"Christen müssen Freunde des Lebens sein"
Graz, 12.9.06 (KAP) Christen müssen "Freundes Lebens" in allen seinen Formen sein, betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari bei der steirischen Diözesanwallfahrt nach Mariazell. Der steirische Bischof erinnerte daran, dass Benedikt XVI., "den wir im nächsten Jahr in Mariazell voll Freude erwarten dürfen", noch als Kardinal von einem "Krieg gegen das Leben" in der westlichen Welt gesprochen hatte. Dieser Krieg finde in Gestalt der Abtreibung statt, die oft bereits als Instrument der Geburtenregelung eingesetzt werde. Er finde aber auch in Form der "Euthanasie und einer Embryonen verbrauchenden Forschung statt. "Freunde des Leben werden dazu nicht schweigen können", betonte Bischof Kapellari: "Sie werden immer neu sagen müssen, dass sie beim Einsatz für das Leben nicht eine katholische Sondermoral vertreten, sondern ein allgemeines humanistisches Ethos".
Wenn sich die Zivilgesellschaft lange "massiv am Leben vergreift", werde sie leiden, sagte der Bischof. Sie leide schon heute, ohne dass dies schon allgemein bemerkt werde. Im Einsatz gegen Missbräuche und Defizite auf Kosten der Humanität müsse man sich aber von der Pädagogik Benedikts XVI. leiten lassen: "Er versucht, zuerst und zuletzt das Positive, das Schöne am christlichen Ethos ins Licht zu setzen und so das Negative, das Böse in seinem Unwesen zu entlarven entsprechend seiner ersten Enzyklika 'Deus caritas est'".
In seiner Predigt äußerte sich Bischof Kapellari dankbar, dass in Österreich und in der Steiermark - wenngleich oft noch "leise" und in einer "Minderheitsposition" - gerade auch bei jungen Menschen eine religiöse Vertiefung aus christlichen Quellen gesucht und gefunden werde. Kapellari: "Diese jungen Leute wollen religiös tiefer denken und tiefer graben, als es im 'main stream' der Kirche und Gesellschaft oft geschieht". Der Bischof appellierte an die Katholiken, insbesondere auch an die Priester, diesen suchenden jungen Menschen durch einen "frohen und nicht durch Pessimismus flügellahm gewordenen Glauben" zu helfen. "Mieselsucht und Kritizismus" seien nicht zu verwechseln mit einem christlichen Realismus, der auf Illusionen und Schönfärberei verzichtet.
Der Christ dürfe der Wirklichkeit nicht ausweichen, auch wenn sie unangenehm ist. Bischof Kapellari erinnerte in diesem Zusammenhang an die nuklearen und ökologischen Gefahren, an den Terror und den "demographischen Winter", an die Gefährdung des Prinzips Ehe und Familie, an die spirituellen Defizite in Europa, "denen die oft zu sehr mit sich selbst beschäftigte Kirche nicht mit der ihr durchaus möglichen Kraft begegnet". All dies verurteile aber nicht zu "Lähmung". Es gebe gerade heute in Österreich und Europa viele Freiheitsräume, in denen Christen "viel gestalten und handeln können". Freilich sei dazu auch eine "immer wieder zu vollziehende Umkehr und Reinigung des Herzens" notwendig.
Ausdrücklich erinnerte Bischof Kapellari bei der Diözesanwallfahrt an die "Botschaft von Mariazell", die 2004 bei der "Wallfahrt der Völker", dem Höhepunkt des Mitteleuropäischen Katholikentages, von den beteiligten Bischofskonferenzen gemeinsam publiziert worden war. In den sieben Vorschlägen der "Botschaft von Mariazell" geht es u.a. um den Schutz des Lebens, um die Solidarität in Europa und der Welt, um die Bewahrung der Sonntagskultur, um die Vertiefung des Glaubenswissens und um die Schule des Gebets im Blick auf Christus.
An der Diözesanwallfahrt nahmen 3.000 Pilger teil, unter ihnen auch Altbischof Johann Weber und der Grazer Weihbischof Franz Lackner.