dem Meerspiegel - die früheren Feriendomizile Introd im Aostatal am Fuße des 4.000 Meter hohen Gran Paradiso und Brixen erhoben sich immerhin 880 Meter beziehungsweise 560 über diese Marke -, dennoch ist es in Castel Gandolfo um einige Grade kühler als im sommerlichen Rom.
Mit seinem letzten Bergurlaub verbindet Benedikt XVI. nicht nur gute Erinnerungen: Es war das Chalet des Salesianerordens in Les Combes im Aostatal. Eines Nachts im unvertrauten Zimmer nach dem Lichtschalter tastend, verhakte sich der Papst am Mobiliar, stürzte und brach sich das rechte Handgelenk. Fünf Wochen Gips, viel Medienrummel und vor allem Verzicht auf das geliebte Klavierspiel und das Schreiben von Manuskripten waren die Folge.
Das soll diesmal anders werden. Auf weitläufige Bergwanderungen ist der 83-jährige Benedikt XVI. ohnehin nicht erpicht, und für meditative Spaziergänge bietet das bewachte Gelände von Les Combes nur beschränkten Raum. Auch mit den Höflichkeitsbesuchen der örtlichen Repräsentanten von Kirche und Kommune, den sonntäglichen Angelusgebeten, zu denen Tausende auf die Alm stiefeln, und den regelmäßigen Briefings durch den Kardinalstaatssekretär war der Erholungswert der Alpenferien immer ein bisschen eingeschränkt. Gute Gründe, gleich in die vertraute Sommerresidenz zu ziehen.
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"Vatikan II" hatte Johannes Paul II. die drei Villen samt umfangreichen Park- und Gartenanlagen bisweilen scherzhaft genannt. So steht es auch auf einer Gedenktafel für den Vorgänger Benedikts XVI. in der Eingangshalle des Rathauses von Castel Gandolfo: "Vaticano secondo".
Dass Castel Gandolfo jedoch keineswegs ein zweites Rom ist, zeigte sich in der Absage des Begrüßungskonzertes für den Papst. Die ursprünglich für den 17. Juli vorgesehene Veranstaltung mit Orchester musste wegen Geldmangels abgesagt werden. Man dürfe die kleine Kommune, die von Almosen lebe, nicht mit Rom vergleichen, sagte der Bürgermeister von Castel Gandolfo zu seiner Rechtfertigung. Sein römischer Kollege hatte dem Papst am Hochfest Peter und Paul ein Konzert auf dem Kapitol spendiert.
Auch wenn Benedikt XVI. in diesem Jahr also auf symphonische Klänge verzichten muss, wird die Hausmusik nicht zu kurz kommen. Dafür dürfte nicht zuletzt seine Urlaubsbegleitung Georg Ratzinger als früherer Kapellmeister der Regensburger Domspatzen sorgen. Aber auch der Papst selbst setzt sich bekanntermaßen in Mußestunden gerne für eine Mozartsonate ans Klavier.
Zudem gibt es für den Papst auch einiges vorzubereiten. Die Englandreise vom 16. bis 19. September etwa. Traditionell nutzt Benedikt XVI. die Sommerwochen für die Abfassung wichtiger Reden. Insbesondere während der Herbstreisen in den vergangenen Jahren wartete er mit inhaltlich dichten, sprachlich akkurat gefeilten Ansprachen und Predigten zu Grundsatzthemen auf, sei es 2006 in Regensburg, 2007 in Wien, 2008 in Paris oder 2009 in Prag.
Am letzten Augustwochenende verwandelt sich die päpstliche Residenz schließlich in eine Sommeruniversität: Der Schülerkreis des Papstes kommt zu seinem Jahrestreffen zusammen. Vor seinen ehemaligen Studenten schlüpft Benedikt XVI. vorübergehend wieder in seine alte Rolle als Professor. Der Prunksaal wird zum Seminarraum. "Die Hermeneutik des Zweiten Vatikanischen Konzils", lautet der Titel der Veranstaltung in diesem Jahr. Das Thema ist eine der Konstanten im Pontifikat Benedikts XVI. - ebenso wie Castel Gandolfo und der Albaner See.