EU würdigt Beitrag der Religionen zur Armutsbekämpfung
Die Präsidenten der wichtigsten EU-Institutionen trafen in Brüssel mit 20 hochrangigen religiösen Würdenträgern zusammen. Kirchenvertreter erinnerten an die Not in Afrika
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Brüssel, 19.07.2010 (KAP) Die Präsidenten der wichtigsten EU-Institutionen haben den Beitrag von Kirchen und Glaubensgemeinschaften zur Armutsbekämpfung gewürdigt. "Wenn wir die Armut wirksam bekämpfen wollen, müssen wir uns ihre langjährige und weitreichende Erfahrung zunutze machen", sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso nach einer Begegnung mit rund 20 hochrangigen religiösen Würdenträgern am Montag in Brüssel. Das Treffen mit Vertretern von Christentum, Judentum, Islam, Sikhs und Hinduismus hatte zum Ziel, nach gemeinsamen Wegen zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung zu suchen.
EU-Ratspräsident Herman van Rompuy unterstrich, Armut sei nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich begründet. Die EU unterscheide sich in der Welt durch ihre Werte. Deswegen sei die Armutsbekämpfung besonders wichtig. Europaparlaments-Präsident Jerzy Buzek betonte, nötig sei es, Solidarität zu zeigen und Hand in Hand mit Kirchen und Religionsgemeinschaften zu arbeiten. "Die Kirchen haben eine entscheidende Rolle dabei zu spielen", so Buzek. Gegenwärtig gebe es "auch eine menschliche und moralische Krise, eine Krise der Werte".
Barroso verwies darauf, dass die Förderung von Beschäftigung nicht ausreiche, um Armut wirkungsvoll zu bekämpfen. Unter den von Armut bedrohten EU-Bürgern seien viele Kinder und Alte. Deswegen sei es entscheidend, mit den Religionsvertretern nach praktischen und konkreten Wegen aus der Armut zu suchen. Die EU hat sich das Ziel gesetzt, die Zahl der von Armut bedrohten Menschen bis 2020 um 20 Millionen zu reduzieren. Gegenwärtig seien 80 Millionen Menschen armutsgefährdet, sagte Barroso. Nach verschiedenen weiter gefassten Indikatoren schätzt die EU diese Zahl sogar auf 120 Millionen.
Hilfen für Afrika
Während der Begegnung forderte der Vorsitzende der EU-Bischofskommission (ComECE), Bischof Adrianus van Luyn, die EU solle für die Verringerung der Armut auch außerhalb ihrer Grenzen eintreten. Der Blick müsse sich dabei besonders auf Afrika richten: "Durch Europa Jahrhunderte lang kolonialisiert und ausgebeutet, wird er heute von korrupten Regierungen, von Kriegen, von Dürrekatastrophen und von der Geisel Aids ein weiteres Mal existentiell bedroht. Die täglichen Meldungen von ertrunkenen oder aufgegriffenen Flüchtlingen, die mit ihren Nussschalen über das Mittelmeer oder den Atlantik nach Italien, nach Spanien oder auf die Kanarischen Inseln zu gelangen versuchen, dringen kaum noch in unser Bewusstsein durch - und doch handelt es sich täglich um hunderte Menschen."
Weder der Ausbau einer "Festung Europa", noch eine Öffnung der Grenzen für Armutsflüchtlinge sei die Lösung, so der Bischof. Nötig sei vielmehr die Änderung der Lebensumstände in den Herkunftsländern.
Bei dem Treffen ging es nach Teilnehmerangaben auch um die Frage, wie der vom neuen EU-Vertrag vorgesehene Dialog mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften verwirklicht werden kann. Der Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Kardinal Peter Erdö, nannte die Begegnung der Religionsführer mit den EU-Präsidenten einen "Schritt in die richtige Richtung". Vorstellbar sei aber auch ein direkter Dialog mit einzelne, besonders bedeutenden Religionsgemeinschaften Europas. Barroso und Buzek kündigten an, sehr bald nach Wegen zu suchen, wie der Dialog mit den Religionsgemeinschaften verstärkt werden könne.
Das Treffen der EU-Spitze mit den Religionsführern fand bereits zum sechsten Mal statt. Zunächst hatte EU-Kommissionspräsident Barroso alleine die Würdenträger eingeladen. Unter deutscher EU-Präsidentschaft fand das Treffen 2007 erstmals auf Einladung aller drei EU-Institutionen statt. EU-Ratspräsident van Rompuy kündigte an, am 15. Oktober solle ein Treffen der EU-Spitzen mit humanistischen, freisinnigen und anderen nichtreligiösen Weltanschauungsgemeinschaften stattfinden.
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