"Maria und Jesus gehören zusammen"
München, 11.9.06 (KAP) Die Christen sollen sich von Maria, der "Mutter aller Glaubenden", auf die Stunde Jesu zuführen lassen, sagte Papst Benedikt XVI. am Montag beim Gottesdienst auf dem Kapellplatz von Altötting, dem "spirituellen Herzort Bayerns". Wörtlich sagte der Papst: "Maria und Jesus gehören zusammen".
In seiner Auslegung über das "Magnificat", den Lobgesang Mariens, und den Evangelientext zum Wunder von Kana (der Wandlung von Wasser zu Wein bei einer Hochzeit) betonte Benedikt XVI. die Bedeutung des richtigen Betens: "Wo Gott groß wird, da wird der Mensch nicht klein; da wird auch der Mensch groß, und da wird die Welt hell".
Im Bericht des Evangeliums über das Wunder von Kana vertraue Maria menschliche Not der Macht Jesu an, "einer Macht, die über menschliches Können und Vermögen hinausgeht". In der zunächst abweisenden Antwort Jesu ("Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen") werde letztlich das zweifache "Ja" Jesu und Marias zur Menschwerdung sichtbar. In diesem "Ja" könne Maria nach der scheinbar abweisenden Antwort zu den Dienern sagen: "Was er auch sagt, das tut".
Erster Beter in der Sakramentskapelle
Nach der Messfeier führte der Papst die Sakramentsprozession zur neuen Anbetungskapelle. Er trug die Monstranz mit dem Allerheiligsten in die erst am Freitag geweihte Kapelle und betete als erster in dem neu gestalteten Gotteshaus. Mehr als fünf Minuten verweilte Benedikt XVI. kniend vor der Monstranz mit der Hostie, zuletzt blieb er allein in der Sakramentskapelle.
Anschließend nahm Benedikt XVI. ein vom Programm in diesem Ausmaß nicht vorgesehenes "Bad in der Menge". Die Pilger jubelten ihm mit "Benedetto"-Rufen zu. Der Papst sprach mit vielen Pilgern und schüttelte unzählige Hände.
Die Diözese Passau hat in der ehemaligen Schatzkammer der Stiftskirche eine Anbetungskapelle eingerichtet. Auf einem Originalstein der Münchner Mariensäule wurde ein Tabernakel errichtet, in dem das Allerheiligste in der Monstranz aufbewahrt ist.
"Das Herz Bayerns"
Der oberbayrische Wallfahrtsort Altötting gilt als "katholisches Herz Bayerns". Papst Benedikt XVI. ist ihm eng verbunden. Sein Geburtshaus steht wenige Kilometer östlich. Wallfahrten führten ihn seit Kindesbeinen regelmäßig nach Altötting. Die Erlebnisse im Kreis der Familie gehören nach den Worten Joseph Ratzingers zu seinen "frühesten und schönsten Erinnerungen". Wenige Wochen vor seiner Wahl zum Papst besuchte er 2005 mit seinem Bruder Georg den Ort.
In dem Städtchen könnten die Katholiken "Kirche als mütterlich tragende Gemeinschaft erfahren", schreibt Benedikt XVI. im Geleitwort zum Stadtführer. Seit Juni ist er Ehrenbürger. Mehr als eine Million Menschen pilgern jährlich zur Schwarzen Madonna in die Gnadenkapelle. Die vermutlich im Burgund oder am Oberrhein geschnitzte Marienfigur mit dem Jesuskind kam um 1330 nach Altötting, wo die Gottesmutter bereits seit dem 9. Jahrhundert verehrt wurde. Berichte von zwei Heilungswundern 1489 begründeten die nunmehr über 500-jährige Tradition der Wallfahrt. Städtepartnerschaften verbinden Altötting mit den Wallfahrtsorten Mariazell, Fatima, Loreto, Lourdes und Tschenstochau.