Neuer österreichischer Vatikan-Botschafter beim Papst
Castel Gandolfo, 18.9.06 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat beim Antrittsbesuch des neuen Botschafters Österreichs beim Heiligen Stuhl, Martin Bolldorf, die lange Verbundenheit und die vielen gemeinsamen Interessen zwischen Österreich und dem Vatikan unterstrichen. Dazu gehörten ganz besonders Europa und der weitere europäische Einigungsprozess, betonte der Papst am Montag gegenüber Bolldorf. Weiter würdigte Benedikt XVI. das Engagements des Staates Österreich für den Religionsunterricht und die humanitäre Hilfsbereitschaft der Österreicher. Bolldorf ist Nachfolger von Botschafter Helmut Türk der zum Internationalen Seegerichtshof gewechselt hat.
Im europäischen Einigungsprozess komme der Identität und den geistigen Fundamenten Europas mit ihrem christliche Erbe eine besondere Bedeutung zu, so der Papst in seinem Grußwort. Österreich sei als "europaerfahrenes Land" und auf Grund seiner Geschichte als einstiger Vielvölkerstaat geradezu "prädestiniert zu einem überzeugten Europaengagement im Rahmen der politisch-institutionellen Vorgaben und auch darüber hinaus", sagte der Papst.
Europa müsse auch eine Wertegemeinschaft sein. "Weder eine mehr oder weniger gut funktionierende Wirtschaftsunion noch ein bürokratisches Regelwerk des Zusammenlebens können die Erwartungen der Menschen an Europa vollends erfüllen. Die tieferen Quellen eines tragfähigen und krisenfesten europäischen 'Miteinanders' liegen vielmehr in den gemeinsamen Überzeugungen und Werten der christlichen und humanistischen Geschichte und Tradition des Kontinents", betonte Benedikt XVI. Ohne eine echte Wertegemeinschaft könne "letztlich auch keine verlässliche Rechtsgemeinschaft, die sich die Menschen erhoffen und erwarten, aufgebaut werden".
Österreich gehöre heute in Europa zu den kleineren Ländern, sagte der Papst, es könne jedoch einen großen Beitrag leisten, etwa für den Schutz der unantastbaren Würde des Menschen oder für die Stellung der Familie als Keimzelle der Gesellschaft im Lebensraum Europa.
Ausdrücklich verwies Benedikt XVI. auf die "bewährte und fruchtbare Zusammenarbeit und Partnerschaft von Staat und Kirche zum Wohle und Nutzen aller Einwohner" in Österreich. Dabei nannte er die Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft im Einvernehmen mit der Kirche und das Engagement des Staates für den Religionsunterricht - auf der Grundlage des Konkordats. Der Religionsunterricht sei in Österreich fester Bestandteil des Pflichtunterrichts. Durch die steigende Zahl von Schülern ohne Konfessionszugehörigkeit werde der Staat allerdings vor die Aufgabe gestellt, "auch diesen Kindern und Jugendlichen die Grundlagen des abendländischen Denkens und der vom christlichen Geist getragenen 'Zivilisation der Liebe' zu vermitteln".
Besonderen Dank sprach der Papst den Österreichern für ihre Hilfsbereitschaft für soziale, humanitäre und missionarische Projekte in aller Welt aus.
Präsident Fischer kommt in den Vatikan
In seinem Grußwort übermittelte Bolldorf dem Papst die persönlichen Wünsche von Bundespräsident Heinz Fischer, der demnächst dem Vatikan einen Besuch abstatten werde. Weiter wies der Botschafter auf den geplanten Besuch des Papstes in Mariazell im September 2007 hin. Auch wenn die heutige Entwicklung in Österreich mitunter unterschiedliche Tendenzen zeige, so seien "Österreich und seine Bevölkerung doch bis heute ganz wesentlich durch den christlichen Glauben geprägt". Diese "Pietas austriaca" bewirke, "dass wir uns unserer christlichen Wurzeln bewusst sind und die Werte des Christentums vertreten" - was gerade heute von besonderer Bedeutung sei. Diese Werte aus der öffentlichen Wahrnehmung "in die Sakristei" zurückzudrängen, würde einen Schaden für die Gesellschaft insgesamt darstellen, so der neue Botschafter.
Bolldorf, Jahrgang 1948, promovierte 1972 in Wien und besuchte anschließend die Diplomatische Akademie. 1974 trat er in den österreichischen diplomatischen Dienst ein und war zunächst am Ballhausplatz tätig, später auch an den österreichischen Vertretungen in Prag und Madrid und dann wieder im Außenministerium. Von 1988 bis 1994 war er bereits an der österreichischen Vatikanbotschaft tätig, bevor er wieder in die Zentrale berufen wurde. Ab 2002 war Bolldorf österreichischer Botschafter in der slowakischen Hauptstadt Bratislava.
Bolldorf setzte sich wesentlich für die intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Wien und Preßburg und für die Entwicklung des "versöhnten Klimas" zwischen Österreich und der Slowakei ein. Als Symbol dieses "versöhnten Klimas" bezeichnete der Botschafter den Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, der aus der Slowakei stammt.
Der neue österreichische Vatikanbotschafter ist besonders auch mit dem Malteser-Ritterorden verbunden. Er war von 1997 bis 2001 Kommandant des Malteser-Hospitaldienstes (MHDA). In diesem Zusammenhang trug er auch die Verantwortung für den größten MHDA-Einsatz der vergangenen Jahre im nordalbanischen Shkodra im Zug der Kosovo-Krise.