Papst warnt Priester und Ordensleute vor Aktionismus
München, 11.906 (KAP) Benedikt XVI. hat Priester und Ordensleute vor blindem Aktionismus gewarnt und sie aufgerufen, ihrer Berufung treu zu bleiben. Wo Priester wegen der großen Aufgaben ihre Bindung an Gott vergäßen, würden sie "bei aller vielleicht heroischen Aktivität" am Ende die innere Kraft verlieren, die sie trägt, warnte der Papst am Montagabend in Altötting. Er beklagte den großen Priestermangel. Es fehlten die Menschen, die bereit seien, sich zu "Erntearbeitern Gottes" zu machen.
Der Papst äußerte sich bei einer Marianischen Vesper mit Ordensleuten und Seminaristen in der Basilika St. Anna in Altötting. Er hatte zuvor vor dem Reliquiengrab des 1934 heilig gesprochenen Altöttinger Kapuzinerbruders Konrad in der nahe gelegenen Konradskirche gebetet; dabei bezeichnete er den Kapuziner als Vorbild für geistliche Berufe. Der 1894 verstorbene Bruder Konrad habe ein großes Erbe ausgeschlagen, um Christus nachzufolgen und den Menschen nahe zu sein. Als "demütiger Pfortenbruder" sei er über vier Jahrzehnte Rat und Hilfe suchenden Menschen mit einer nicht zu zerstörenden Güte begegnet. Joseph Ratzinger war 1934 im Alter von sieben Jahren selbst mit seiner Familie dabei, als in Altötting die Feiern anlässlich der Heiligsprechung des Kapuziners stattfanden.
"Tiefe Bindung"
Der Papst mahnte Priester und Ordensleute, das Wichtigste für eine tiefe Bindung an Gott seien die "täglich von innen her gefeierte Heilige Messe", die Bibellektüre, das Stundengebet und die eucharistische Anbetung. Dabei verwies er auch auf die Bedeutung der Familien für den Nachwuchs an geistlichen Berufen. Familien seien als Raum des Lebens prägend dafür, dass junge Menschen das Beten lernten und Berufungen reifen könnten.
Den Weg von der Konradskirche zur Basilika legte Benedikt XVI. unter dem Jubel Tausender und anhaltenden "Benedetto"-Rufe langsam zu Fuß zurück, begrüßte dabei hunderte Pilger mit Handschlag und segnete Kinder.