Bundeskanzler würdigt Pionierarbeit von Sr. Teuschl
Wien, 20.9.06 (KAP) Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat das langjährige Engagement von Sr. Hildegard Teuschl und dem von ihr mitgebegründeten Dachverband "Hospiz Österreich" gewürdigt. Ihre unermüdliche Informations- und Überzeugungsarbeit habe wesentlich dazu beigetragen, dass in Österreich heute die Hospizkarenz und die Patientenverfügung gesetzlich verankert sind, sagte Schüssel bei der Verleihung des diesjährigen "Felix Ermacora-Menschenrechtspreises" an Sr. Teuschl als Vorsitzende des Hospiz-Dachverbandes. Den diesjährigen "Menschenrechts-Pressepreis" überreichte der Bundeskanzler an den Publizisten Prof. Heinz Nußbaumer. Beide Persönlichkeiten stünden für eine "engagierte Bürgergesellschaft" im besten Sinne, für Bereitschaft, "auch über den eigenen Tellerrand zu blicken".
Teuschl forderte in ihrer Dankesrede, die im Wahlkampf andiskutierten Probleme im Bereich der Pflege müssten über den Wahltag hinaus "ein Thema bleiben" und harrten einer "unaufgerechten und sachlichen" Debatte. Man brauche nicht "barmherzige", sondern gerechte Lösungen für die Pflegebedürftigen, für ausländische Betreuerinnen und für die hiesigen Pflegekräfte. Prof. Nußbaumer rief dazu auf, in Politik und Gesellschaft verletzende Stereotype und Feindbilder abzubauen und zu überwinden.
"Für das Leben, gegen Irrweg Euthanasie"
VP-Klubobmann Wilhelm Molterer sagte als Obmann des "Felix-Ermacora-Menschenrechtsvereins", die Frage nach einem menschenwürdigen Sterben rühre an die Wertebasis einer Gesellschaft. Mit Hospizkarenz und Patientenverfügung habe sich Österreich "für das Leben und gegen den Irrweg" einer aktiven Sterbehilfe entschieden.
Der Sprecher des Beirates des Vereins, Prof. Heribert Franz Köck, erinnerte in seiner Laudatio auf die beiden Preisträger an den Grundsatz "Das Recht hilft dem Schwachen". Schwach sei der Mensch nicht nur am Anfang, sondern auch am Ende seines Lebens. Ein Sterben in Würde sei nicht nur der Wunsch vieler sondern auch ein Menschenrecht. Als negatives Beispiel nannte Köck die Niederlande, wo bereits 15 Prozent aller Todesfälle auf aktive Euthanasie zurückführen seien. Sr. Teuschl und die Hospizbewegung leisteten seitüber 30 Jahren Pionierarbeit, damit Sterbende nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt und der Wert des Menschen nicht nach einer materiellen Kosten-Nutzen-Rechnung bestimmt wird, hob Köck hervor.
Zu Nußbaumer sagte Köck, er habe als Journalist immer wieder unter Beweis gestellt, dass er, wenn er es für nötig hält, auch "gegen den Strom" schwimmt. Weiter würdigte er die großen Verdienste Nußbaumer für den interreligiösen Dialog, besonders mit den Muslimen.
Zu der Preisverleihung waren zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Medien gekommen, unter ihnen Alt-Bundespräsident Kurt Waldheim, Weihbischof Helmut Krätzl, der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat.
Hilfe auch für Angehörige
"Caritas Socialis"-Schwester Hildegard Teuschl ist, wie Landau gegenüber "Kathpress" hervorhob, eine der Pionierinnen des Sozialschulwesens in Österreich. Sie übernahm Mitte der 60er Jahre als Direktorin das Wiener Caritas-Ausbildungszentrum, das sie bis 1998 leitete. Anfang der 70er Jahre gründete sie die Fachschulen für Altendienste. 1978 initiierte sie "Lehrgänge für Behindertenarbeit" für Berufstätige, als Weiterentwicklung wurde im Jahr 1989 am Wiener Caritas-Ausbildungszentrum die "Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe" gegründet. Dank ihres Engagements wurde in Wien das erste mobile Hospizteam ins Leben gerufen. "Teuschl ist eine jener starken Frauen in der Kirche, die deutlich machen, dass die Kirche ohne engagierte Frauen um vieles ärmer dastehen würde", so Landau.
"Hospiz Österreich" ist der Dachverband von mehr als 100 ambulanten und stationären Hospizdiensten in allen Bundesländern Österreichs. Geschulte Pflegekräfte und Ärzte ermöglichen sterbenskranken Menschen ein würdiges Leben bis zuletzt durch Schmerztherapie und psychische, soziale und pastorale Begleitung in Wahrung der Autonomie des Kranken. Sie helfen den Angehörigen in der Zeit der Pflege und des Abschiednehmens. Außerdem werden ehrenamtliche Helfer vermittelt und Weiterbildungen in den Bereichen Hospizarbeit und "Palliative Care" (schmerzlindernde Medizin) geboten.
Prof. Heinz Nußbaumer leitete 20 Jahre das außenpolitische Ressort der Tageszeitung "Kurier" und arbeitete in den neunziger Jahren als Pressesprecher für die Bundespräsidenten Kurt Waldheim und Thomas Klestil. Derzeit fungiert er als Gastgeber der ORF-TV-Reihe "kreuz&quer: Philosophicum", als Herausgeber der Wochenzeitung "Die Furche" sowie als Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus" (IQ). Auch nahm Nußbaumer aktiv an zahlreichen Religionsdialogen teil. Großen Absatz fand zuletzt Nußbaumers heuer veröffentlichtes Buch "Der Mönch in mir", in dem er seine inneren Erfahrungen, die er während vieler Besuche in der orthodoxen Mönchsrepublik Athos gemacht hatte.