300.000 Pilger bei der Messfeier mit Papst
München, 10.9.06 (KAP) Der Glaube an Gott bedingt auch die Hinwendung zu den Armen und Leidenden: Dieser Gedanke prägte die Predigt Papst Benedikts XVI. bei der ersten großen Messfeier seines Bayern-Besuchs am Sonntag auf dem Gelände der Münchner Neuen Messe. "Das Soziale und das Evangelium sind nicht voneinander zu trennen", sagte der Papst wörtlich. Wenn Gott in der Mitte steht, dann können "Recht und Liebe entscheidend werden". Benedikt XVI. nannte in diesem Zusammenhang ausdrücklich "Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit".
An dem Gottesdienst bei strahlend blauem Himmel nahmen mindestens 300.000 Pilger aus Bayern und den umliegenden Ländern teil. Mit dem Papst und dem Münchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, zogen mehr als 60 Kardinäle und Bischöfe zur Eucharistiefeier auf der Altarinsel ein. Konzelebranten des Papstes waren u.a. der scheidende Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner. Unter den Gläubigen waren auch der deutsche Bundespräsident Horst Köhler und der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber anwesend.
Auf der Altarinsel stand das älteste Monumentalkreuz der Welt. Das "Enghausener Kruzifix" geht nach jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen auf das 9. Jahrhundert zurück. Es hängt sonst in einer kleinen Kirche im nur wenig mehr als 50 Einwohner zählenden oberbayrischen Weiler Enghausen.
Der Papst war zuvor unter dem begeisterten Beifall der Menge mit dem Papamobil zum Gottesdienstplatz gefahren. Dort waren bereits ab vier Uhr am Morgen die ersten Pilger eingetroffen. Der Gottesdienst begann mit dem Läuten der Benediktglocke. Die 260 Kilogramm schwere Glocke wurde im Rahmen einer Bürgeraktion in Traunstein durch Spenden finanziert. Sie soll künftig mit insgesamt sechs Glocken im Turm des Traunsteiner Studienseminars der Erzdiözese München und Freising erklingen. Das ursprüngliche Geläut war im Zweiten Weltkrieg abmontiert und nie wieder ersetzt worden. Der Papst besuchte als Jugendlicher das Studienseminar. Auf der Glocke sind die lateinischen Worte "Humanitas - Christianitas - Liberalitas Bavarica" zu lesen.
Das endgültige Nein zur Gewalt
In seiner Predigt rief Papst Benedikt XVI. die westliche Welt zu einer echten Toleranz auf, die "Ehrfurcht vor Gott" und dem, "was dem anderen heilig ist", einschließt. Nicht im christlichen Glauben sähen Menschen aus anderen Kulturen eine Bedrohung ihrer Identität, sondern "in der Verachtung Gottes und in dem Zynismus, der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht und Nutzen für zukünftige Erfolge der Forschung zum letzten ethischen Maßstab erhebt".
Der Papst unterstrich, dass die Kirche ihren Glauben niemandem aufdränge. Diese Art von Verbreitung des Glaubens sei dem Christlichen zuwider: "Der Glaube kann nur in Freiheit geschehen". Stattdessen appelliere die Kirche an die Freiheit der Menschen, sich für Gott aufzutun und ihm Gehör zu schenken.
Zugleich erinnerte Benedikt XVI. an das Besondere des christlichen Glaubens: Das Kreuz bedeute das endgültige Nein zur Gewalt, die "Liebe bis ans Ende". "Diesen Gott brauchen wir", sagte der Papst wörtlich. Es verletze nicht den Respekt vor anderen Religionen und Kulturen oder die Ehrfurcht vor ihrem Glauben, "wenn wir uns laut und eindeutig zu dem Gott bekennen, der der Gewalt sein Leiden entgegenstellt und der gegenüber dem Bösen als Grenze und Überwindung sein Erbarmen aufrichtet".