Alzheimer: "Mauer des Schweigens durchbrechen"
Wien, 21.9.06 (KAP) Mehr Hilfe und Solidarität für Alzheimer-Kranke und deren Angehörige hat der Wiener Caritasdirektor Michael Landau gefordert. Wie Landau am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien anlässlich eines "Aktionstages" der Caritas und der Österreichischen Alzheimer Liga zum internationalen Weltalzheimertag sagte, fühlten sich die Betroffenen häufig im Stich gelassen. Dabei gebe es kaum eine Erkrankung, die für Angehörige seelisch so belastend sei wie Demenz.
"Die Mauer des Schweigens" muss durchbrochen werden, so Landau. Das gelte umso mehr als Prognosen davon sprechen, dass die Zahl der Demenzkranken in Österreich von derzeit 100.00 auf etwa 234.000 im Jahr 2050 ansteigen wird. Der erhöhte Betreuungsbedarf für Alzheimer-Kranke müsse auch finanziert werden. Landau wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass laut derzeitiger Berechnung 2050 auf einen Demenzkranken etwa 17 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen; derzeit sind es noch 56.
"Wir wollen die Würde der an Demenz erkrankten Menschen verteidigen und einen Beitrag leisten, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern", so Landau bei der Pressekonferenz. Er erneuerte die Forderung nach Caritas nach einer Parlamentarischen Enquete zum Thema "Die Zukunft der Pflege in Österreich", bei der über die Parteigrenzen hinweg Lösungen gesucht werden sollten. Außerdem forderte Landau neuerlich einen nationalen Aktionsplan für den Pflegebereich.
Die Pflegedebatte in den vergangenen Wochen sehe er mit einer gewissen "Ambivalenz", so Landau. Einerseits sei er froh, dass dieses wichtige Zukunftsthema endlich öffentlich diskutiert werde. Andererseits seien Wahlkampfzeiten "nicht gerade Zeiten intensiver Nachdenklichkeit". Gerade beim Thema Pflege seien aber nachhaltige Lösungen unabdingbar, warnte Landau vor vermeintlich "raschen Lösungen".
An der Pressekonferenz nahmen auch die Ehrenpräsidentin der Österreichischen Alzheimer Liga, Lotte Tobisch, die Prädidentin der Liga, Marion Kalousek, die Vorsitzende der "Alzheimer Angehörige Austria", Antonia Croy, und Georg Vana von der Pharma-Firma Pfizer Austria teil. Croy forderte mehr Solidarität mit Betroffenen und deren Angehörigen. Die finanzielle Unterstützung der Pflege zuhause sollte in gleichem Ausmaß zur Verfügung stehen wie für die Heimpflege. Es sollte jeder die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, wo er betreut bzw. gepflegt werden möchte.
Kalousek unterstrich vor allem die Bedeutung der Früherkennung der Alzheimer-Krankheit. Eine "Kriminalisierung" des ausländischen Pflegepersonals, mit dem sich betroffene Familien derzeit helfen, bezeichnete Kalousek als "nicht tragbar".